Breuer warnt Bundeswehr vor neuem Höchststand bei Sexismusfällen
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 07:02 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hat wegen der steigenden Zahl von Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten in der Truppe Alarm geschlagen. In einem internen Tagesbefehl an alle Soldaten fordert er, dass sexualisiertes Fehlverhalten jeder Art in den Streitkräften nicht toleriert werden darf.
Breuer warnt vor zu vielen Fällen
Breuer stellt in dem Schreiben fest, die Zahl der gemeldeten Fälle sei zu hoch. Er beobachte den Umfang der Meldungen mit großer Sorge und betont, jede Form von sexuellem Fehlverhalten habe keinen Platz in der Bundeswehr. Solche Auswüchse dürften weder durch Vorgesetzte noch Untergebene oder Gleichgestellte akzeptiert werden.
Breite Definition von Fehlverhalten
Hintergrund des Tagesbefehls sind intern gemeldete Vorfälle, die unter dem Begriff sexualisiertes Fehlverhalten zusammengefasst werden. Die Bundeswehr zählt dazu alle Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung, von anzüglichen Sprüchen über unziemliche Annäherungen bis hin zu handfester sexualisierter Gewalt. Nach den vorliegenden Zahlen könnte 2026 einen neuen Höchststand erreichen.
Steigende Fallzahlen seit 2023
Im Jahr 2023 wurden 385 Meldungen registriert, 2024 stieg die Zahl auf 395 und 2025 auf 430 Fälle. Die Entwicklung bereitet der Führung der Streitkräfte zunehmende Sorgen, zumal der Generalinspekteur ausdrücklich auf die Verantwortung jedes einzelnen Soldaten verweist.
Appell an Haltung und Verantwortung
Breuer mahnt in seinem Tagesbefehl, solche Vorfälle nicht zu dulden oder zu übersehen. Er erklärt, das sei nicht akzeptabel und er zähle auf die Haltung und das Verantwortungsgefühl der Soldatinnen und Soldaten. Der Appell richtet sich damit ausdrücklich an alle Ebenen der Bundeswehr.
Dunkelfeldstudie erhöht den Druck
Neben den aktuellen Meldungen sorgen im Verteidigungsministerium die Ergebnisse einer Dunkelfeldstudie zur sexualisierten Gewalt in der Truppe für Nervosität. Tausende aktive und ehemalige Soldatinnen wurden zu ihren Erfahrungen befragt, mehr als 15 Prozent aller angeschriebenen Frauen haben ihre häufig belastenden Erlebnisse geschildert.
Aktionsplan gegen Fehlverhalten geplant
Erste Ergebnisse der Studie haben dazu geführt, dass im Ministerium entschieden wurde, gleichzeitig mit der Veröffentlichung einen Aktionsplan gegen Fehlverhalten in der Bundeswehr vorzulegen. Ziel ist es, strukturelle Schwachstellen zu erkennen und klare Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt und übergriffiges Verhalten festzulegen.
Auslöser Fallschirmjäger-Kaserne Zweibrücken
Angeregt wurde die Dunkelfeldstudie bereits Ende 2024 von der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl. Erst in diesem Jahr nahm das Projekt deutlich Fahrt auf, nachdem der Skandal um die Zustände in der Fallschirmjäger-Kaserne im rheinland-pfälzischen Zweibrücken öffentlich wurde. Die aktuelle Intervention des Generalinspekteurs steht vor diesem Hintergrund und soll ein klares Zeichen für einen Kulturwandel in der Truppe setzen.
Die deutliche Warnung von Generalinspekteur Carsten Breuer markiert einen weiteren Schritt in der Auseinandersetzung der Bundeswehr mit sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen. Dass der ranghöchste Soldat die steigende Zahl interner Meldungen als „nicht akzeptabel“ bezeichnet und einen Tagesbefehl an alle Soldaten richtet, zeigt den Druck, unter dem die Führung der Streitkräfte steht.
Strukturelle Probleme und Reformdruck
Bereits in den vergangenen Jahren hatten einzelne Fälle von Übergriffen und toxischer Kameradschaftskultur die öffentliche Debatte über die Bundeswehr geprägt. Die nun genannten Fallzahlen von 385 Meldungen 2023, 395 im Jahr 2024 und 430 im Jahr 2025 sowie die Erwartung eines neuen Höchststandes 2026 verdeutlichen, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handelt. Die Spannweite der Delikte von anzüglichen Sprüchen bis zu sexualisierter Gewalt zeigt zugleich, wie breit das Spektrum der Vorwürfe ist.
Bedeutung der Dunkelfeldstudie
Besondere Brisanz erhält Breuers Alarmierung durch die fast abgeschlossene Dunkelfeldstudie, in der Tausende aktive und ehemalige Soldatinnen zu ihren Erfahrungen befragt wurden. Dass sich mehr als 15 Prozent der angeschriebenen Frauen zurückmeldeten und teils harte Erfahrungen schilderten, legt nahe, dass das tatsächliche Ausmaß sexualisierter Gewalt über den offiziell gemeldeten Fällen liegen könnte. Die Kopplung der Studienveröffentlichung an einen Aktionsplan gegen Fehlverhalten zeigt, dass die Verantwortlichen in Ministerium und Bundeswehr mit konkreten Maßnahmen reagieren wollen.
Relevanz für Angehörige der Bundeswehr und Öffentlichkeit
Für Soldatinnen und Soldaten ist der Tagesbefehl ein klares Signal, dass Wegsehen und Dulden nicht länger akzeptiert werden sollen und Vorgesetzte ebenso wie Untergebene gefordert sind, einzugreifen. Für die Öffentlichkeit ist er ein Hinweis darauf, dass die Bundeswehr ihre innere Führung und ihre Organisationskultur stärker auf den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung ausrichten muss. Ob der angekündigte Aktionsplan und weitere Reformen die Zahl der Vorfälle tatsächlich senken, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
