Bundesverdienstkreuz: Steinmeier ehrt 21 Menschen für Demokratie und Zusammenhalt
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat 21 Menschen für ihren Einsatz für Demokratie, Gemeinwohl und gesellschaftlichen Zusammenhalt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Auszeichnung zum Tag der Deutschen Einheit
Die Ehrung fand aus Anlass des Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober statt. Unter den zwölf Frauen und neun Männern waren die Sängerin Nana Mouskouri, der Jazz-Trompeter Till Brönner, der Historiker Herfried Münkler und der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani.
Steinmeier sagte, alle Ausgezeichneten trügen auf ihre besondere Weise dazu bei, dass die Demokratie in Deutschland lebendig sei und bleibe. Sie hätten sich durch ihr Engagement für die Gesellschaft und das Gemeinwohl verdient gemacht.
Erinnerung an die Schoah
Als Duo erhielten die Holocaust-Überlebende Tova Friedman und ihr Enkel Aron Goodman den Verdienstorden. Auf einem TikTok-Kanal informieren sie über Friedmans Geschichte, das Verbrechen der Schoah und das Judentum.
Friedman widmete die Auszeichnung den sechs Millionen im Holocaust ermordeten Jüdinnen und Juden. Bei der Ehrung von Goodman wies Steinmeier darauf hin, dass dieser Geburtstag habe. Dafür spendeten die Anwesenden zusätzlichen Applaus.
Nana Mouskouri geehrt
Nana Mouskouri ist 91 Jahre alt und erlebte als Kind die Besatzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht. 1961 kam sie nach Deutschland; mit dem Lied „Weiße Rosen aus Athen“ gelang ihr Anfang der 1960er Jahre der internationale Durchbruch.
Steinmeier würdigte Mouskouri auch für ihr gesellschaftliches und politisches Engagement. Sie war 1993 UNICEF-Botschafterin und gehörte von 1994 bis 1999 als Abgeordnete der griechischen Partei Nea Dimokratia dem Europaparlament an.
Weitere Geehrte
Zu den weiteren Ausgezeichneten gehören die frühere ARD-London-Korrespondentin Annette Dittert, die Publizistin Marina Weisband, der frühere CDU-Politiker Ruprecht Polenz, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby und die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke.
Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste staatliche Auszeichnung für Verdienste um das Gemeinwohl. Er wird unter anderem für politisches, wirtschaftlich-soziales und kulturelles Engagement verliehen.
Demokratisches Engagement im Mittelpunkt
Die Verleihung zum Tag der Deutschen Einheit stellt gesellschaftlichen Zusammenhalt als staatliche Aufgabe heraus. Mit Künstlern, Wissenschaftlern, Publizisten, Politikern und Zeitzeugen zeichnet die Bundesrepublik Menschen aus unterschiedlichen Bereichen aus. Der gemeinsame Bezugspunkt ist nicht ein einzelnes Tätigkeitsfeld, sondern ein langfristiger Beitrag zum Gemeinwohl.
Besondere Bedeutung hat die Ehrung von Tova Friedman und Aron Goodman. Ihre Bildungsarbeit zur Schoah und zum Judentum verbindet persönliche Erinnerung mit historischer Aufklärung. In einer Zeit, in der antisemitische Einstellungen und Angriffe auf die Erinnerungskultur öffentlich diskutiert werden, erhält dieser Teil der Auszeichnung eine über die Zeremonie hinausgehende Bedeutung.
Orden als Signal zum Einheitstag
Der Verdienstorden ist die höchste staatliche Auszeichnung für Verdienste um das Gemeinwohl. Die Auswahl der Geehrten macht sichtbar, dass demokratische Stabilität nicht allein durch staatliche Institutionen entsteht, sondern auch durch kulturelle Arbeit, unabhängige Publizistik, politische Beteiligung und die Weitergabe historischer Erfahrungen.
Für Leserinnen und Leser liegt die Bedeutung deshalb weniger in der Prominenz einzelner Namen als in der Bandbreite des Engagements. Die Ehrung setzt am Nationalfeiertag ein Signal für Verantwortung, Erinnerung und die Bereitschaft, gesellschaftliche Verbindungen über unterschiedliche Generationen und Lebensbereiche hinweg zu stärken.
