Dax steigt auf 26.671 Punkte und erreicht Rekordhoch
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 13:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Wahl und Unternehmenszahlen prägen den Handel
- Der Dax überschritt mit 26.671,19 Punkten den bisherigen Höchststand von 26.618,74 Punkten.
- Der MDax stieg um 0,98 Prozent auf 31.484 Zähler, der EuroStoxx 50 gewann 0,6 Prozent.
- Rheinmetall verlor nach einer erneuten Prognosesenkung zeitweise fast 17 Prozent.
Dax übertrifft bisherige Bestmarke
Der Dax hat seinen bisherigen Höchststand übertroffen und ist zwischenzeitlich auf 26.671,19 Punkte gestiegen. Rückenwind gaben positive Reaktionen auf die US-Zwischenwahlen, während Anleger zugleich Unternehmenszahlen und sinkende Ölpreise berücksichtigten.
Demokratischer Wahlerfolg stützt die Märkte
Der deutsche Leitindex übertraf damit den im August erreichten Höchststand von 26.618,74 Punkten. Der klare Sieg der Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat nährte die Hoffnung auf einen außenpolitisch milderen Kurs der USA.
Der Dow Jones Industrial war nach dem Wahlergebnis ebenfalls deutlich gestiegen. Die Demokraten können die Politik des republikanischen Präsidenten Donald Trump zwar nicht ohne Weiteres umkehren, sie können sie aber empfindlich stören.
Mehrere Indizes legen zu
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gewann 0,98 Prozent und stieg auf 31.484 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,6 Prozent zu.
Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank erklärte, das schnelle und eindeutige Wahlergebnis sowie die geteilte politische Macht verringerten das Risiko politischer Überraschungen. Die Börse bevorzuge Berechenbarkeit, sagte er.
Jahresendrally bleibt eine Möglichkeit
Ökonomen warnten zugleich davor, die erste Reaktion zu überschätzen. In den vergangenen Jahrzehnten habe es in den Wochen nach den US-Zwischenwahlen regelmäßig kräftige Kursgewinne gegeben.
Marktanalyst Timo Emden sah im jüngsten Anstieg den möglichen Beginn einer Jahresendrally. Zugleich verwies er auf ungelöste Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie offene Fragen rund um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz.
Trump behält wichtige Machtmittel
Trotz der Wahlniederlage bleibt Trumps politischer Einfluss groß. Er kann gegen Gesetze sein Veto einlegen; um dieses zu überstimmen, wären in beiden Kongresskammern Mehrheiten von zwei Dritteln der stimmberechtigten Abgeordneten erforderlich.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher erwartet, dass es Trump schwerer fallen könnte, den Handelskonflikt mit Europa immer wieder anzuheizen. Über das Budgetrecht könne der Kongress zudem den Krieg mit dem Iran stärker begrenzen, was die Energiepreise senken und Europa zugutekommen könnte.
Unternehmenszahlen bewegen die Kurse
Neben den politischen Impulsen stützten zuletzt sinkende Ölpreise und positive Unternehmensdaten den Dax. Rheinmetall, die Deutsche Telekom, die DHL Group, Siemens Healthineers, die Commerzbank und Hochtief legten am Donnerstag Zahlen zum abgelaufenen Quartal vor.
Der Börsenanstieg steht im Gegensatz zu den Belastungen der deutschen Wirtschaft. Vor allem Industrieunternehmen bauen wegen Handelskonflikten und stärkerer Konkurrenz Tausende Arbeitsplätze ab; Anleger richten ihren Blick jedoch häufig auf die erwarteten künftigen Gewinne der 40 Dax-Konzerne.
Rheinmetall-Aktie fällt deutlich
Für Rheinmetall-Anleger endete der Handelstag besonders schwach. Nachdem der Rüstungskonzern am Vorabend nach Börsenschluss erneut seine Prognose gesenkt hatte, brach die Aktie zwischenzeitlich fast 17 Prozent ein.
Das Rekordhoch des Dax fällt in eine Phase, in der internationale Anleger politische Signale und Unternehmenszahlen eng miteinander verknüpfen. Die US-Zwischenwahlen haben die Erwartung gestärkt, dass eine geteilte Macht in Washington außenpolitische Entscheidungen berechenbarer machen könnte. Für die Börsen zählt dabei weniger ein unmittelbarer Kurswechsel als die Aussicht auf geringere politische Überraschungen.
Die Reaktion zeigt zugleich, wie stark Aktienmärkte künftige Gewinne einpreisen. Positive Quartalszahlen, sinkende Ölpreise und Hoffnungen auf stabilere Rahmenbedingungen können die Kurse treiben, obwohl deutsche Industrieunternehmen weiterhin unter Handelskonflikten, schwacher Nachfrage und internationalem Wettbewerbsdruck leiden. Der Dax bildet deshalb nicht die gesamte aktuelle Wirtschaftslage ab, sondern vor allem die Gewinnerwartungen der großen börsennotierten Konzerne.
Politische Grenzen und wirtschaftliche Risiken
Der Wahlausgang begrenzt die Macht des US-Präsidenten, beendet sie aber nicht. Ein Veto kann nur mit hohen Mehrheiten überstimmt werden, während die Handelspolitik weiterhin ein Risiko für exportorientierte deutsche Unternehmen bleibt. Anleger müssen daher zwischen kurzfristiger Erleichterung und längerfristigen Belastungen unterscheiden.
Für Privatanleger bedeutet das Rekordhoch keinen verlässlichen Hinweis auf dauerhaft steigende Kurse. Geopolitische Konflikte, Inflations- und Zinsentwicklung sowie die Bewertung von Technologiewerten können die Stimmung rasch verändern. Der starke Einbruch der Rheinmetall-Aktie nach einer erneuten Prognosesenkung verdeutlicht zudem, dass einzelne Unternehmensnachrichten den allgemeinen Börsentrend deutlich überlagern können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Rheinmetall-Aktie bricht nach Gewinnwarnung wegen Auftragsverzögerungen um über 17 % ein“ (05.11.2026)
Der Beitrag berichtet, die Rheinmetall-Aktie sei nach einer Gewinnwarnung wegen verzögerter Aufträge um mehr als 17 Prozent eingebrochen. Damit setzt er einen deutlichen Kontrapunkt zum allgemeinen Dax-Rekord und richtet den Blick auf unternehmensspezifische Risiken.
BR: „Deutscher Aktienindex steigt auf Allzeithoch“ (05.11.2026)
Der BR-Beitrag bestätigt den Anstieg des deutschen Leitindex auf mehr als 26.640 Punkte. Anders als der Euronews-Bericht konzentriert er sich auf das Marktgeschehen insgesamt und nicht auf den Einbruch eines einzelnen Dax-Werts.
Die Beiträge stimmen beim neuen Dax-Höchststand und bei der gegensätzlichen Entwicklung der Rheinmetall-Aktie überein. Unterschiedlich gewichten sie den breiten Markttrend und die Risiken einzelner Unternehmen.
