BiB-Studie: Kinderwunsch junger Menschen sinkt
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Kinderwunsch in Deutschland ist erstmals seit vielen Jahren gesunken, während Zukunftssorgen aufgrund globaler Krisen zugenommen haben. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.
Die Forschenden sehen zugleich eine wachsende Lücke zwischen dem, was sich junge Erwachsene wünschen, und der Zahl der Kinder, die tatsächlich geboren werden.
Geburtenrate bleibt niedrig
Nach den Angaben aus der Untersuchung sank die Geburtenrate in der Europäischen Union zuletzt von 1,53 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024. Für Deutschland wird im selben Zeitraum ein Rückgang von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau genannt.
Langfristig bedeutet das kleinere nachfolgende Generationen und damit eine Verschiebung zwischen jüngeren und älteren Altersgruppen.
Wunsch und Wirklichkeit
Laut dem familiendemografischen Panel FReDA wünschen sich Frauen durchschnittlich 1,7 Kinder und Männer etwa 1,6 Kinder. Die ideale Kinderzahl liegt den Angaben zufolge bei 2,2 Kindern und damit deutlich über der tatsächlich erwarteten Familiengröße.
Das Bundesinstitut verweist darauf, dass sich diese Differenz zuletzt vergrößert hat. Vor allem der Aufschub der Familienplanung führt demnach dazu, dass gewünschte Kinder nicht immer noch geboren werden.
Zukunftssorgen als Faktor
Nach der Studie stehen Familienentscheidungen auch mit gesellschaftlichen Erwartungen in Zusammenhang. Vor allem Sorgen vor Kriegen und vor einer Schwächung der Demokratie spielen dabei eine Rolle.
Hinzu kommen regionale Bedingungen wie bezahlbarer Wohnraum und wirtschaftliche Perspektiven. Eine leistungsfähige Daseinsvorsorge kann nach Einschätzung der Forschenden dazu beitragen, dass junge Menschen ihre Kinderwünsche früher umsetzen.
Die neue BiB-Studie ordnet einen Trend ein, der für Deutschland und die Europäische Union seit Jahren von hoher Bedeutung ist: Die tatsächlichen Geburtenzahlen liegen deutlich unter dem, was sich viele junge Erwachsene wünschen.
Besonders relevant ist dabei nicht nur die absolute Geburtenrate, sondern die wachsende Lücke zwischen Ideal und Realität. Wenn Kinderwünsche später oder seltener erfüllt werden, wirkt sich das langfristig auf Altersstruktur, Erwerbspersonenpotenzial und Finanzierungssysteme wie die Rente aus.
Hintergrund
Die Entwicklung passt in ein Umfeld aus unsicheren Zukunftserwartungen, steigenden Wohnkosten und wirtschaftlichem Druck. Solche Bedingungen beeinflussen Familienentscheidungen nicht allein, verstärken aber häufig den Aufschub von Elternschaft und damit das Risiko, dass gewünschte Kinder nicht mehr geboren werden.
Bedeutung für Politik und Gesellschaft
Für die Familienpolitik verschiebt sich damit der Fokus: Nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch verlässliche Betreuungsangebote, bezahlbarer Wohnraum und regionale Infrastruktur werden wichtiger. Je besser junge Menschen ihre Lebensplanung mit stabilen Rahmenbedingungen verbinden können, desto eher lassen sich vorhandene Kinderwünsche realisieren.
Ausblick
Die Studie legt nahe, dass die Debatte über Demografie in Deutschland stärker auf Umsetzungsbedingungen statt nur auf Geburtenzahlen selbst zielen muss. Entscheidend bleibt, ob sich die Lücke zwischen gewünschter und realisierter Familiengröße in den kommenden Jahren verkleinern lässt.
