Hendrik Wüst, CDU-Krise

CDU-Politiker Wüst will so lange wie möglich NRW-Regierungschef bleiben

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bekennt sich klar zu seinem Amt in Düsseldorf und warnt vor einer Minderheitsregierung im Bund. Zugleich sieht er Bundeskanzler Friedrich Merz mitverantwortlich für die jüngsten CDU-Wahlniederlagen.

Wüst will so lange, wie es geht Ministerpräsident bleiben
Hendrik Wüst (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will nach eigener Aussage „so lange, wie es geht“ Regierungschef in Nordrhein-Westfalen bleiben. Trotz der Diskussionen über einen möglichen Kanzlerwechsel sieht er seinen Platz im Land und erteilt persönlichen Ambitionen im Bund eine Absage.

Wüst betont Wunsch, Ministerpräsident zu bleiben

„Ich möchte Ministerpräsident bleiben“, sagte Wüst am Montagabend der „Rheinischen Post“. Auf die Nachfrage, ob er das für immer bleiben wolle, antwortete er: „So lange, wie es geht.“ Damit stellt der CDU-Politiker klar, dass er seine Aufgabe in Düsseldorf langfristig fortführen möchte und derzeit keine Kanzlerrolle anstrebt.

Absage an Personaldebatten und Minderheitsregierung

Wüst erklärte, Personaldebatten seien derzeit „nicht zielführend“. Mit ihrem gemeinsamen Brief hätten die CDU-Ministerpräsidenten „einen Beitrag zur Stabilität geleistet“. Im Mittelpunkt des Schreibens stand nach seinen Worten die klare Absage an Gedankenspiele über eine mögliche Minderheitsregierung im Bund. Eine solche Konstellation wäre „Chaos“, sagte Wüst, und verwies auf die angespannte internationale und europäische Lage sowie den Bedarf, Reformen konsequent und mit „Fingerspitzengefühl“ umzusetzen.

Kritik an Merz nach Wahlverlusten

Für die schlechten Wahlergebnisse der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin sieht Wüst auch eine Verantwortung beim Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Es kommt halt schon immer auf die Person an der Spitze an und wie bestimmte Dinge dann auch vertreten werden“, sagte er. Politik sei ein „Geschäft von Mensch zu Mensch“, eine ständige Kommunikationsaufgabe und ein dauerndes Werben um Vertrauen, insbesondere für den Bundeskanzler.

Verweis auf Merz’ eigene Einordnung

Wüst betonte zugleich, seine Einschätzung sei „keine bahnbrechende Analyse“, da Merz selbst erklärt habe, die Wahlergebnisse hätten „auch was mit ihm zu tun“. Damit knüpft der NRW-Regierungschef an die eigene Bewertung des Kanzlers an und verbindet Loyalität mit einem Hinweis auf dessen besondere Verantwortung für die Lage der CDU.

Die Aussagen von Hendrik Wüst fallen in eine Phase erheblicher Verunsicherung innerhalb der CDU nach den jüngsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In beiden Ländern hat die Partei deutliche Verluste erlitten, in Mecklenburg-Vorpommern verpasste sie sogar den Einzug in den Landtag. Zugleich steht Bundeskanzler Friedrich Merz parteiintern unter Druck.

CDU in der Krise, Wüst setzt auf Stabilität

Vor diesem Hintergrund markiert Wüst mit seiner Betonung, „so lange, wie es geht“ Ministerpräsident bleiben zu wollen, eine klare Priorität: Er stellt seine Rolle in Nordrhein-Westfalen über mögliche Ambitionen im Bund und verweist Personaldebatten auf einen späteren Zeitpunkt. Mit dem Hinweis, der gemeinsame Brief der CDU-Ministerpräsidenten habe „einen Beitrag zur Stabilität“ geleistet und einer Minderheitsregierung eine Absage erteilt, ordnet er sich demonstrativ in das Lager jener ein, die auf eine handlungsfähige Bundesregierung und verlässliche Mehrheiten setzen.

Abgrenzung zur Kanzlerfrage, gleichzeitige Kritik an Merz

Bemerkenswert ist, dass Wüst einerseits Personaldebatten für „nicht zielführend“ erklärt, andererseits aber ausdrücklich darauf verweist, dass es „immer auf die Person an der Spitze“ ankomme und die Wahlergebnisse auch mit Merz zu tun hätten. Damit anerkennt er die Verantwortung des Kanzlers für die Verluste, ohne jedoch dessen Rückhalt offen in Frage zu stellen. Für Leser in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus signalisiert Wüst damit Kontinuität im eigenen Amt und zugleich ein Bewusstsein für die strategischen Schwächen der CDU im Bund.

Ausblick für Bund und Land

Die Kombination aus Loyalitätserklärung gegenüber der Bundesregierung, Kritik an der bundespolitischen Außendarstellung und klarer Selbstverortung in NRW dürfte Wüst in der laufenden Debatte über die Zukunft der CDU eine wichtige Stimme sichern. Zugleich zeigt sie, dass mögliche Nachfolge­szenarien für Merz zwar diskutiert werden, von zentralen Landespolitikern derzeit aber hinter dem Ziel einer stabilen Regierungsarbeit zurückstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Reaktionen auf die Landtagswahlen: Zwischen Desaster und Jubel“ (20.09.2026)

Die tagesschau ordnet die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin als schwere Verluste für die CDU ein und hebt hervor, dass im Nordosten der Einzug in den Landtag verfehlt wurde, während in Berlin der Regierende Bürgermeisterposten verloren gehen dürfte. Der Beitrag betont damit die Ausgangslage des aktuellen Drucks auf Bundeskanzler Merz, während Wüst in seiner Aussage vor allem auf Stabilität und Regierungsfähigkeit verweist.

BR24: „Historischer Absturz der CDU – und Merz verteidigt nach vorn“ (20.09.2026)

BR24 beschreibt die Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern als „historischen Absturz“ und berichtet, dass Merz trotz der Niederlagen Kanzler und Parteichef bleiben will. Der Artikel hebt Merz’ eigene Bewertung des Resultats als „Desaster“ hervor. Im Vergleich dazu erscheint Wüsts Stellungnahme als Versuch, die bundespolitische Krise einzuhegen, indem er Merz Verantwortung zuschreibt, gleichzeitig aber stabile Mehrheiten und Verzicht auf eine Minderheitsregierung betont.

fr.de: „Fraktionschef Frei schließt Minderheitsregierung aus und warnt: ‚Wäre das Ende der Union‘“ (19.09.2026)

Die Frankfurter Rundschau berichtet über die klare Absage von Unionsfraktionschef Thorsten Frei an eine Minderheitsregierung und verweist auf den gemeinsamen Brief der CDU-Ministerpräsidenten, der eine stabile Koalitionsdemokratie einfordert. Damit wird der Kurs, den Wüst in der dts-Meldung verteidigt, bestätigt: Kein Experiment mit einer Minderheitsregierung, sondern Konzentration auf Regierungsarbeit trotz schwieriger Wahlergebnisse.

Über alle Beiträge hinweg zeigt sich ein gemeinsamer Befund: Die CDU steckt nach den Landtagswahlen in einer schweren Krise, doch zentrale Akteure wie Merz, Frei und die Ministerpräsidenten setzen zunächst auf Stabilität und Fortführung der Arbeit. Unterschiedlich gewichtet werden die Optionen für die Kanzlerfrage – während Wüst sie herunterspielt, diskutieren andere Beiträge offen über mögliche Konsequenzen für Merz.

Disclaimer...

de | politik | 70146813 |