Bremerhaven und Emden: Milliarden für Nato-Drehscheibe und Marinehafen
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Bund investiert rund 1,35 Milliarden Euro in den Ausbau des Hafens in Bremerhaven für Bundeswehr und Nato, während im ostfriesischen Emden ein neuer Marinehafen geplant wird.
Bremerhaven wird Nato-Drehscheibe
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) unterzeichnete im Bremer Rathaus eine Absichtserklärung, nach der der Hafen bis 2031 als Nato-Drehscheibe ertüchtigt werden soll. Das Land Bremen beteiligt sich mit 200 Millionen Euro, weitere Mittel sollen von Privatinvestoren kommen.
Geplant sind mehr als 40 Maßnahmen. Dazu gehören eine neue Schwerlastbrücke, mehrere Schwerlastflächen, Teile der Stromkaje, ein Verbindungskanal mit Drehbrücke sowie Arbeiten an Binnenkajen im Kaiserhafen.
Ausbau von Hafen, Straßen und Schiene
Zusätzlich sollen Hafenbecken vertieft, eine neue Feuerwache gebaut und Straßen- sowie Bahnverbindungen ausgebaut werden. Auch der Flughafen Bremen soll unter anderem mit zusätzlicher Logistikfläche für militärische Transporte ertüchtigt werden.
Pistorius begründete die Investition mit der veränderten Bedrohungslage. Bremerhaven sei im Ernstfall eine Drehscheibe für militärische Verlegungen und ein wichtiger Baustein für die Umsetzung des Operationsplans Deutschland.
Emden soll zweiten Marinehafen erhalten
In Emden benötigt die Marine nach dpa-Informationen zunächst eine Fläche von 40 Hektar, mit einer Option auf weitere zehn Hektar. Der geplante Hafen soll Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper bieten. Dort könnte voraussichtlich eine vierstellige Zahl an Soldaten und zivilen Beschäftigten arbeiten.
Derzeit verfügt die deutsche Marine an der Nordseeküste nur über den Marinestützpunkt in Wilhelmshaven. Einzelheiten zu den Emder Plänen sollen am 5. Oktober bei einer Pressekonferenz mit Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) vorgestellt werden. Teilnehmen sollen außerdem der Marineinspekteur, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, und Emdens erster Stadtrat Horst Jahnke (SPD).
Rysumer Nacken als mögliche Fläche
Für den neuen Standort hatte die Marine mehrere Küstenorte geprüft. In Emden kommt insbesondere der Rysumer Nacken infrage, eine Hafenerweiterungsfläche westlich der Stadt im Eigentum des Landes. Stadt, Land und die landeseigene Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports hatten dort bislang vor allem zivile Nutzungsmöglichkeiten untersucht.
Pistorius hatte den Bedarf für einen zweiten Marinehafen an der deutschen Nordseeküste bereits im Juli mit der Absicherung und der erforderlichen Kapazität für alliierte Truppen- und Materialtransporte im Ernstfall begründet.
Militärische Logistik wird zur Infrastrukturfrage
Der Ausbau in Bremerhaven und der geplante Standort in Emden stehen für eine stärkere Ausrichtung ziviler Verkehrswege auf die Bündnisverteidigung. Deutschland muss im Ernstfall nicht nur eigene Einheiten bewegen, sondern auch alliierte Soldaten, Fahrzeuge und Versorgungsgüter aufnehmen, zwischen Hafen, Schiene, Straße und Flugplätzen weiterleiten und über längere Zeit versorgen.
Bremerhaven erhält dafür bis 2031 eine umfangreiche Modernisierung. Die mehr als 40 Maßnahmen betreffen nicht allein militärische Anlagen, sondern auch Containerkai, Hafenbecken, Brücken, Straßen, Bahnverbindungen und den Flughafen Bremen. Davon können im Alltag auch zivile Logistikunternehmen profitieren; zugleich werden Flächen und Verkehrswege stärker für sicherheits- und verteidigungspolitische Zwecke gebunden.
Emden als Ergänzung zu Wilhelmshaven
Ein zweiter Marinehafen würde die bisherige Konzentration an der Nordseeküste auf Wilhelmshaven verringern. Mehrere Standorte könnten Ausweichmöglichkeiten schaffen und Wartung, Versorgung sowie die Verteilung von Schiffen erleichtern. Der konkrete Zeitplan, die Finanzierung und die Genehmigungen für Emden sind noch Gegenstand des weiteren Vorgehens, das am 5. Oktober erläutert werden soll.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Militär-Investition in Hafen Bremerhaven und Flughafen Bremen geplant“ (29.09.2026)
Der Bericht bestätige die geplante Investition von 1,35 Milliarden Euro und hebe den Ausbau des Containerkais, die Vertiefung von Hafenbecken sowie die militärische Ertüchtigung des Flughafens Bremen hervor. Anders als die dpa-Meldung richte der Beitrag einen zusätzlichen Schwerpunkt auf das Projekt „Deployment Hub 2031“ und berichte, Emden und Bremerhaven gälten als Favoriten für den zweiten Marinehafen.
Der Artikel stelle zudem heraus, dass eine Standortentscheidung bald fallen könne, während Einzelheiten zum konkreten Ausbau und zum Zeitplan noch offenblieben.
