Bosnien-Herzegowina, Serbien

Bosniens Außenminister fordert EU-Sanktionen gegen Serbien wegen Mladic

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 18:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bosniens Außenminister Elmedin Konakovic fordert von der Europäischen Union gezielte Sanktionen gegen die serbische Führung um Präsident Aleksandar Vucic wegen der militärischen Ehrung für den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladic. Er warnt, dass eine ausbleibende Reaktion der EU die europäische Orientierung Bosnien-Herzegowinas infrage stellen könnte.

Bosnien fordert EU-Sanktionen gegen Serbien - Kritik an Vucic
Aleksandar Vucic (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bosniens Außenminister Elmedin Konakovic fordert von der Europäischen Union gezielte Sanktionen gegen die serbische Führung um Staatspräsident Aleksandar Vucic. Anlass ist der Umgang Serbiens mit dem Tod des früheren Generals Ratko Mladic und dessen Beerdigung mit militärischen Ehren in Belgrad.

Konakovic verlangt "gezielte Sanktionen"

Konakovic erklärte, die EU solle gezielte Sanktionen und andere geeignete Maßnahmen gegen Serbien und dessen politische Führung in Betracht ziehen. Er machte Vucic persönlich dafür verantwortlich, dass Serbien durch die Ehrung Mladics Kriegsverbrechen verherrliche. Der serbische Präsident habe nicht nur ein Regierungsflugzeug nach Den Haag geschickt, um Mladics Leiche nach Serbien zu überführen, sondern sei darüber hinaus beteiligt gewesen, als ein Ehrenzug des Militärs Mladic zu Ehren eine Salve abgab.

Schwere Vorwürfe gegen Vucic

Konakovic betonte, diese Salve sei letztlich unter dem direkten Kommando Vucics erfolgt, der als Staatspräsident Oberbefehlshaber der serbischen Streitkräfte ist. Die Kugeln hätten, so seine Formulierung, direkt in das Herz des demokratischen Europas gezielt. Er sieht Serbien zu einer ernsthaften Bedrohung für die Stabilität der Region geworden und fordert Konsequenzen.

EU-Werte und Beitrittsperspektive

Der bosnische Außenminister stellte zudem die Glaubwürdigkeit des serbischen EU-Kurses infrage. Ein Land, das Kriegsverbrechen verherrliche und Völkermord leugne, könne nicht glaubwürdig auf eine EU-Mitgliedschaft hinarbeiten, während es die grundlegenden Werte missachte, auf denen das europäische Projekt beruht. Sarajevo erwarte daher, dass die EU ihr gesamtes politisches Instrumentarium einsetze, um klar zu machen, dass die Leugnung von Völkermord und die Verherrlichung von Kriegsverbrechen bekämpft werden.

Signalwirkung für Bosnien-Herzegowina

Konakovic knüpft die europäische Orientierung Bosnien-Herzegowinas an eine entschlossene Reaktion der EU. Bleibe eine entsprechende Antwort aus, könne dies auch Auswirkungen auf die Außen- und Sicherheitspolitik seines Landes haben, die bislang klar auf die EU ausgerichtet sei. In diesem Fall, so der Minister, stelle sich die Frage, an welcher Art von Politik sich Bosnien-Herzegowina orientiert und zu welchem Zweck.

Die scharfe Kritik des bosnischen Außenministers Elmedin Konakovic an der serbischen Führung berührt zentrale Konfliktlinien des Westbalkans. Serbien steht seit Jahren zwischen Annäherung an die EU und enger Bindung an Russland, zugleich sind die traumatischen Erfahrungen der Kriege der 1990er-Jahre in Bosnien-Herzegowina und der Region weiterhin prägend. Die Beerdigung des wegen Völkermords verurteilten früheren Generals Ratko Mladic mit militärischen Ehren in Belgrad verschärft diese Spannungen.

Spannungen zwischen Erinnerungspolitik und EU-Kurs

Die EU fordert von Beitrittskandidaten eine klare Distanzierung von Kriegsverbrechen und die Anerkennung der Urteile internationaler Tribunale. Eine symbolische Ehrung Mladics steht dazu in offenem Widerspruch und trifft insbesondere in Bosnien-Herzegowina auf empfindliche Ablehnung, weil die Belagerung Sarajevos und das Massaker von Srebrenica dort als Kern traumatischer Erfahrungen gelten. Wenn der Außenminister Bosniens nun gezielte Sanktionen gegen Serbien ins Spiel bringt, stellt er die Frage, ob die EU ihre eigenen Werte gegenüber Beitrittskandidaten konsequent durchsetzt.

Regionale Stabilität und europäische Glaubwürdigkeit

Konakovic verknüpft seine Forderung mit einem Hinweis auf die Stabilität der Region: Eine Politik, die Kriegsverbrechen verklärt, kann das Vertrauen zwischen den Nachbarstaaten untergraben und nationalistische Spannungen neu befeuern. Zugleich stellt er die europäische Orientierung Bosnien-Herzegowinas zur Disposition, falls Brüssel nicht reagiert. Damit rückt die Diskussion über mögliche Sanktionen gegen Serbien über den Einzelfall hinaus zu einer Grundsatzfrage: Wie ernst nimmt die EU ihre eigenen Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Aufarbeitung von Kriegsverbrechen – und welchen Preis sind Staaten auf dem Westbalkan bereit zu zahlen, um Teil dieses Projekts zu sein?

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