CDU-Krise, Friedrich Merz

CDU-Krise: Merz berät nach drei Wahlniederlagen über Kurs

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 14:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Parteispitze berät in Berlin über die Folgen von drei verlorenen Landtagswahlen und schwachen Umfragewerten. Generalsekretärin Franziska Hoppermann kündigt keinen schnellen Befreiungsschlag an, sondern einen längeren Prozess.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann steht zu Beginn der Präsidiumsklausur im Regen. - Bild: Michael Kappeler/dpa
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann steht zu Beginn der Präsidiumsklausur im Regen. - Bild: Michael Kappeler/dpa

CDU berät über Folgen der Wahlniederlagen

  • Die Führungsklausur in Berlin dauert zwei Tage und umfasst etwa 25 Spitzenleute der Partei.
  • Zum Abendessen um 19.00 Uhr ist Ex-Bundespräsident Joachim Gauck eingeladen.
  • Merz und Hoppermann wollen am Montagnachmittag über die Ergebnisse informieren.

Die CDU-Spitze hat in Berlin ihre Führungsklausur begonnen, um nach drei verlorenen Landtagswahlen über Konsequenzen für Partei und Regierungspolitik zu beraten.

Hoppermann erwartet keine schnelle Lösung

Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte zum Auftakt, die Klausur sei keine „Wunderwaffe“, sondern der Beginn eines Prozesses in der Bundesregierung und in der CDU.

Die Partei müsse zu alter Stärke zurückfinden und ihren Anspruch als Volkspartei bekräftigen. Das kurze Statement vor der Parteizentrale dauerte 55 Sekunden; Fragen beantwortete Hoppermann nicht.

Wahlergebnisse setzen die CDU unter Druck

Die CDU war am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag ausgeschieden. In Berlin verlor sie am selben Abend den ersten Platz an die Linke.

In Sachsen-Anhalt hatte die Partei zwei Wochen zuvor fast 20 Prozentpunkte eingebüßt. Dort soll sich der AfD-Politiker Ulrich Siegmund im Dezember der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen.

Bundesweite Umfragen unter 20 Prozent

Auch im Bund liegt die Union in mehreren Umfragen unter 20 Prozent. Bei der Bundestagswahl Anfang 2025 hatte sie 28,5 Prozent erreicht; vor sechs Jahren lagen ihre Umfragewerte noch bei etwa 40 Prozent.

Bei der Klausur soll es um die Konsequenzen aus den Wahlergebnissen und um Themen wie Rente, Pflege, Gesundheit, Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration und Arbeitsplätze gehen.

Streit über Kurs und Koalition

Offen ist, ob die CDU ihren Reformkurs fortsetzt oder sich inhaltlich neu ausrichtet. Auch der Umgang mit der AfD und der Linken dürfte eine Rolle spielen.

Die Wahlnachwehen belasten zugleich die schwarz-rote Koalition. Die SPD wirft CDU-Abgeordneten vor, in Sachsen-Anhalt den AfD-Landtagspräsidenten mitgewählt zu haben; die Union kritisiert mögliche Sondierungen von SPD und Grünen mit der Linken in Berlin.

Merz muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Friedrich Merz steht als Kanzler und CDU-Chef besonders unter Druck. Die Ministerpräsidenten haben ihm zunächst Rückendeckung gegeben, doch der Ausgang der Klausur bleibt offen.

Am Montag wollen Merz und Hoppermann nach weiteren Sitzungen des Präsidiums und des Vorstands auf einer Pressekonferenz über die Ergebnisse berichten.

Eine Krise mit mehreren Ursachen

Die CDU steht nicht nur wegen einzelner Wahlergebnisse unter Druck. Die Verluste in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verbinden sich mit schwachen bundesweiten Umfragewerten und Zweifeln an der politischen Durchsetzungskraft der Parteiführung. Damit wird die Klausur zugleich zu einer Bilanz des bisherigen Regierungskurses.

Im Zentrum steht der Gegensatz zwischen langfristigen Reformen und kurzfristiger Entlastung. Themen wie Rente, Pflege und Gesundheit verlangen strukturelle Entscheidungen, während steigende Alltagskosten für viele Menschen unmittelbar spürbar sind. Die CDU muss deshalb politische Ziele erklären und zugleich konkrete Verbesserungen vermitteln.

AfD-Abgrenzung als strategische Frage

Zusätzliche Spannung erzeugt die Debatte über den Umgang mit der AfD. Innerhalb der Union stehen Forderungen nach einer inhaltlichen Neujustierung einer unveränderten Abgrenzung gegenüber. Eine Aufweichung der bisherigen Linie könnte kurzfristig neue Spielräume versprechen, würde aber zugleich die politische Geschlossenheit der Partei und der Koalition belasten.

Folgen für Merz und Schwarz-Rot

Für Friedrich Merz geht es daher um mehr als um die Auswertung von Wahlniederlagen. Die CDU muss klären, welche Themen sie als Volkspartei besetzen will und wie sie ihre Positionen innerhalb der Bundesregierung durchsetzt. Bleiben konkrete Ergebnisse aus, dürfte der Druck auf Parteichef und Koalition weiter steigen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Ost-CDU fordert neuen Kurs nach Wahlniederlagen“ (10.10.2026)

Der Bericht hebe Forderungen von Mario Voigt und Florian Oest nach einem inhaltlichen Neustart, mehr Alltagsthemen und einer Debatte über die AfD hervor. Zugleich bestätige er Hoppermanns Einschätzung, die Klausur sei der Auftakt eines längeren Prozesses; anders als die dpa-Meldung lege er einen Schwerpunkt auf Stimmen aus der ostdeutschen CDU.

tagesschau: „Seehofer sieht ‚Glaubwürdigkeitsverlust‘ bei Merz“ (11.10.2026)

Der Bericht schreibe, Horst Seehofer führe gebrochene Wahlversprechen und Aussagen zur Arbeitsmoral als Gründe für einen Glaubwürdigkeitsverlust des Kanzlers an. Damit bestätige er den Druck auf Merz vor der Klausur, setze aber einen eigenen Schwerpunkt auf die Kritik aus der CSU und die Forderung nach weniger Selbstbeschäftigung.

Beide Berichte stellten die Wahlniederlagen und den anhaltenden Kursstreit als zentrale Belastungen dar. Während der MDR stärker innerparteiliche Erneuerung und die AfD-Frage beleuchte, rücke die tagesschau die persönliche Verantwortung des Kanzlers in den Mittelpunkt; offen bleibe, welche konkreten Beschlüsse am Montag folgen würden.

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