Pkw-Maut, Steffen Bilger

Bilger lehnt neue Pkw-Maut ab und nennt 243 Millionen Euro verloren

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 08:56 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger erteilt einer neuen Pkw-Maut in Deutschland eine klare Absage und verweist auf den Fokus der Regierung auf Infrastrukturinvestitionen. Die Millionenentschädigungen nach dem gescheiterten Mautprojekt gelten als endgültig verloren.

Bilger plant keinen neuen Anlauf für Pkw-Maut
Autobahn (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) plant nach eigenen Angaben derzeit keinen neuen Anlauf für die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland. Obwohl ihn gerade in den Sommerferien viele Zuschriften von Urlaubern erreichten, die in Nachbarländern Maut zahlen mussten, sieht der Minister keine Grundlage für ein neues Projekt.

Viele Bürger fragen nach Autobahngebühren

Laut Bilger berichten ihm zahlreiche Menschen von ihren Erfahrungen mit Mautsystemen im Ausland und stellen die Frage, warum private Autofahrer in Deutschland weiterhin kostenlos die Autobahnen nutzen können. Diese Rückmeldungen stammen vor allem von Reisenden, die in europäischen Nachbarländern unterwegs waren und dort für die Nutzung der Fernstraßen bezahlen mussten.

Trotz dieser Anfragen betonte der CDU-Politiker, dass er aktuell keinen Auftrag zur Einführung einer Pkw-Maut habe. Sein Schwerpunkt liege vielmehr darauf, die milliardenschweren Infrastrukturmittel aus dem bestehenden Sondervermögen in konkrete Projekte zu überführen und die Finanzierung des Verkehrsnetzes langfristig zu sichern.

Vergangenheit unter Scheuer und anstehendes Verfahren

Bilger war bereits unter dem früheren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an den damaligen Plänen für eine Pkw-Maut beteiligt. Zu dem bevorstehenden Verfahren gegen Scheuer wegen des Vorwurfs der Falschaussage im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Maut-Affäre wollte sich Bilger nicht äußern.

Er erklärte, er könne das Verfahren nicht beurteilen, da er selbst nicht Mitglied des Untersuchungsausschusses gewesen sei und auch nicht als Zeuge geladen wurde. Damit vermeidet der aktuelle Amtsinhaber eine Bewertung der juristischen Aufarbeitung der früheren Mautpläne.

Verlorene Millionen nach gescheitertem Projekt

Im Zusammenhang mit der gescheiterten Pkw-Maut waren rund 243 Millionen Euro an die ursprünglich vorgesehenen Betreiberfirmen gezahlt worden. Bilger bezeichnete diese Summe ausdrücklich als verloren und räumte ein, dass man im Rückblick klüger sei.

Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, die Betreiberverträge nicht vor dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu unterschreiben. Dieses Geld sei nun unwiederbringlich weg, sagte Bilger. Damit macht der Verkehrsminister deutlich, dass die damaligen Entscheidungen finanzielle Folgen hatten, die den Bund noch heute belasten.

Die erneute Absage von Steffen Bilger an eine Pkw-Maut fällt in eine Phase, in der die Verkehrspolitik stark von Investitionsfragen und der Sanierung der Infrastruktur geprägt ist. Nach dem Scheitern der früheren Mautpläne und den hohen Entschädigungszahlungen an Betreiberfirmen steht der Bund unter Druck, die vorhandenen Mittel effizient einzusetzen.

Hintergrund der Maut-Debatte

Die Diskussion um eine Pkw-Maut in Deutschland wird seit Jahren vor allem mit dem Verweis auf Regelungen in Nachbarstaaten geführt, in denen für die Nutzung von Autobahnen gezahlt werden muss. Viele deutsche Urlauber erleben diese Systeme direkt und fragen sich, warum Deutschland vorerst bei einem durch Steuern finanzierten System bleibt. Die Europäische Gerichtshof-Entscheidung gegen die frühere, vor allem ausländische Fahrer belastende Maut hat den politischen Spielraum deutlich verengt.

Finanzierung und politische Verantwortung

Bilger verweist darauf, dass seine Aufgabe aktuell darin liegt, die „Infrastrukturmilliarden aus dem Sondervermögen“ zu verbauen und die Finanzierung langfristig abzusichern. Damit rückt er die Frage nach verlässlichen Einnahmequellen und Prioritätensetzung in den Mittelpunkt, ohne neue Nutzerabgaben ins Spiel zu bringen. Zugleich bleibt der Umgang mit den verlorenen 243 Millionen Euro ein politisch sensibles Thema, weil hier öffentliches Geld ohne Gegenleistung geflossen ist.

Ausblick für Autofahrer und Steuerzahler

Für private Autofahrer bedeutet die klare Absage an eine neue Pkw-Maut vorerst Planungssicherheit: Eine zusätzliche Gebühr für die Nutzung deutscher Autobahnen steht nicht auf der Agenda des Ministers. Offen bleibt, wie künftige Investitionen und der Erhalt der Verkehrsinfrastruktur finanziert werden sollen – etwa durch Umschichtungen im Haushalt, andere Abgaben oder eine stärkere Gewichtung klimafreundlicher Verkehrsträger. Diese Fragen werden die verkehrspolitische Debatte weiter prägen.

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