Saskia Esken, Bundespräsidentenwahl

Bundespräsidentin: Esken fordert erstmals Frau im Amt

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken fordert eine Frau an der Spitze des Staates und kritisiert das bisherige Auswahlargument der Kompetenz. Den Vorschlag von CSU-Chef Markus Söder für Ilse Aigner bewertet sie skeptisch; eine eigene Kandidatin nennt sie nicht.

Bundesversammlung entscheidet über Nachfolge

  • Die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken fordert erstmals eine Frau im Amt der Bundespräsidentin.
  • Die Bundesversammlung soll am 30. Januar einen Nachfolger für Frank-Walter Steinmeier wählen.
  • Die Union stellt voraussichtlich die meisten Mitglieder und könnte mit der SPD eine Mehrheit bilden.
Bundespräsidialamt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Esken fordert Frau an der Staatsspitze

Die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken spricht sich dafür aus, erstmals eine Frau zur Bundespräsidentin zu wählen. Im Podcast „Amann unframed“ der Funke-Mediengruppe stellte sie infrage, ob bei der bisherigen Besetzung des Amtes tatsächlich allein die Kompetenz entscheidend gewesen sei.

Kritik an bisheriger Männerwahl

„Offenkundig hat bisher das Geschlecht ausschließlich eine Rolle gespielt und nicht die Kompetenz“, sagte Esken. Es sei Zeit zu zeigen, dass eine Frau Staatsoberhaupt sein könne.

Über das Argument, entscheidend sei die Kompetenz und nicht das Geschlecht, müsse sie „sehr herzlich immer wieder lachen“. In den vergangenen 75 Jahren seien deshalb Männer in das Amt gewählt worden.

Skepsis gegenüber Söders Vorschlag

Den frühen Vorstoß von CSU-Chef Markus Söder zugunsten der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner sieht Esken skeptisch. Sie habe sich gefragt, ob der Vorschlag zur Hälfte auch gemacht worden sei, „um die Frau zu verhindern“.

Aigner wird häufig als mögliche Nachfolgerin Söders genannt. Einen eigenen Namen für die Wahl des Staatsoberhaupts wollte Esken nicht nennen. Der Personalvorschlag müsse von der Union kommen; es sei nicht ihre Rolle, ihn zu machen.

Wahltermin steht fest

Die Bundesversammlung soll am 30. Januar einen Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wählen. Jedes Mitglied der Bundesversammlung kann Wahlvorschläge schriftlich bei der Präsidentin des Bundestages einreichen.

Die Union wird bei der Bundesversammlung die meisten Mitglieder stellen und könnte beispielsweise gemeinsam mit der SPD eine Mehrheit bilden. Eine offizielle Nominierung gibt es bislang nicht. Söder hatte Aigner bereits im April ins Spiel gebracht.

Die Äußerung Saskia Eskens fällt in eine bereits weit fortgeschrittene Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. In den vergangenen Tagen hat sich die Diskussion von der grundsätzlichen Frage nach einer weiblichen Besetzung zunehmend auf mögliche Kandidatinnen und das Verfahren innerhalb der Union verlagert.

Für die politische Bedeutung sorgt vor allem die Mehrheitslage in der Bundesversammlung. Die Union wird dort voraussichtlich die stärkste Kraft stellen und kann für eine Wahl auf Stimmen aus dem Regierungslager oder darüber hinaus angewiesen sein. Eine Kandidatin müsste deshalb nicht nur parteiintern durchsetzbar sein, sondern auch in der Bundesversammlung genügend Unterstützung finden.

Personalfrage belastet Unionsparteien

Besonders Ilse Aigner steht im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. CSU-Chef Markus Söder hat sie bereits im April genannt; zugleich gibt es innerhalb der CDU den Anspruch, dass die stärkste Unionspartei den maßgeblichen Zugriff auf den Personalvorschlag behält. Neben Aigner werden weitere Frauen aus CDU und CSU als mögliche Bewerberinnen diskutiert.

Für die SPD erhöht Eskens Intervention den politischen Druck, eine weibliche Kandidatur nicht nur allgemein zu begrüßen, sondern bei der Auswahl konkret Einfluss zu nehmen. Eine offizielle Nominierung liegt bislang nicht vor. Bis zur Bundesversammlung am 30. Januar bleibt damit offen, ob sich die Union auf Aigner oder eine andere Kandidatin verständigt und wie breit diese im Parlament getragen wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Historische Wahl: Merz will erste Bundespräsidentin – doch Söders Plan sorgt für Zoff“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Festlegung auf eine Frau und beschreibt den Konflikt zwischen Friedrich Merz und Markus Söder über den unionsinternen Zugriff auf die Kandidatur. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich Ilse Aigner gegen weitere Bewerberinnen durchsetzen kann.

stern: „Merz vor der Wahl: Diese drei Frauen könnten Bundespräsidentin werden“ (04.11.2026)

Der Artikel nennt neben Ilse Aigner auch Ines Claus und Julia Klöckner als mögliche Kandidatinnen. Anders als die Frankfurter Rundschau legt er den Schwerpunkt auf die unterschiedlichen parteiinternen Chancen und politischen Profile der drei Frauen.

Beide Beiträge stellen die bevorstehende Wahl als Personalentscheidung innerhalb der Union dar. Offen bleibt, welche Kandidatin offiziell nominiert wird und ob sie in der Bundesversammlung eine ausreichende Mehrheit erhält.

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