CDU-Basis, Friedrich Merz

CDU-Basis trifft Merz in Berlin: 164 Kreischefs angemeldet

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 07:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vor dem Treffen in Berlin wächst der Druck auf Friedrich Merz: Kreisvorsitzende verlangen mehr Mitsprache, sichtbare Entscheidungen und Entlastungen bei den Energiepreisen. Einzelne stellen auch die Verbindung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz infrage.

CDU-Kreisverbände setzen eigene Akzente

  • 164 der knapp 330 Kreisvorsitzenden sind für die zweitägige Konferenz in Berlin angemeldet.
  • Generalsekretärin Franziska Hoppermann empfängt die Kreisvorsitzenden um 14.00 Uhr, Friedrich Merz spricht um 17.30 Uhr mit ihnen.
  • Die CDU-Spitzengremien sollen am 9. November über die Bundespräsidentenkandidatur beraten.
Im Konrad-Adenauer-Haus treffen Merz und die Parteibasis aufeinander. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz trifft am Nachmittag in Berlin auf die Kreisvorsitzenden seiner Partei, von denen viele wegen Wahlniederlagen, schlechter Umfragewerte und des Koalitionsstreits unzufrieden sind. Die Basis fordert mehr Gehör und Entscheidungen, die für die Bürger spürbar sind.

CDU-Kreisvorsitzende machen ihrem Ärger Luft

Vor der nicht öffentlichen Konferenz berichteten mehrere Kreisvorsitzende von wachsendem Frust über die Bundespolitik. Désirée Schrade aus Frankfurt (Oder) sprach von einer „dunkelroten“ Alarmlampe und von Parteiaustritten in spürbarem Umfang.

Der Dresdner Kreisvorsitzende Ingo Flemming sagte, viele Bürger hätten nicht den Eindruck, dass Berlin die Warnsignale verstanden habe. Unter den Kreischefs werden zudem ein Autoritätsverlust des Kanzlers und fehlende Führungsstärke beklagt.

Basis verlangt mehr Mitsprache

Die Kreisvorsitzenden fordern von der Parteiführung vor allem, der Basis zuzuhören, sich weniger mit sich selbst zu beschäftigen und konkrete Vorhaben umzusetzen. Besonders bei den Energiepreisen erwarten sie Entlastungen.

Die CDU-Führung wirbt für eine Senkung des Strompreises für alle, konnte sie in der Koalition aber bislang nicht durchsetzen. Serap Güler aus Köln betonte, die Kreisvorsitzenden wüssten aus erster Hand, wo die Partei die Menschen erreiche und wo sie besser werden müsse.

Debatte über Merz’ Doppelrolle

Einzelne Kreisvorsitzende legen Merz nahe, den Parteivorsitz abzugeben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende von Oldenburg-Land, Bastian Ernst, brachte eine Trennung von Kanzlerschaft und Parteiführung ins Spiel und verwies auf das frühere Modell unter Angela Merkel.

Die CDU hat knapp 330 Kreisverbände; 164 Kreisvorsitzende sind für die Konferenz angemeldet. Das Treffen findet in einer schweren Krise der Partei statt: Im September verlor die CDU in Mecklenburg-Vorpommern erstmals ihre Landtagsvertretung, während sie auf Bundesebene nach der Wahl 2025 in Umfragen hinter der AfD liegt.

Personalfragen und weitere Gespräche

Vor dem Gespräch mit Merz ist um 14.00 Uhr ein Austausch mit Generalsekretärin Franziska Hoppermann vorgesehen, um 17.30 Uhr soll die Aussprache mit dem Kanzler folgen. Außerdem sind eine Podiumsdiskussion zur Reform Deutschlands und ein Austausch mit der Struktur- und Satzungskommission geplant.

Eine weitere mögliche Konfliktlinie ist die Bundespräsidentenwahl. Die CSU unterstützt die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, während Merz sich bislang nicht festgelegt hat; am 9. November sollen die CDU-Spitzengremien darüber beraten.

Die Konferenz fällt in eine Phase, in der die CDU mehrere Belastungen gleichzeitig bewältigen muss. Wahlniederlagen, schwache Umfragewerte und Streit in der Bundesregierung verstärken den Eindruck, dass die Parteiführung ihre politischen Vorhaben nicht schnell genug in sichtbare Ergebnisse übersetzt.

Die Kreisvorsitzenden haben dabei eine besondere Rolle. Sie stehen zwischen Ortsverbänden und Landesverbänden und nehmen unmittelbar wahr, wie Bundespolitik an der Parteibasis und bei den Bürgern ankommt. Ihre Forderungen nach mehr Beteiligung, weniger Selbstbeschäftigung und konkreten Entscheidungen zielen deshalb nicht nur auf interne Kommunikation, sondern auf die politische Handlungsfähigkeit der CDU.

Konflikt zwischen Partei und Regierung

Für Friedrich Merz verschärft sich damit ein strukturelles Problem: Als Kanzler muss er Kompromisse in der Koalition organisieren, als Parteivorsitzender soll er die Erwartungen der CDU erfüllen. Die Debatte über eine Trennung beider Ämter zeigt, dass Teile der Basis diesen Doppelauftrag inzwischen als Belastung betrachten.

Inhaltlich stehen vor allem Entlastungen bei den Energiepreisen und die Umsetzung angekündigter Reformen im Mittelpunkt. Ob die Berliner Führung die Unzufriedenheit durch Entscheidungen beruhigen kann, dürfte davon abhängen, ob sie Vereinbarungen in der Koalition durchsetzt und die Kreisverbände dauerhaft stärker einbindet.

Personalfragen erhöhen den Druck

Zusätzliche Spannung bringt die Debatte über die nächste Bundespräsidentenwahl. Die geplante Beratung der CDU-Spitzengremien über die Kandidatur von Ilse Aigner macht deutlich, dass neben Sachfragen auch Personalentscheidungen die Partei beschäftigen. Die nicht öffentliche Aussprache bietet der Basis Raum für Kritik, erhöht aber zugleich den Druck auf Merz, klare politische und organisatorische Antworten zu geben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Güler fordert mehr Mitsprache für CDU-Basis“ (02.11.2026)

Der Beitrag hebt Serap Gülers Forderung nach einer stärkeren Einbindung der Parteibasis hervor und stellt den geplanten Austausch mit Friedrich Merz in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf den Wunsch nach Beteiligung und auf die Erwartung, dass die Koalition ins Handeln kommt.

Stern: „Treffen der Kreisvorsitzenden: Alarmstufe 'dunkelrot': Kanzler trifft auf verärgerte Basis“ (02.11.2026)

Der Artikel schildert die Konferenz als Zusammentreffen von Parteiführung und stark unzufriedener Basis und greift die Kritik an Merz sowie die Debatte über eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft auf. Er setzt damit einen schärferen Akzent auf den innerparteilichen Autoritätsverlust.

Beide Beiträge bestätigen den Druck vor dem Treffen und die Forderung nach mehr Mitsprache. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung zwischen organisatorischer Einbindung und offener Personal- und Führungsdebatte; offen bleibt, welche Konsequenzen die Aussprache hat.

Disclaimer...
de | politik | 70443423 |