CDU Sachsen-Anhalt: Tullner kritisiert Parteispitze nach Wahl
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kritisiert der CDU-Kreisvorsitzende Marco Tullner die Parteiführung scharf. In einem Rundbrief an Mitglieder seines Kreisverbands Halle (Saale) warnt der stellvertretende Landesvorsitzende vor aufgerissenen Gräben und persönlichen Interessen.
Das Schreiben wurde am Dienstag verschickt und liegt der dts Nachrichtenagentur vor.
Tullner beklagt fehlendes Vertrauen
„Anstatt sich bestmöglich auf die neue Rolle der Opposition vorzubereiten und gemeinsam nach vorn zu schauen, wurden Gräben aufgerissen und persönliche Interessen vor das Wohl des Landes und der Partei gestellt“, schreibt Tullner.
Zugleich wirft er der CDU ein politisch und moralisch fragwürdiges Demokratieverständnis vor. Unter diesen Voraussetzungen sei für ihn nur schwer vorstellbar, wie ein motiviertes und vertrauensvolles Miteinander in der neuen Landtagsfraktion entstehen solle.
Treffen mit Sepp Müller angekündigt
Für den 1. Oktober lädt Tullner die Mitglieder des Kreisverbands zu einem Austausch mit dem Bundestagsabgeordneten Sepp Müller ein. Müller greift offen nach der Landesspitze.
Bei dem Treffen soll es nach Angaben im Rundbrief um die notwendige Neuaufstellung der CDU in Sachsen-Anhalt gehen. Tullner kündigt ein offenes Gespräch mit den Mitgliedern an, verbunden mit dem gebotenen Respekt.
CDU vor personeller Neuordnung
Die CDU hatte ihr Ergebnis bei der Landtagswahl vor gut zwei Wochen im Vergleich zu 2021 mehr als halbiert. Noch-Ministerpräsident Sven Schulze kündigte daraufhin an, auf einem vorgezogenen Landesparteitag nicht erneut für den Landesvorsitz zu kandidieren.
In einer Kampfkandidatur setzte sich Schulze anschließend jedoch knapp als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion durch. Damit steht die Partei vor einer Neuordnung ihrer Führung und muss zugleich den Umgang mit den innerparteilichen Konflikten klären.
Die interne Auseinandersetzung markiert für die CDU in Sachsen-Anhalt eine doppelte Belastung: Nach dem starken Stimmenverlust muss sich die Partei in der Opposition neu positionieren, zugleich ist ihre künftige Führung ungeklärt. Sven Schulze hat seinen Rückzug vom Landesvorsitz angekündigt, sich aber anschließend in einer Kampfkandidatur den Vorsitz der Landtagsfraktion gesichert. Damit bleiben zentrale Machtfragen auch nach der Wahl offen.
Für die CDU ist die Fraktionsführung politisch besonders relevant, weil sie in der Opposition die parlamentarische Arbeit, die öffentliche Kommunikation und die Abstimmung über den Kurs der Landespartei prägt. Eine getrennte Besetzung von Landes- und Fraktionsvorsitz kann unterschiedliche Machtzentren schaffen. Der Rundbrief von Marco Tullner deutet darauf hin, dass der Konflikt nicht nur personelle, sondern auch grundsätzliche Fragen des innerparteilichen Umgangs berührt.
Neuaufstellung unter Druck
Sepp Müller gehört zu den Bewerbern, die offen nach der Landesspitze greifen. Das für den 1. Oktober angekündigte Treffen im CDU-Kreisverband Halle bietet deshalb eine frühe Plattform für die Debatte über Führung, Strategie und Geschlossenheit. Entscheidend wird sein, ob die Partei den Streit in einen geordneten Erneuerungsprozess überführen kann.
Der Wahlausgang vergrößert den Handlungsdruck: Die CDU muss verlorene Wähler zurückgewinnen, ihre Rolle gegenüber einer starken AfD bestimmen und zugleich ein belastbares Verhältnis innerhalb der neuen Landtagsfraktion schaffen. Die anstehenden Personalentscheidungen werden damit auch zu einer Richtungsentscheidung über Profil und Oppositionsstrategie.
