Andreas Bovenschulte, Vermögensteuer

Vermögensteuer: Bovenschulte fordert ein Prozent ab 100 Millionen Dollar

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte plädiert für eine jährliche Abgabe auf Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. Sein Vorstoß geht über die geplante Steuerreform von Union und SPD hinaus.

Bovenschulte fordert Vermögensteuer ab 100 Millionen Dollar
Andreas Bovenschulte vor der informellen MPK am 24.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Bremer Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) fordert eine Vermögensteuer für die rund 5.000 Deutschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. In einem Gespräch mit der „Zeit“ schlug er vor, diese Vermögenswerte jährlich mit einem Prozent zu besteuern.

Bovenschulte stellt Belastungsverteilung infrage

Bovenschulte begründete seinen Vorstoß mit den geopolitischen Krisen und den damit verbundenen Belastungen für die Bevölkerung. „Aber wenn wir von Zumutungen reden, warum dann nur bei der einen Seite? Was ist mit den 5.000 Menschen, denen ein Viertel des Finanzvermögens in unserem Land gehört? Man kann doch nicht sagen: Bei denen kann alles so bleiben, wie es ist“, sagte er der Zeitung.

Vermögensteuer nicht Teil der Reform

Die Forderung fällt in die laufenden steuerpolitischen Debatten der Bundesregierung. Union und SPD haben sich auf eine Steuerreform verständigt, die unter anderem einen höheren Reichensteuersatz vorsieht; eine Vermögensteuer ist darin jedoch nicht enthalten.

Als Grundlage für die von ihm genannte Gruppe verwies Bovenschulte auf eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group. „Was spricht dagegen, diese Vermögenswerte etwa mit einer Steuer von jährlich einem Prozent zu belegen?“, sagte der Bremer Regierungschef.

Der Vorstoß von Andreas Bovenschulte zielt auf eine sehr kleine Gruppe mit außergewöhnlich großen Finanzvermögen. Nach den in der Meldung genannten Berechnungen der Boston Consulting Group würden etwa 5.000 Menschen erfasst, wenn die Schwelle bei 100 Millionen Dollar liegt. Eine jährliche Abgabe von einem Prozent würde dabei nicht auf Einkommen, sondern auf das vorhandene Vermögen erhoben.

Politisch setzt Bovenschulte damit einen Kontrapunkt zu der von Union und SPD vereinbarten Steuerreform. Diese sieht nach der Meldung zwar einen höheren Reichensteuersatz vor, aber keine Vermögensteuer. Der Unterschied ist grundlegend: Eine Einkommensteuer belastet laufende Einkünfte, eine Vermögensteuer den Bestand an Vermögenswerten. Für Betroffene könnten deshalb auch Beteiligungen, Wertpapiere oder andere Finanzanlagen maßgeblich sein.

Rechtliche und praktische Fragen

Eine Wiedereinführung der Vermögensteuer müsste in Deutschland rechtlich und administrativ präzise ausgestaltet werden. Entscheidend wären unter anderem die Bewertung nicht börsennotierter Unternehmen, die Behandlung von Schulden, der Umgang mit internationalem Vermögen und Regeln gegen die Verlagerung von Wohnsitz oder Kapital. Der Bundesfinanzhof hatte die frühere Vermögensteuer im Jahr 1995 wegen unterschiedlicher Bewertungsmaßstäbe als verfassungsrechtlich problematisch eingeordnet; eine neue Regelung müsste diese Gleichbehandlung sicherstellen.

Politische Bedeutung

Die Debatte gewinnt an Gewicht, weil Bund und Länder zugleich über die Finanzierung staatlicher Aufgaben und die Verteilung von Belastungen in Krisenzeiten ringen. Bovenschultes Argument stellt dabei die Zumutbarkeit für breite Bevölkerungsschichten der besonderen Leistungsfähigkeit sehr großer Vermögen gegenüber. Ob aus dem Vorstoß eine bundespolitische Initiative wird, hängt vor allem davon ab, ob die SPD das Thema in der Koalition erneut aufgreift und ob die Union einer zusätzlichen Substanzbesteuerung zustimmt.

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