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Berliner Linke setzt mit Elif Eralp auf das Rote Rathaus

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 16:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Berliner Linke bekräftigt im laufenden Wahlkampf ihren Anspruch auf das Rote Rathaus und stellt sich geschlossen hinter Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp. Gleichzeitig sorgt ein Aufruf der Linksjugend für Spannungen über den Kurs zwischen Regierungsbeteiligung und grundsätzlicher Systemkritik.

Berliner Linke bekräftigt Anspruch auf Rotes Rathaus
Wahlplakate mit Elif Eralp und Sevim Aydin (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Berliner Linke bekräftigt im laufenden Wahlkampf ihren Anspruch auf das Rote Rathaus und stellt sich geschlossen hinter Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp. Zugleich sorgt ein Aufruf der Linksjugend für Diskussionen über den Kurs der Partei zwischen Regierungsbeteiligung und grundsätzlicher Systemkritik.

Landesgeschäftsführer betont Regierungsanspruch

Landesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Bjoern Tielebein unterstrich gegenüber der „Welt", dass der Weg ins Rote Rathaus klares Ziel der Partei sei. Daran bestehe „überhaupt kein Zweifel", so Tielebein. Der Wille, dieses Ziel zu erreichen, sei in keinem Wahlkampf zuvor so klar, geschlossen und kampfbereit gewesen wie aktuell.

Damit setzt die Berliner Linke ein deutliches Signal, dass sie sich im politischen Wettbewerb in der Hauptstadt nicht mit einer Rolle als kleinere Koalitionspartnerin zufriedengeben will, sondern selbst den Führungsanspruch anmeldet.

Jugendverband wirbt für „rebellischen Wahlkampf"

Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist ein Aufruf der Linksjugend Berlin mit dem Titel „Rebellischer Wahlkampf: Für linke Politik kämpfen statt Regierungsbeteiligung". In dem Text kündigt ein Netzwerk namens „Linke in der Linken" eine Kampagne gegen eine mögliche Koalition mit SPD und Grünen an.

Statt einer Regierungsbeteiligung wolle die Initiative „eine Kraft aufbauen, die das Übel an der Wurzel packt", wie es in dem Aufruf heißt. Gemeint ist ein gemeinsamer Kampf gegen den Kapitalismus und für eine „sozialistische Umwälzung" sowie eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

Landesspitze stärkt Bürgermeisterkandidatin Eralp

Die Landesspitze der Berliner Linken stellt sich nach eigenen Angaben demonstrativ hinter Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp. Sie sei auf dem Landesparteitag „einmütig und mit großem Beifall" zur Spitzenkandidatin gekürt worden.

Laut Tielebein ist im Wahlprogramm „unmissverständlich festgeschrieben", dass Eralp die Kandidatin der Partei für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin ist. Damit will die Landespartei auch programmatisch deutlich machen, dass sie mit einer klar benannten Person an der Spitze in den Wahlkampf geht.

Haustürwahlkampf in allen Kiezen

Die Berliner Linke kündigt an, das Rote Rathaus „erobern" zu wollen, um die Stadt zu verändern. Auf den letzten Metern des Wahlkampfs setze die Partei nach Angaben Tielebeins auf einen breit angelegten Haustürwahlkampf.

Mit Tausenden Freiwilligen wolle man „von Tür zu Tür, in jeden Kiez, in jede Straße" gehen, um mit den Berlinerinnen und Berlinern direkt ins Gespräch zu kommen und Unterstützung für den Regierungsanspruch der Partei zu gewinnen.

Die Berliner Linke positioniert sich im laufenden Wahlkampf klar als Kraft mit Regierungsanspruch und benennt mit Elif Eralp eine eigene Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Der Anspruch auf das Rote Rathaus soll deutlich machen, dass die Partei über eine klassische Oppositionsrolle hinaus Einfluss auf die Richtung der Hauptstadtpolitik nehmen will.

Innerparteiliche Spannungen und strategische Linie

Der von der Linksjugend Berlin und dem Netzwerk „Linke in der Linken" verbreitete Aufruf für einen „rebellischen Wahlkampf" macht zugleich sichtbar, dass es innerhalb der Partei unterschiedliche Vorstellungen über den richtigen Kurs gibt. Während die Parteiführung auf Regierungsfähigkeit und Koalitionsoptionen mit anderen linken Parteien setzt, fordert der Jugendverband eine stärker bewegungsorientierte, kapitalismuskritische Linie ohne feste Festlegung auf Regierungsbeteiligung.

Mit der demonstrativen Unterstützung für Elif Eralp und der programmatischen Festlegung auf ihre Kandidatur versucht die Linke-Landesspitze, Geschlossenheit zu signalisieren und die Debatte um mögliche Koalitionen in den Hintergrund zu drängen. Der Verweis auf Tausende Freiwillige und Haustürwahlkampf deutet darauf hin, dass die Partei gezielt auf direkte Ansprache in den Kiezen setzt, um gerade dort mobilisieren zu können, wo soziale Fragen wie Mieten, Verkehr und öffentliche Infrastruktur besonders spürbar sind.

Bedeutung für Berliner Landespolitik

Für die Berliner Landespolitik ist entscheidend, ob die Linke ihren Regierungsanspruch in ein starkes Wahlergebnis übersetzen kann und wie sehr innerparteiliche Kritik den Kurs beeinflusst. Sollte die Partei im neuen Abgeordnetenhaus mit einem klaren Mandat vertreten sein, könnte sie – je nach Mehrheitsverhältnissen – entweder selbst die Führung im Rathaus beanspruchen oder als Teil einer linken Koalition zentrale Projekte in Bereichen wie Wohnungspolitik, soziale Sicherung und Klimaschutz vorantreiben.

Die aktuelle Zuspitzung innerhalb der Partei zeigt zugleich, dass die Frage nach dem Verhältnis von parlamentarischer Regierungsarbeit und außerparlamentarischen Bewegungen für die Linke weiterhin offen ist. Für Wählerinnen und Wähler kann dies sowohl als Ausdruck lebendiger innerparteilicher Demokratie als auch als Risiko für stabile Regierungsbildungen wahrgenommen werden.

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