Rente mit 63: Merz wirbt beim Arbeitgebertag für Abschaffung
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 10:24 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSArbeitgebertag und Rentenstreit
- Friedrich Merz warb am Dienstag beim Deutschen Arbeitgebertag für ein Ende der abschlagsfreien Frühverrentung.
- Der Kanzler verwies auf eine wachsende Zahl von Rentnern bei zugleich weniger Arbeitnehmern.
- Die Rentenkommission hatte sich für das Ende der Altersrente für besonders langjährig Versicherte ausgesprochen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Deutschen Arbeitgebertag erneut für ein Ende der sogenannten „Rente mit 63“ geworben. Bei der Veranstaltung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sagte er, auch das Ende der abschlagsfreien Frühverrentung mache die Rente gerechter.
Merz verweist auf Finanzierungsdruck
Gesund und fit abschlagsfrei früher in Rente zu gehen, sei weder gerecht noch für die Rentenversicherung und die Volkswirtschaft leistbar, erklärte der CDU-Politiker. Dies gelte besonders dann, wenn immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssten.
Rentenkommission schlägt Abschaffung vor
Die Abschaffung der „Rente mit 63“ zählt zu den zentralen Streitpunkten der geplanten Rentenreform. Gemeint ist die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, die nach 45 Beitragsjahren einen abschlagsfreien früheren Renteneintritt ermöglicht.
Die Rentenkommission hatte sich für ein Ende dieser Regelung ausgesprochen. Nach den Vorschlägen wären abschlagsfreie Ausnahmen nur noch in begrenztem Umfang denkbar.
Widerstand in SPD und Union
Gegen die Pläne gibt es zahlreiche Gegenstimmen aus der SPD und aus Teilen der Union. Auch der künftige Arbeitsminister Alexander Schweitzer hat sich in der Vergangenheit gegen Teile der Vorschläge der Altersicherungskommission ausgesprochen.
Schweitzer müsste die Reform als zuständiger Minister umsetzen. Damit steht die Koalition vor dem Konflikt, den Finanzierungsdruck der Rentenversicherung zu begrenzen und zugleich den Anspruch langjährig Versicherter politisch abzusichern.
Die Debatte über die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte berührt einen zentralen Zielkonflikt der gesetzlichen Rentenversicherung: Beschäftigte sollen nach langen Beitragszeiten geschützt werden, zugleich wächst der Finanzierungsdruck durch das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern.
Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung würde den bisherigen Zugang nach 45 Beitragsjahren grundlegend verändern. Wer vor dem regulären Rentenalter ausscheiden will, müsste dann grundsätzlich mit Abschlägen rechnen; Ausnahmen könnten sich auf besondere Belastungen oder gesundheitliche Gründe konzentrieren.
Konflikt in der Koalition
Politisch trifft der Vorstoß auf unterschiedliche Interessen. Arbeitgeberverbände drängen auf längere Erwerbszeiten und eine Begrenzung der Ausgaben, während Teile der SPD und der Union die abschlagsfreie Rente als erworbenen Anspruch langjährig Versicherter verteidigen.
Mit Alexander Schweitzer als künftigem Arbeitsminister erhält die Reformdebatte zusätzliche Spannung. Der SPD-Politiker hat sich zuvor gegen eine weitgehende Abschaffung ausgesprochen und müsste als zuständiger Minister zugleich die Vorarbeiten der Rentenkommission in Gesetzgebung überführen.
Folgen für Versicherte
Für Arbeitnehmer mit langen Versicherungsbiografien geht es um die Frage, ob ein früher Renteneintritt künftig ohne Kürzung möglich bleibt. Für jüngere Beitragszahler steht dagegen im Mittelpunkt, wie dauerhaft finanzierbar und generationengerecht das System gestaltet werden kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: „Rücktritt und Reformen – wie weiter ohne Bärbel Bas?“ (12.10.2026)
Der Beitrag beschreibt Alexander Schweitzer als entschiedenen Gegner einer Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren. Anders als die aktuelle Meldung legt er den Schwerpunkt auf den künftigen Arbeitsminister und dessen politischen Konflikt mit den Reformvorschlägen.
ZDF heute: „Klingbeil im ZDF: SPD-Chef sieht offene Fragen bei Rentenreform“ (12.10.2026)
Der Bericht nennt die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren als einen der Punkte, über die die SPD mit der Union weiter verhandeln will. Damit bestätigt er den innerkoalitionären Streit, während der dts-Anlass den Vorstoß von Friedrich Merz bei den Arbeitgebern in den Mittelpunkt stellt.
Die Beiträge stimmen darin überein, dass die Regelung zu den umstrittensten Punkten der Rentenreform gehört. Offen bleibt, ob die Koalition die vollständige Abschaffung, Ausnahmen oder eine Übergangsregelung vereinbaren wird.
