Familienpolitik, Kinderrechte

Digitale Kinderüberwachung: Familienministerin Prien lehnt Tracking ab

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 02:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundesfamilienministerin Karin Prien spricht sich gegen das digitale Tracking von Kindern durch ihre Eltern aus und warnt vor einer überbehüteten Kindheit. Sie betont das Recht von Kindern auf Privatsphäre und eine schrittweise Entwicklung von Eigenverantwortung.

Prien lehnt Tracking von Kindern durch Eltern ab
Junge Leute beim Zocken (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) lehnt das Tracking von Kindern durch Eltern mittels Smartphones und anderer digitaler Geräte ab. Kinder hätten ein Recht darauf, nicht ständig gesehen und überwacht zu werden, sagte sie den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Prien betont Recht auf Privatsphäre

Die Ministerin verwies darauf, dass die Frage der Kontrolle stark vom Alter des Kindes abhängt. Bei einem Kleinkind sei die Situation anders als bei einem Grundschulkind oder einem Jugendlichen, betonte Prien. Kinder hätten das Recht, Schritt für Schritt Eigenverantwortung zu lernen, wozu auch gehöre, nicht auf Schritt und Tritt überwacht zu werden.

Nach Ansicht der CDU-Politikerin gehören auch Regelübertretungen zum Erwachsenwerden. Eine überbehütete Kindheit könne Kindern unter Umständen sogar schaden, sagte sie. Die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu machen und aus Fehlern zu lernen, sei Teil einer gesunden Entwicklung.

Kritik an Perfektionsdruck in der Erziehung

Prien äußerte zudem Kritik an einem zunehmenden Perfektionierungszwang in der Erziehung. Vielen Eltern sei der natürliche Zugang zum Elternsein ein Stück weit abhandengekommen, sagte sie. Auch der Austausch zwischen den Generationen, etwa mit den Großeltern, habe sich verändert.

Sie berichtete, früher mit ihrer eigenen Mutter über Fragen wie das Schreienlassen von Babys oder das Aufessen des Tellers gestritten zu haben. Heute gebe es so viele Elternratgeber wie noch nie, und viele Eltern erziehen nach ihren Worten sehr kopfgesteuert und wenig intuitiv. Diese Entwicklung sieht Prien kritisch und stellt ihr ein stärkeres Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz gegenüber.

Die deutliche Ablehnung von Ortungs-Apps und anderen Tracking-Technologien für Kinder durch Bundesfamilienministerin Karin Prien fällt in eine Zeit, in der digitale Überwachung im Familienalltag schnell zur Normalität geworden ist. Viele Eltern installieren GPS-Apps, vernetzte Smartwatches oder nutzen Messenger-Standortfreigaben, um Sicherheit zu gewinnen und Alltag zu organisieren. Gleichzeitig weisen Kinder- und Jugendpsychologen seit Jahren darauf hin, dass permanente Kontrolle das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern belasten und die Entwicklung von Selbstständigkeit erschweren kann.

Digitale Sicherheit und kindliche Autonomie

Prien setzt mit ihrer Aussage den Schwerpunkt klar auf das Recht von Kindern auf Privatsphäre und auf die Stärkung ihrer Eigenverantwortung im digitalen Zeitalter. Ihr Hinweis, dass es eine Altersfrage ist, spiegelt gängige pädagogische Empfehlungen: Während bei Kleinkindern und jüngeren Grundschülern Aufsicht und Begleitung im Vordergrund stehen, soll bei älteren Kindern und Jugendlichen der Vertrauensaufbau über Absprachen, klare Regeln und offene Kommunikation erfolgen. Digitale Tools zur Sicherheit – etwa Notfallfunktionen oder altersgerechte Geräteeinstellungen – werden in Fachdebatten zunehmend als Hilfsmittel verstanden, die das Gespräch zwischen Eltern und Kindern nicht ersetzen dürfen.

Bedeutung für Erziehungsdebatten

Indem Prien vor einer „überbehüteten Kindheit“ warnt und den hohen Perfektionsdruck auf Eltern kritisiert, greift sie eine breitere gesellschaftliche Debatte auf: Viele Familien orientieren sich stark an Ratgeberliteratur und Online-Tipps, während vertraute Formen des Austauschs mit älteren Generationen seltener werden. Für Leserinnen und Leser bedeutet das: Die Aussage der Ministerin ist nicht nur ein Kommentar zu Tracking-Apps, sondern eine Einladung, Erziehung als Beziehungsarbeit zu verstehen, in der Sicherheit, Vertrauen und Freiräume sorgfältig ausbalanciert werden müssen.

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