Elif Eralp, Berliner Linke

Berliner Linke stimmt über Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen ab

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 09:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Fraktionsvorsitzende erwartet beim Landesparteitag eine große Mehrheit für Gespräche mit Grünen und SPD. Wegen Drohungen und einer angespannten Debatte steht sie bei dem Treffen unter Polizeischutz.

Parteitag legt nächsten Regierungsschritt fest

  • Die Berliner Linke entscheidet am Samstag auf ihrem Landesparteitag über Koalitionsverhandlungen.
  • Der Parteitag findet in Berlin-Lichtenberg trotz einer angekündigten Kundgebung von Gegnern einer Regierungsbeteiligung statt.
  • Grüne und SPD haben der Aufnahme von Gesprächen bereits zugestimmt.
Elif Eralp sagte, sie sei sich sehr sicher, beim Parteitag eine große Mehrheit für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD zu bekommen. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa

Berliner Linke entscheidet über Gespräche mit SPD und Grünen

Die Berliner Linke-Spitzenpolitikerin Elif Eralp rechnet beim Landesparteitag mit einer klaren Zustimmung zu Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD. Die Fraktionsvorsitzende will Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden und sagte, die Partei werde sich voraussichtlich mit sehr großer Mehrheit hinter sie stellen.

Der Parteitag findet am Samstag in Berlin-Lichtenberg statt. Trotz kritischer Stimmen und einer angekündigten Kundgebung von Gegnern einer Regierungsbeteiligung erwartet Eralp ein gemeinsames Votum für Verhandlungen, weil die Berlinerinnen und Berliner dies bei der Wahl entschieden hätten.

Schutzmaßnahmen wegen Bedrohungslage

Eralp steht bei dem Parteitag unter Polizeischutz. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Maßnahme stehe im Zusammenhang mit einem Bericht des „Spiegel“ über Sorgen um die Sicherheit ihrer Familie sowie mit den angekündigten Protesten vor dem Tagungsort.

Im RBB-Inforadio sprach Eralp von einer „sehr vergifteten Debatte“ über ihre Person sowie von Hass, Beleidigungen, Androhungen und Angriffen. Sie sagte, sie fühle sich nicht persönlich bedroht, nehme die Schutzempfehlung der Behörden aber an.

Debatte über Antisemitismus belastet Bündnispläne

Zu Einzelheiten der Gefährdungslage äußerte sich Eralp mit Verweis auf vertrauliche Gespräche und Informationen der Behörden nicht. Sie vertraue darauf, dass die Einschätzung richtig sei, und verwies auf öffentliche Auftritte mit Zugang für externe Personen.

Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt sechs Wochen zurück. Grüne und SPD haben der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen bereits zugestimmt; erschwert wird die Regierungsbildung durch die Debatte über Antisemitismus in Teilen der Linken und den Umgang der Partei damit.

Parteitag entscheidet über nächsten Schritt

Mit einem Ja würde die Linke den Weg für Gespräche über ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis freimachen. Eine abschließende Koalitionsvereinbarung wäre damit noch nicht verbunden.

Der Parteitag fällt in eine ungewöhnlich anspruchsvolle Phase der Berliner Regierungsbildung. Die Linke wurde bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft; zugleich verlor die bisherige CDU-SPD-Koalition ihre Mehrheit. Damit besitzt die Linke zwar das politische Vorschlagsrecht für ein mögliches Bündnis, ist für eine Regierungsbildung aber auf Grüne und SPD angewiesen.

Beide möglichen Partner haben einer Aufnahme von Gesprächen bereits zugestimmt. Das Votum der Linken ist deshalb der nächste formale Schritt auf dem Weg zu einem rot-grün-roten Bündnis. Eine Zustimmung würde allerdings noch keine Koalition besiegeln: Danach müssten die Parteien Inhalte, Ressortzuschnitt und Personalfragen verhandeln.

Antisemitismus belastet Regierungsbildung

Überschattet wird der Prozess durch die innerparteiliche Antisemitismus-Debatte und die Frage, wie konsequent die Linke gegen antisemitische Positionen und Verbindungen in ihrem Umfeld vorgeht. Für SPD und Grüne geht es damit neben gemeinsamen politischen Projekten auch um die öffentliche und institutionelle Abgrenzung der künftigen Regierung.

Der Polizeischutz für Eralp verschärft die politische Symbolik des Parteitags. Er zeigt, dass die Debatte nicht nur innerhalb der Partei geführt wird, sondern bei öffentlichen Auftritten auch sicherheitsrelevant geworden ist. Für die weitere Regierungsbildung dürfte entscheidend sein, ob die Linke geschlossen auftritt und verbindliche Regeln zum Umgang mit Antisemitismus vorlegt.

Koalitionsgespräche wären erst der Anfang

Ein Ja der Delegierten würde den Verhandlungsprozess eröffnen, nicht dessen Ergebnis vorwegnehmen. Die drei Parteien müssten anschließend klären, ob sie trotz unterschiedlicher Positionen bei innerer Sicherheit, Außen- und Nahostpolitik sowie der Berliner Stadtpolitik tragfähige Kompromisse finden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Parteien - Berliner Linke entscheidet über Koalitionsverhandlungen - Medienbericht: Eralp mit Personenschützer auf Parteitag“ (31.10.2026)

Der Bericht ordnet den Parteitag als Entscheidung über den Beginn von Koalitionsverhandlungen sechs Wochen nach der Wahl ein. Als zusätzlichen Schwerpunkt nennt er eine konkrete Bedrohungslage und berichtet von Personenschützern für Eralp.

Frankfurter Rundschau: „Nach Drohungen und Berichten über Palästina-Debatte: Eralp erhält Polizeischutz“ (31.10.2026)

Der Beitrag stellt den Polizeischutz und die Sicherheitsbedenken vor dem Parteitag in den Mittelpunkt. Anders als der Deutschlandfunk-Bericht beleuchtet er ausführlicher die Protestaufrufe und die Vorgeschichte der Debatte um Eralps Familie und einen Palästina-Aktivisten.

Beide Beiträge bestätigen den Zusammenhang zwischen Parteitag, Koalitionsentscheidung und Schutzmaßnahmen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während der Deutschlandfunk den parlamentarischen Prozess hervorhebt, konzentriert sich die Frankfurter Rundschau stärker auf die Sicherheits- und Protestlage.

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