Demografie-Studie: Zwei Drittel der Kreise verlieren Einwohner
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 10:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Bevölkerung in Deutschland schrumpft wieder, entwickelt sich regional aber sehr unterschiedlich. Das geht aus der neuen Studie „Demografische Lage der Nation“ hervor, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung erstellt hat.
Deutschland könnte bis 2045 deutlich Einwohner verlieren
Nach den Berechnungen könnte die Bevölkerungszahl bis 2045 auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte verlieren voraussichtlich Einwohner.
Besonders unterschiedlich entwickeln sich die Regionen im Osten Deutschlands. Zwölf der 20 Kreise mit den schwächsten Bewertungen liegen dort. Während Dahme-Spreewald, Leipzig, Potsdam und Dresden wachsen, könnte Suhl bis zu 30 Prozent seiner Bevölkerung verlieren.
Auch im Westen klaffen die Entwicklungen auseinander
Auch westdeutsche Regionen verzeichnen gegensätzliche Trends. Das Saarland verliert weiter Bevölkerung, während Städte wie Frankfurt am Main oder Düsseldorf wachsen.
Der Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter führt laut Studie nicht automatisch zu weniger Beschäftigten. Wirtschaftlich erfolgreiche Regionen binden unterschiedliche Bevölkerungsgruppen besser in den Arbeitsmarkt ein.
Zuzug entscheidet zunehmend über Wachstum
Die Wanderungsbilanz entscheidet demnach immer stärker darüber, ob eine Region wächst oder schrumpft. Metropolen und ihr Umland profitieren besonders vom Zuzug jüngerer Menschen.
Die Studie beschreibt keinen einheitlichen Bevölkerungstrend, sondern eine wachsende regionale Spreizung. Deutschland könnte bis 2045 auf rund 81,8 Millionen Einwohner schrumpfen; entscheidend ist dabei, wo Menschen zu- oder abwandern. Der natürliche Saldo bleibt vielerorts negativ, weil mehr Menschen sterben als geboren werden. Zuwanderung kann diese Entwicklung regional ausgleichen, wirkt aber nicht überall gleich stark.
Arbeitsmarkt und regionale Chancen
Für Kommunen ist die Zahl der Einwohner allein kein vollständiger Maßstab. Regionen mit starken Arbeitsmärkten können laut Studie auch bei einer alternden Bevölkerung mehr Menschen in Beschäftigung bringen. Dazu zählen insbesondere die bessere Einbindung von Frauen, älteren Menschen und Zugewanderten sowie die Anziehung jüngerer Arbeitskräfte.
Metropolen und ihr Umland profitieren dabei von Arbeitsplätzen, Hochschulen und einer guten Infrastruktur. Schrumpfende Regionen stehen dagegen vor höheren Kosten pro Einwohner, etwa bei Schulen, Nahverkehr, medizinischer Versorgung und technischer Infrastruktur. Der Rückgang verläuft deshalb nicht nur demografisch, sondern beeinflusst unmittelbar die kommunale Daseinsvorsorge.
Was die Entwicklung bedeutet
Die Unterschiede zwischen wachsenden und schrumpfenden Kreisen erhöhen den politischen Anpassungsdruck. Bundesweit einheitliche Maßnahmen reichen kaum aus: Wachstumsräume benötigen mehr Wohnraum und Verkehrskapazitäten, während dünner besiedelte Regionen tragfähige Konzepte für Versorgung und Mobilität brauchen. Die Wanderungsbilanz wird damit zu einem zentralen Indikator für die Zukunftsfähigkeit einzelner Kreise.
