Berlin, Deutschland

Tennis im Blackout: Kritik an Wegners Match mit Senatorin

08.01.2026 - 04:30:06 | dpa.de

«Das erscheint mir schon ein bisschen abwegig»: Auch einer von Kai Wegners Amtsvorgängern als «Regierender» wundert sich über dessen Verhalten beim Stromausfall.

  • Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Walter Momper (SPD) übt Kritik an seinem Amtsnachfolger Kai Wegner (CDU). - Bild: Hannes P. Albert/dpa
    Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Walter Momper (SPD) übt Kritik an seinem Amtsnachfolger Kai Wegner (CDU). - Bild: Hannes P. Albert/dpa
  • Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht sich mit einigen Vorwürfen konfrontiert (Archivfoto) - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht sich mit einigen Vorwürfen konfrontiert (Archivfoto) - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Sie war seine Tennispartnerin: Wegner spricht in einer Sitzung des Abgeordnetenhauses mit Günther-Wünsch. - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Sie war seine Tennispartnerin: Wegner spricht in einer Sitzung des Abgeordnetenhauses mit Günther-Wünsch. - Bild: Fabian Sommer/dpa
Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Walter Momper (SPD) übt Kritik an seinem Amtsnachfolger Kai Wegner (CDU). - Bild: Hannes P. Albert/dpa Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht sich mit einigen Vorwürfen konfrontiert (Archivfoto) - Bild: Britta Pedersen/dpa Sie war seine Tennispartnerin: Wegner spricht in einer Sitzung des Abgeordnetenhauses mit Günther-Wünsch. - Bild: Fabian Sommer/dpa

Berlins früherer Regierender Bürgermeister Walter Momper übt deutliche Kritik am Verhalten des jetzigen Regierungschefs Kai Wegner, der zu Beginn des großflächigen Stromausfalls Tennis spielen ging. «Er hat die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt», sagte der Sozialdemokrat Momper der Deutschen Presse-Agentur über den CDU-Politiker.

«Er wusste ja, dass inzwischen für Tausende von Haushalten der Strom unterbrochen war, und ich nehme an, er wusste auch, wie lange das dauern würde. Und da hat er nicht angemessen reagiert», sagte der 80-Jährige, der von März 1989 bis Ende Januar 1991 Regierender Bürgermeister war.

«Ich würde nicht sagen, das ist unentschuldbar, aber es bedarf der Aufklärung, wie der Tag für ihn verlaufen ist und wie er sich da angestellt hat», so Momper. «Und dass er zum Tennis gegangen ist, das erscheint mir schon ein bisschen abwegig gewesen zu sein.»

Tennis mit der Senatorin

Wegner steht deswegen heftig in der Kritik, die AfD und die nicht im Parlament vertretene FDP fordern seinen Rücktritt. 

Am Abend wurde bekannt: Wegners Tennispartnerin am Samstag, dem ersten Tag des Stromausfalls im Südwesten der Hauptstadt, war ein weiteres Senatsmitglied - seine Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Dies bestätigte die Senatssprecherin, zuvor hatte der «Tagesspiegel» berichtet. Nach Wegners eigenen Angaben hatte er am Mittag, fünf Stunden nach Bekanntwerden des Notfalls, eine Stunde lang Tennis gespielt, weil er nach vielen Telefonaten in der Sache «den Kopf freikriegen wollte».

Nicht die ganze Wahrheit

Aber auch seine Kommunikation danach sieht Momper skeptisch, weil Wegner auf Journalistenfragen zu seinem Tagesablauf nach Bekanntwerden des Stromausfalls das Tennisspiel unerwähnt gelassen hatte: «Es war nicht die ganze Wahrheit, dass er den ganzen Tag gearbeitet hätte, das kann man ja so nicht sagen», kritisierte Momper. «Das Ist wohl eine Schutzbehauptung gewesen. Das ist schwerwiegend genug.»

Der ohnehin schon bestehende Druck wegen Wegners aus Kritikersicht unzureichender Präsenz in der Krise hat nach dem Bekanntwerden des Tennisspiels am Mittwoch noch deutlich zugenommen. Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: «Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.»

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nannte Wegners Verhalten inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig. Grünen-Fraktionschef Werner Graf kritisierte, Wegner habe der Bevölkerung «in einer dunklen Stunde dieser Stadt» nicht die Wahrheit gesagt. «Da muss man ganz klar sagen, dass die Berlinerinnen und Berliner zu Recht ganz andere Ansprüche an einen Regierenden Bürgermeister haben.»

Hunderttausend ohne Strom und Heizung

Der Stromausfall war ausgelöst worden durch einen Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppe bekannte. Vom Samstagmorgen an waren im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom und infolgedessen auch ohne Heizung, Internet und Mobilfunk. Vom längsten Blackout der Nachkriegsgeschichte waren rund 100.000 Menschen betroffen. In den vergangenen Tagen wurde schrittweise ein Teil der Kunden wieder angeschlossen. Am Mittwoch gelang es dem Betreiber Stromnetz Berlin nach offiziellen Angaben schließlich, alle wieder mit Strom zu versorgen.

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