CDU: Kramp-Karrenbauer warnt vor AfD-Geiselhaft
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 06:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer warnt ihre Partei eindringlich vor einer Minderheitsregierung mit Unterstützung der AfD. Für den Fall, dass die CDU einen solchen Weg einschlägt, kündigt die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung ihren Austritt aus der Partei an.
Warnung vor Abhängigkeit von der AfD
Kramp-Karrenbauer sagte der FAZ, die AfD habe der CDU gezielt „eine Leimspur“ gelegt. Mit Bedingungen für die Tolerierung einer Minderheitsregierung ködere sie die Union bei Themen, die für die AfD wichtig seien.
Wenn die CDU darauf eingehe und sich andere Parteien anschließend von ihr abwendeten, werde die AfD ihre Zustimmung wahrscheinlich verweigern, sobald es etwa um die weitere Unterstützung der Ukraine gehe. „Wenn man so einen Weg geht, dann begibt man sich in die Geiselhaft der AfD“, sagte Kramp-Karrenbauer.
Interne Strategie der AfD
Tatsächlich skizziert ein internes Strategiepapier der AfD aus der vergangenen Woche, wie die Partei im Fall einer Minderheitsregierung für die Union unentbehrlich werden und die Brandmauer aufweichen könnte.
Kramp-Karrenbauer kritisierte zugleich Forderungen, die Brandmauer müsse fallen. Es fehle an Klarheit, was dies konkret bedeuten solle. Sondierungsgespräche mit der AfD halte sie für den falschen Weg; eine Minderheitsregierung wäre aus ihrer Sicht de facto eine Koalition mit der AfD, weil SPD, Grüne und Linke danach nicht weiter mit der CDU zusammenarbeiten würden.
Streit über Regierungsbildung in Berlin
Mit Blick auf die Regierungsbildung nach der Wahl in Berlin sieht Kramp-Karrenbauer bei SPD und Grünen eine „enorme Verantwortung“. Zwischen den Landesverbänden der Linkspartei gebe es „große Unterschiede“; den Berliner Landesverband bezeichnete sie als einen mit einer „stark antisemitischen Strömung“ und verwies auf sozialistische Vorstellungen von Enteignung.
SPD und Grüne müssten wissen, dass eine Koalition mit der Linken die Frage provoziere, warum der erhobene Zeigefinger für die CDU gelten solle, wenn sie „keine Probleme haben, mit Judenhassern zusammen in eine Regierung zu gehen“.
Die Warnung fällt in eine Phase, in der die Abgrenzung der CDU zur AfD innerhalb der Union erneut politisch umkämpft ist. Eine Minderheitsregierung wäre auf wechselnde Mehrheiten angewiesen. Erhielte sie Stimmen oder eine Duldung der AfD, könnte die Partei ihre Zustimmung an einzelne Sachfragen knüpfen und damit erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik gewinnen.
Besonders folgenreich wäre das bei außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen. Die von Kramp-Karrenbauer genannte Unterstützung der Ukraine steht beispielhaft für Themen, bei denen eine Regierung nicht nur ihre parlamentarische Handlungsfähigkeit, sondern auch ihre außenpolitische Verlässlichkeit unter Beweis stellen müsste. Der Streit über die sogenannte Brandmauer betrifft deshalb nicht allein die Frage formaler Zusammenarbeit, sondern auch die Stabilität politischer Mehrheiten.
Berlin verschärft den Entscheidungsdruck
Zusätzliche Bedeutung erhält die Debatte durch die Regierungsbildung in Berlin. Nach der Wahl streben Linke, Grüne und SPD Sondierungen an; zugleich bestehen innerhalb dieser Parteien erhebliche inhaltliche Hürden. Die CDU muss damit rechnen, dass jede Annäherung an die AfD ihre Zusammenarbeit mit anderen Parteien erschwert. Umgekehrt erhöht eine rot-grün-rote Option den Druck auf die Union, ihre eigene Abgrenzung zur AfD und ihre Kritik an der Linkspartei konsistent zu begründen.
Kramp-Karrenbauers angekündigter Parteiaustritt markiert dabei eine persönliche rote Linie. Politisch entscheidend bleibt, ob die CDU eine Minderheitsregierung ohne feste Mehrheit anstrebt und welche Regeln sie für Abstimmungen mit der AfD festlegt. Davon hängen sowohl die Regierungsfähigkeit als auch die innerparteiliche Geschlossenheit ab.
