Bundespräsidentenamt: Merz begrüßt Aigner beim CSU-Parteitag
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 12:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSignale vor der Bundespräsidentenwahl
- Friedrich Merz begrüßte Ilse Aigner beim CSU-Parteitag in München direkt nach Markus Söder und vor Manfred Weber.
- Die Delegierten erhoben sich und applaudierten, während Aigner in der ersten Reihe mit beiden Händen winkte.
- Markus Söder hatte am Freitag erneut für Aigner geworben und ihre mögliche Kandidatur als „tolle Sache“ bezeichnet.
Merz setzt bei Aigner auf dem CSU-Parteitag ein Signal
Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim CSU-Parteitag in München Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner zu Beginn seiner Rede namentlich begrüßt und dafür starken Jubel erhalten. Die CSU wirbt für Aigner als nächste Bundespräsidentin, während Merz die Kandidatenfrage bislang nicht öffentlich entschieden hat.
Delegierte reagieren mit Ovationen
Merz nannte Aigner direkt nach CSU-Chef Markus Söder und vor dem Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber. Daraufhin brachen die Delegierten in Applaus und Jubel aus und erhoben sich von ihren Plätzen.
Aigner, die in der ersten Reihe saß, stand ebenfalls auf und winkte mit beiden Händen in die Messehalle. Beim Einzug hatte Merz sie ebenso wie Bundesforschungsministerin Dorothee Bär mit Küsschen links und rechts begrüßt.
Söder wirbt erneut für Aigner
CSU-Chef Markus Söder hatte bereits am Freitag erneut für Aigner als nächste Bundespräsidentin geworben. Die Entscheidung werde zwar „woanders gefällt“, sagte Söder, fügte aber hinzu: „Das wäre eine tolle Sache.“
In der CSU wird Aigner seit langem als mögliche Kandidatin gehandelt. Söder hatte sie Ende April erstmals für das Amt ins Gespräch gebracht.
CDU hält Entscheidung offen
Die CDU-Führung hatte kurz vor dem Parteitag erklärt, sie habe den Anspruch auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus den eigenen Reihen nicht aufgegeben. Merz hat sich zu der Frage bislang nicht öffentlich geäußert.
Deshalb wurde seine Rede bei der CSU mit Spannung erwartet. Seine Begrüßung Aigners löste ein deutliches Signal der Delegierten aus, eine formelle Nominierung für das Bundespräsidentenamt war damit jedoch nicht verbunden.
Die Bundespräsidentenwahl rückt näher, ohne dass Union und SPD bislang einen gemeinsamen Namen öffentlich festgelegt haben. Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 zusammentreten. Ihr gehören 630 Bundestagsabgeordnete und 630 von den Ländern entsandte Mitglieder an.
Ilse Aigner steht im Zentrum der Debatte, weil sie als überparteilich anschlussfähig gilt und politische Erfahrung auf Bundes- und Landesebene mitbringt. Markus Söder wirbt seit Ende April für sie; auch aus Reihen von SPD und Grünen gab es zuvor Zustimmung zu einer Frau im höchsten Staatsamt.
Entscheidung der Union steht aus
Der Vorstoß der CSU erhöht den Druck auf Friedrich Merz, eine gemeinsame Position von CDU und CSU herbeizuführen. Zugleich beansprucht die CDU-Führung weiterhin das Recht, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin vorzuschlagen. Damit geht es neben Aigners persönlicher Eignung auch um das Kräfteverhältnis zwischen den Schwesterparteien.
Für die Leserinnen und Leser bedeutet die offene Kandidatenfrage, dass die politische Debatte bis zur Wahl der Mitglieder der Bundesversammlung weiter an Bedeutung gewinnen dürfte. Eine Nennung Aigners durch Merz hätte auf dem Parteitag als Signal für eine Annäherung gewirkt; eine endgültige Nominierung wäre damit jedoch noch nicht verbunden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „CSU-Parteitag: Führende CSU-Politiker setzen Merz in P-Frage unter Druck“ (23.10.2026)
Der Artikel habe berichtet, führende CSU-Politiker wie Manfred Weber und Klaus Holetschek hätten eine schnelle Entscheidung zugunsten Aigners gefordert. Er setze den Schwerpunkt auf den innerparteilichen Druck vor Merz’ Rede und nenne den 30. Januar als Termin der Bundesversammlung.
ZDFheute: „Wird es erstmals eine Bundespräsidentin geben? Die CSU drängt auf Nominierung von Ilse Aigner“ (23.10.2026)
Der Beitrag habe Aigner als mögliche Kandidatin eingeordnet und die weiterhin ausstehende Entscheidung der CDU hervorgehoben. Anders als der Stern-Artikel habe er zusätzlich die Rolle von SPD und Grünen sowie die Zusammensetzung der Bundesversammlung beleuchtet.
Beide Beiträge hätten den Druck der CSU und die offene Kandidatenfrage bestätigt. Unterschiedliche Schwerpunkte lägen bei den innerparteilichen Forderungen einerseits und der parteiübergreifenden Debatte über eine Bundespräsidentin andererseits.
