Boris Palmer lässt Berateramt wegen Vorwürfen ruhen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPalmer und sein Landesauftrag
- Ministerpräsident Cem Özdemir bat Palmer, das Ehrenamt ruhen zu lassen.
- Palmer sollte zwei Jahre lang unentgeltlich an Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung mitarbeiten.
- Der Tübinger Oberbürgermeister übt das Amt seit 2007 aus und trat 2023 aus den Grünen aus.
Palmer setzt Landesauftrag nach Vorwürfen aus
Wegen Vorwürfen sexualisierter Belästigung lässt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sein Amt als Bürokratie-Berater der baden-württembergischen Landesregierung ruhen. Der 54-Jährige weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als haltlos.
Özdemir bittet um Pause
Palmer erklärte, er werde sein Ehrenamt für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung ruhen lassen, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien. Aus dem Staatsministerium hieß es, Ministerpräsident Cem Özdemir habe Palmer darum gebeten.
Die Vorwürfe wurden auf Instagram auf einem Account erhoben, der einer ehemaligen Abgeordneten des Tübinger Gemeinderats zugeschrieben wird. Die Deutsche Presse-Agentur konnte zu der Frau zunächst keinen Kontakt aufnehmen.
Palmer kündigt rechtliche Schritte an
Palmer schrieb, der Vorwurf treffe sein Privatleben, äußerte sich aber nicht konkreter. Er erklärte, er werde sich dagegen zur Wehr setzen und rechtliche Schritte prüfen lassen.
OB-Amt bleibt unberührt
Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Das ehrenamtliche Berateramt für die Landesregierung übte er zusätzlich und ohne Bezahlung aus; der Auftrag war nach der Landtagswahl auf zwei Jahre angelegt.
Politische Nähe trotz Parteiaustritt
Palmer war früher Landtagsabgeordneter und galt zeitweise als möglicher Nachfolger von Winfried Kretschmann. Nach mehreren Skandalen trat er 2023 aus den Grünen aus; inzwischen hatte er sich offen für eine Rückkehr gezeigt.
Özdemir und Palmer kennen sich seit vielen Jahren. Der Ministerpräsident bezeichnete Palmer zuletzt als Freund der Familie, während Kretschmann eine Rückkehr des parteilosen Oberbürgermeisters zu den Grünen begrüßt hatte.
Der Vorgang berührt zwei getrennte Ebenen: Palmers kommunales Amt als Oberbürgermeister von Tübingen und sein zusätzliches, unentgeltliches Ehrenamt für die Landesregierung. Das Ruhen des Berateramts begrenzt zunächst nur seine Tätigkeit für das Land. Über seine Arbeit im Rathaus trifft die Entscheidung nicht die Landesregierung, sondern die dafür zuständigen kommunalen und rechtlichen Instanzen.
Politischer Kontext
Palmer ist seit 2007 Tübinger Oberbürgermeister und seit seinem Austritt aus den Grünen im Jahr 2023 parteilos. Sein politisches Profil verbindet eine hohe öffentliche Bekanntheit mit wiederholten Konflikten innerhalb der Grünen. Die zuletzt diskutierte Annäherung an die Partei erhält durch die Vorwürfe eine neue Belastung.
Besondere Bedeutung hat die persönliche Nähe zwischen Palmer und Ministerpräsident Cem Özdemir. Özdemir bat ihn nach Angaben des Staatsministeriums, das Ehrenamt ruhen zu lassen. Damit zieht die Landesregierung eine institutionelle Konsequenz, ohne über die gegen Palmer erhobenen Vorwürfe zu entscheiden.
Offene Folgen
Für die Öffentlichkeit entscheidend ist nun, ob und wie die Vorwürfe konkret aufgeklärt werden. Palmer kündigte an, sich rechtlich zur Wehr setzen zu wollen. Bis zu einer Klärung bleibt sein Auftrag zur Bürokratiebekämpfung ausgesetzt; zugleich steht die politische Diskussion über seine mögliche Rückkehr zu den Grünen vorerst im Hintergrund.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Sexuelle Belästigung: Boris Palmer wehrt sich gegen Vorwürfe“ (03.11.2026)
Der Beitrag berichtet über Palmers Zurückweisung der Vorwürfe und über das Ruhen seines Ehrenamts auf Bitte von Cem Özdemir. Einen Schwerpunkt legt er auf die bislang nicht näher erläuterten Vorwürfe und Palmers angekündigte rechtliche Schritte.
n-tv: „Nach Vorwürfen: Comedy-Veranstaltung mit Palmer abgesagt“ (03.11.2026)
Der regionale Beitrag ergänzt, dass Palmers für Donnerstag geplante Stand-up-Veranstaltung in Tübingen abgesagt worden sei. Er bestätigt damit die politische Konsequenz, setzt den Schwerpunkt aber auf die unmittelbaren Auswirkungen auf einen öffentlichen Auftritt.
Beide Beiträge stimmen beim Ruhen des Ehrenamts und bei Palmers Zurückweisung der Vorwürfe überein. Unterschiedlich gewichten sie die Folgen: Im einen Fall stehen die politische Einordnung und offene Details im Mittelpunkt, im anderen die abgesagte Veranstaltung.
