CCS, Nordsee

CCS: Geostor senkt Nordsee-Speicher auf 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:50 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Geostor-Leiter Klaus Wallmann und Greenpeace warnen vor einer breiten Nutzung der CO2-Speicherung. Neue Berechnungen veranschlagen für geeignete Lagerstätten in der deutschen Nordsee deutlich weniger Kapazität als bislang.

CCS-Experte kritisiert Reiches Pläne für CO2-Endlager unter Nordsee
Nord-Ost-Spitze von Sylt bei List (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Wissenschaftler des Forschungsverbunds Geostor und Umweltschützer kritisieren die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für die Abscheidung, den Pipeline-Transport und die Speicherung von CO2 unter der Nordsee. Geostor-Leiter Klaus Wallmann warnt davor, CCS zur Grundlage der Klimapolitik zu machen, während der Ausbau erneuerbarer Energien begrenzt werde.

Geostor warnt vor breiter Anwendung

„Es ist problematisch, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu begrenzen und darauf zu hoffen, mit der teuren CCS-Technologie die Klimaziele zu erreichen“, sagte Wallmann dem „Spiegel“. CCS werde dann zu einem „Feigenblatt für einen ausgebremsten Klimaschutz“.

Nach dem 2025 beschlossenen Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz ist eine Nutzung der Technologie auch für Erdgas nicht ausgeschlossen. Fast alle Industriebranchen außer Kohlekraftwerken können demnach Fördermittel beantragen.

Speicherpotenzial fällt niedriger aus

Wallmann fordert, CCS auf Branchen zu beschränken, deren Emissionen sich nicht anders vermeiden lassen, etwa die Zementindustrie. Die Kosten der Technologie liegen laut einer aktualisierten Geostor-Analyse bei schätzungsweise 150 bis 250 Euro je Tonne CO2 und damit deutlich über dem CO2-Preis von rund 74 Euro.

Auch die verfügbaren Lagerstätten in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee werden niedriger bewertet. Geostor sieht dort geeignete Speicher mit einer Kapazität von 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2. Vor zwei Jahren hatte das Team noch mit bis zu 6 Milliarden Tonnen gerechnet. Als Gründe für die Neubewertung gelten unter anderem konkurrierende Nutzungen durch Windparks, Schiffsrouten und Naturschutzgebiete.

Greenpeace fordert Überarbeitung

Greenpeace verlangt deshalb eine Überarbeitung der geplanten Carbon-Management-Strategie des Bundes. Die Strategie basiere auf überhöhten Prognosen zur CO2-Speicherung in der deutschen Nordsee, sagte Greenpeace-Experte Karsten Smid.

CCS bezeichnet das Abscheiden, den Transport und die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid. Die Technologie soll dort ansetzen, wo Emissionen technisch nur schwer vollständig vermeidbar sind. Dazu zählt insbesondere die Zementproduktion, bei der ein Teil des CO2 durch chemische Prozesse entsteht und nicht allein durch erneuerbare Energien beseitigt werden kann.

Mit dem 2025 beschlossenen Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz hat der Bund den rechtlichen Rahmen für den Ausbau von CO2-Infrastruktur erweitert. Die politische Auseinandersetzung dreht sich deshalb nicht nur um einzelne Speicherorte, sondern auch um die Frage, für welche Industrien staatliche Förderung und Transportnetze geöffnet werden sollen. Eine breite Nutzung könnte die Nachfrage nach Pipelines und Speicherkapazitäten erhöhen, zugleich aber Investitionen in emissionsärmere Produktionsverfahren beeinflussen.

Speicher, Kosten und Nutzungskonflikte

Die aktualisierten Geostor-Berechnungen verändern die Größenordnung der in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone nutzbaren Lagerstätten deutlich. Die genannten 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen bleiben eine erhebliche potenzielle Kapazität, müssen aber mit Windparks, Schifffahrt, Naturschutz und Sicherheitsanforderungen vereinbar sein.

Für Unternehmen ist zudem entscheidend, ob CCS gegenüber Vermeidung, Elektrifizierung oder klimaverträglichen Produktionsverfahren wirtschaftlich bleibt. Die in der Meldung genannten Kosten von 150 bis 250 Euro je Tonne liegen über dem CO2-Preis von rund 74 Euro. Damit dürfte die Ausgestaltung der Carbon-Management-Strategie maßgeblich bestimmen, ob CCS als begrenzte Ergänzung für schwer vermeidbare Emissionen oder als breiter klimapolitischer Baustein eingesetzt wird.

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