Rente, Lebenserwartung

BiB-Studie: Rentendauer übertrifft oft die Lebenserwartung mit 65

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 10:08 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die BiB-Analyse stellt die gängige Schätzung der Rentendauer infrage und sieht die tatsächliche Lebenszeit nach dem 65. Geburtstag oft länger als erwartet. Das ist auch für die Diskussion um ein an die Lebenserwartung gekoppeltes Rentenalter relevant.

Studie: Tatsächliche Rentendauer übertrifft oft Schätzungen
Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die bei Renteneintritt ermittelte Lebenserwartung unterschätzt die tatsächliche spätere Rentendauer im Durchschnitt. Das hat eine neue Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ergeben.

Mehr Lebenszeit nach dem 65. Geburtstag

Die Studie zeigt, dass 65-Jährige in den vergangenen Jahrzehnten fast durchgehend länger lebten, als die zum Renteneintritt berechnete Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren auswies. Besonders groß war die Lücke bei den Jahrgängen, die zwischen 1980 und 2003 den 65. Geburtstag erreichten.

In dieser Gruppe lag der Zugewinn demnach bei 1,5 bis 2 Jahren. Als wichtiger Grund gelten medizinische Fortschritte, vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Fortschritte vor allem im höheren Alter

Die größten Zugewinne an Lebenserwartung im Rentenalter traten den Angaben zufolge in den höheren Altersgruppen auf. Besonders Menschen zwischen 75 und 84 Jahren profitierten von sinkender Sterblichkeit in dieser Phase.

Michael Mühlichen vom BiB erklärte, dass weitere Anstiege der Lebenserwartung auch künftig sehr wahrscheinlich seien.

Folgen für die Rentendebatte

Die Ergebnisse sind auch für die staatliche Rentenpolitik von Bedeutung. In Ländern wie Dänemark oder Italien ist das Renteneintrittsalter bereits an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt.

Für Deutschland wurde diese Kopplung von der Alterssicherungskommission ebenfalls vorgeschlagen. Sebastian Klüsener vom BiB sagte, die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren unterschätze die durchschnittlich verbleibende Lebensdauer zwar tendenziell, aber selten um mehr als zehn Prozent. Deshalb sei sie als Bezugsgröße für eine Kopplung des Renteneintrittsalters belastbar genug.

Die neue Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung rückt eine Grundsatzfrage der Rentenpolitik in den Mittelpunkt: Die bei Renteneintritt errechnete Lebenserwartung bildet die tatsächliche Dauer des Ruhestands nur unvollständig ab. Gerade für die Debatte über ein höheres oder an die Lebenserwartung gekoppeltes Rentenalter ist das politisch relevant.

Im Kern beschreibt die Studie einen langfristigen medizinischen und demografischen Effekt. Wer das 65. Lebensjahr erreicht, lebt im Durchschnitt länger, als es die Prognosen zum Zeitpunkt des Renteneintritts erwarten ließen. Besonders ausgeprägt war der Zugewinn bei Jahrgängen, die zwischen 1980 und 2003 65 wurden. Das spricht dafür, dass Verbesserungen in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Rentenphase spürbar verlängert haben.

Bedeutung für die Rentenpolitik

Für die Rentenpolitik ist das vor allem deshalb bedeutsam, weil einige Staaten das Renteneintrittsalter bereits automatisch an die Lebenserwartung koppeln. Auch für Deutschland wurde eine solche Verbindung in der Alterssicherungskommission diskutiert. Die BiB-Analyse stützt damit die Annahme, dass eine reine Momentaufnahme bei 65 Jahren als Orientierungsgröße zwar ungenau ist, aber dennoch als belastbare Basis für politische Modelle dienen kann.

Ausblick auf künftige Entwicklungen

Gleichzeitig verweist die Studie auf weiteres Potenzial in der Medizin, vor allem bei Krankheiten des höheren Alters wie Krebs und Demenz. Das dürfte die Spannungen in der Rentendebatte eher verstärken: Einerseits steigen die Chancen auf längere Lebenszeit, andererseits wächst der Druck, die Finanzierung und das Renteneintrittsalter an diese Entwicklung anzupassen.

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