Bundespräsidentenwahl 2027: Manfred Weber drängt auf Ilse Aigner als Kandidatin
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
CSU-Vize Manfred Weber fordert von Union und SPD binnen vier Wochen eine Einigung auf einen gemeinsamen Kandidaten oder eine gemeinsame Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl 2027.
Weber wirbt für Ilse Aigner
„Es braucht jetzt kein langes Ringen, sondern ein klares Signal“, sagte der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei der Deutschen Presse-Agentur. Noch vor dem CSU-Parteitag am 23. und 24. Oktober in München solle Klarheit geschaffen werden.
Weber sprach sich für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner aus. Sie bringe politische Erfahrung, eine klare Haltung gegen Demokratie-Feinde und die Fähigkeit mit, Menschen zusammenzuführen, sagte er. Die CSU stehe geschlossen hinter Aigner.
Bundesversammlung entscheidet im Januar
Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027 die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie setzt sich aus den 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Wahlleuten aus den Ländern zusammen.
Nach Berechnungen von Experten verfügen Union und SPD gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Die Spitzen der drei Koalitionsparteien müssen sich daher auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen. Weber wertet eine zügige Entscheidung auch als Beleg für die Handlungsfähigkeit der Koalition.
Mehrere Namen im Gespräch
Neben Aigner werden Bildungsministerin Karin Prien, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die frühere Kulturstaatsministerin Monika Grütters als mögliche Kandidatinnen genannt.
In der fast 80-jährigen Geschichte der Bundesrepublik war bislang noch nie eine Frau Staatsoberhaupt. Die Entscheidung könnte zudem die Debatte über eine mögliche Nachfolge von Bundeskanzler Friedrich Merz beeinflussen: Sollte eine Bundespräsidentin aus der CSU kommen, wäre der Weg für CSU-Chef Markus Söder ins Kanzleramt zunächst versperrt. Dass die CSU beide Spitzenämter besetzt, gilt als ausgeschlossen.
Wahl im Zeichen der Koalitionsarithmetik
Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar 2027 über die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers. Sie besteht aus den 630 Mitgliedern des Bundestages und einer ebenso großen Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder. Nach der vorliegenden Berechnung verfügen Union und SPD gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Damit besitzt die schwarz-rote Koalition eine komfortable Ausgangslage, ist aber auf eine gemeinsame Personalentscheidung angewiesen. Der Bundespräsident wird nicht direkt gewählt; entscheidend ist eine Mehrheit in der Bundesversammlung. Ein gemeinsamer Vorschlag könnte deshalb die Geschlossenheit der Regierung demonstrieren, während mehrere konkurrierende Kandidaturen die Abstimmung politisch offener machen würden.
Aigner als Signal der CSU
Mit Ilse Aigner bringt die CSU eine erfahrene Landespolitikerin und amtierende Präsidentin des Bayerischen Landtags ins Gespräch. Ihre Nominierung würde das Gewicht der CSU innerhalb der Union sichtbar erhöhen. Zugleich könnte sie die innerparteiliche Nachfolgefrage beeinflussen, weil CSU-Chef Markus Söder dann nicht zugleich für das Bundespräsidentenamt und das Kanzleramt als naheliegender Bewerber gelten könnte.
Für die Bürgerinnen und Bürger bleibt vor allem relevant, ob Union und SPD rasch einen Konsens finden und welche politischen Schwerpunkte sie mit dem höchsten Staatsamt verbinden. Dass erstmals eine Frau an die Spitze des Staates rücken könnte, verleiht der Kandidatensuche zusätzlich eine historische Dimension.
