Bundespräsidentenwahl 2027: Merz will eine Frau vorschlagen
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesversammlung entscheidet im Januar
- Friedrich Merz will der CDU eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte vorschlagen.
- Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- Union und SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Merz legt sich auf Kandidatin für Steinmeier-Nachfolge fest
Bundeskanzler Friedrich Merz will der CDU eine Frau als gemeinsame Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorschlagen. Bei einer CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz in Berlin legte er sich erstmals auf diese Richtung fest und nannte eine Kandidatin aus der politischen Mitte.
CDU und CSU ringen um Personalvorschlag
Die CSU unterstützt die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner für das Amt. Aus der CDU werden außerdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frühere Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die hessische Fraktionsvorsitzende Ines Claus genannt.
Als mögliche männliche Kandidaten waren zuvor unter anderem Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth und dessen früherer Präsident Udo di Fabio im Gespräch. Nach Merz’ Festlegung auf eine Frau dürften sie keine Chance mehr haben.
Wahltermin steht fest
Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers. Sie besteht aus den 630 Mitgliedern des Bundestags und ebenso vielen Wahlleuten der Länder.
Union und SPD haben in dem Gremium gemeinsam eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz will auch die Grünen in die Kandidatensuche einbeziehen, pocht aber darauf, dass das Vorschlagsrecht bei der CDU als stärkster Kraft in der Bundesversammlung liegt.
Vorentscheidung soll nächste Woche fallen
Eine Vorentscheidung könnte bei der Sitzung der CDU-Gremien am kommenden Montag fallen. Zuvor will Merz mit den CDU-Landesvorsitzenden und der CSU sprechen, um möglichst einen gemeinsamen Vorschlag der Unionsparteien zu erreichen.
Auch die SPD soll in die Abstimmung einbezogen werden, weil sie für eine Mehrheit benötigt wird. Einzelne CDU-Kreisvorsitzende signalisierten bereits Sympathien für Aigner.
Erstmals Frau an der Staatsspitze möglich
In der 77-jährigen Geschichte der Bundesrepublik gab es bisher keine Bundespräsidentin. Alle zwölf bisherigen Staatsoberhäupter waren Männer.
Merz hatte sich bereits im August 2025 grundsätzlich offen für eine Frau an der Staatsspitze gezeigt, sich danach aber monatelang nicht festgelegt. Die Personaldebatte nahm Fahrt auf, nachdem CSU-Chef Markus Söder Aigner im April ins Gespräch gebracht hatte.
CDU-Basis diskutiert auch über Koalition
Bei der Kreisvorsitzendenkonferenz ging es neben der Bundespräsidentenwahl auch um den Zustand der Koalition und das Verhältnis zur SPD. Teilnehmer berichteten von Kritik an nicht eingehaltenen Wahlversprechen und an der Kommunikation der Parteiführung.
Zu einem Aufstand der Parteibasis kam es nach den Teilnehmerangaben nicht. Merz nahm sich für die Diskussion drei Stunden Zeit statt der ursprünglich vorgesehenen 90 Minuten.
Merz bekräftigt Abgrenzung zur AfD
Mit Blick auf die politische Positionierung der CDU sagte Merz nach Teilnehmerangaben, die Partei werde ihr Koordinatensystem nicht verändern. Zur Koalition erklärte er, die SPD sei in großen Fragen anderer Meinung, die gemeinsame Schnittmenge reiche aber aus, um das Land zu führen.
Die Festlegung von Friedrich Merz verschiebt die bisher offene Suche nach der Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers in eine konkrete Richtung. Erstmals gibt der Kanzler damit öffentlich vor, dass die CDU eine Frau aus der politischen Mitte vorschlagen soll. Das schließt männliche Bewerber aus, die zuvor ebenfalls als mögliche Kandidaten genannt worden waren.
Besondere Bedeutung hat die Aussage für das Verhältnis zwischen CDU und CSU. Die CSU unterstützt Ilse Aigner, die als Präsidentin des Bayerischen Landtags über ein hohes staatspolitisches Amt verfügt. In der CDU werden dagegen mehrere Politikerinnen aus den eigenen Reihen genannt. Damit ist die Grundsatzfrage zugunsten einer Frau beantwortet, die Personalentscheidung innerhalb der Union aber weiterhin offen.
Mehrheit verlangt Abstimmung
Für die Wahl am 30. Januar 2027 benötigen Union und SPD eine gemeinsame Lösung. Beide Parteien verfügen in der Bundesversammlung rechnerisch über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz will zusätzlich die Grünen in die Gespräche einbeziehen, obwohl die Union das Vorschlagsrecht für sich reklamiert.
Für die politische Debatte bedeutet die Kandidatinnen-Festlegung zugleich einen Einschnitt: Seit Gründung der Bundesrepublik standen ausschließlich Männer an der Staatsspitze. Eine erfolgreiche Wahl einer Frau würde diese personelle Kontinuität beenden. Bis zur erwarteten Beratung der CDU-Gremien in der kommenden Woche bleibt vor allem offen, ob sich die CDU hinter Aigner versammelt oder eine eigene Kandidatin nominiert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestätige Merz’ Festlegung auf eine Kandidatin aus der politischen Mitte und richte den Schwerpunkt auf die möglichen Chancen Ilse Aigners. Offen bleibe demnach, ob die CDU den Vorschlag der CSU übernehme.
tagesschau: „Merz spricht sich bei Steinmeier-Nachfolge für Frau aus“ (02.11.2026)
Der Bericht bestätige die Aussage des Kanzlers bei der CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz und ordne sie in die Nachfolge Steinmeiers ein. Anders als die Frankfurter Rundschau stelle er die Personalfrage weniger auf Aigner, sondern auf Merz’ grundsätzliche Festlegung ab.
Übereinstimmend werde die Entscheidung für eine Frau als neue politische Vorgabe beschrieben. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während ein Beitrag Aigners mögliche Rolle hervorhebe, konzentriere sich der andere auf den Schritt des Kanzlers und das weitere Verfahren.
