Militärischer Abschirmdienst, Bundeswehr-Bewerber

Bundeswehr: MAD sortiert Bewerber mit KI auf Rechtsextremismus aus

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 21:39 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Militärische Abschirmdienst nutzt seit Juli eine eigens entwickelte Software, um die Internetaktivitäten aller Bundeswehr-Bewerber auf extremistische Hinweise zu prüfen. Mehrere Zehntausend Personen wurden bereits erfasst, eine niedrige dreistellige Zahl aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen.

MAD prüft Bundeswehr-Bewerber mit KI auf Rechtsextremismus
Luftwaffe (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) setzt erstmals ein speziell entwickeltes KI-System ein, um Rechtsextremisten unter den Bewerbern für die Bundeswehr zu erkennen. Seit Juli dieses Jahres durchleuchtet der Geheimdienst damit die Internetaktivitäten aller Bewerber.

Mehrere Zehntausend Bewerber überprüft

Die sogenannte Unterstützte Verfassungstreueprüfung (uVTP) wurde gemeinsam mit einem deutschen IT-Unternehmen an die Anforderungen des MAD angepasst. Bei der Recherche wird geprüft, ob Bewerber selbst rechtsextreme Inhalte im Internet verbreiten, rechtsextremen Accounts folgen oder entsprechende Beiträge weiterverbreiten.

Niedrige dreistellige Zahl aussortiert

Nach Informationen des „Spiegel“ wurden bereits mehrere Zehntausend Bewerber mit der Software überprüft. Eine niedrige dreistellige Zahl wurde wegen fehlender Verfassungstreue aus dem Verfahren ausgeschlossen.

MAD erwartet steigende Bewerberzahlen

Der MAD ist für die Sicherheitsüberprüfungen bei der Bundeswehr zuständig. Mit dem KI-System will sich der Militärgeheimdienst auf deutlich steigende Bewerberzahlen in den kommenden Jahren einstellen.

Die Prüfung von Bundeswehr-Bewerbern auf extremistische Aktivitäten steht im Zusammenhang mit dem besonderen Verfassungsauftrag der Streitkräfte. Soldatinnen und Soldaten tragen Waffen, erhalten Zugang zu sensiblen Informationen und müssen sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen. Der Militärische Abschirmdienst ist innerhalb der Bundeswehr für Sicherheitsüberprüfungen und die Abwehr extremistischer Bestrebungen zuständig.

Die digitale Auswertung erweitert dabei die bisherigen Prüfverfahren um einen Bereich, in dem öffentliche Inhalte, Vernetzungen und Weiterverbreitungen eine wichtige Rolle spielen können. Entscheidend bleibt die Unterscheidung zwischen zulässiger politischer Betätigung und tatsächlichen Anhaltspunkten für fehlende Verfassungstreue. Die Prüfung von Accounts, Inhalten und Interaktionen kann deshalb nur ein Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitsverfahrens sein.

Mehr Bewerber, höhere Anforderungen an die Prüfung

Nach der Meldung wurden bereits mehrere Zehntausend Bewerber überprüft; eine niedrige dreistellige Zahl wurde wegen fehlender Verfassungstreue aussortiert. Damit betrifft das Verfahren nicht nur die Extremismusbekämpfung, sondern auch die Bewältigung größerer Fallzahlen. Für Bewerber bedeutet die digitale Präsenz, dass öffentlich zugängliche politische Aktivitäten im Auswahl- und Sicherheitsverfahren stärker berücksichtigt werden können.

Der Einsatz solcher Systeme wirft zugleich Fragen nach Datenschutz, Fehlbewertungen und menschlicher Kontrolle auf. Eine automatisierte Recherche kann Hinweise schneller bündeln, ersetzt aber keine individuelle Bewertung und keine rechtlich abgesicherte Entscheidung. Die angekündigt steigenden Bewerberzahlen dürften den Druck erhöhen, Verfahren effizienter zu gestalten, ohne die Anforderungen an Verhältnismäßigkeit und Rechtsschutz zu senken.

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