Berliner Linke kann Konflikt um Abgeordnete nicht lösen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 14:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUmstrittene Thesen zu Israel
Die Politikerin war bei der Wahl am 20. September erstmals in das Abgeordnetenhaus eingezogen. Sie holte mit einem starken Erststimmenergebnis von 46,2 Prozent ein Direktmandat im Wahlkreis Neukölln 1. Im Wahlkampf setzte sie auf das Thema Palästina-Solidarität. Emde vertrat dabei unter anderem die These, dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, sondern nur für Menschen. Am vergangenen Donnerstag wiederholte sie das in einem Instagram-Video ausdrücklich. «Ich stehe zu meinen Aussagen, und ich nehme keine einzige dieser Aussagen zurück.»Linke will ins Rote Rathaus
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Nun wird nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen versucht, eine rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden.Antisemitismusdebatte überlagerte Gespräche
Die Diskussion um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus, angefacht durch mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken, erschwerte die Gespräche über eine Regierungsbildung von Anfang an. Grüne und SPD forderten von der Linken klare Kante gegen Antisemitismus und pochten darauf, dass es nicht bei einer pauschalen Verurteilung von Judenhass bleiben dürfe. Alle drei Parteien schlossen daraufhin eine spezielle Vereinbarung. Sie ist Teil des am vergangenen Wochenende vorgelegten Sondierungspapiers und soll im Fall einer Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden. Rot-Grün-Rot bekennt sich darin zum Schutz jüdischen Lebens, zum Existenzrecht Israels und zu einer Zwei-Staaten-Lösung, die sowohl Israels Sicherheit als auch die Selbstbestimmung der Palästinenser ermöglichen soll. Angedacht sind bei Verstößen gegen die vereinbarten Grundsätze Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss.Irritationen und immer neue Wendungen
Auf der konstituierenden Sitzung der neuen Linke-Fraktion vor einer Woche unterzeichneten alle anwesenden 44 Abgeordneten – eine fehlte aus gesundheitlichen Gründen – eine eigene Erklärung zu Antisemitismus und Nahost-Konflikt. Darin verpflichten sich die Parlamentarier unter anderem, sich in ihrem Wirken an die Beschlüsse der Partei zu diesen Themen zu halten.Emde teilte aus
Nur wenig später meldete sich Emde mit ihrem Instagram-Video zu Wort. Dort bemängelte sie unter anderem, die Fraktionserklärung nenne nur selektiv Details aus Partei-Beschlüssen zu dem Themenkomplex. Nicht erwähnt werde darin etwa ein Beschluss der Linken, die das israelische Vorgehen im Gaza-Krieg seit einem Parteitag im Juni offiziell als «Völkermord» bezeichnet. Dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, sei ein völkerrechtlicher «No-Brainer», also eine Selbstverständlichkeit. Zum Umgang mit ihrer Person sagte Emde, sie sei unfreiwillig zur Protagonistin eines «Schmierentheaters» geworden, inszeniert unter anderem von SPD und Grünen. Dass sie in die Fraktion aufgenommen worden sei, sei «ein kleiner Geländegewinn gegen die Staatsräson», fügte Emde hinzu. Den rechtlich unspezifischen Begriff der «Staatsräson» hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2008 geprägt: In einer Rede vor dem israelischen Parlament sagte sie, dass die historische Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels Teil der Staatsräson Deutschlands sei.
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