Berliner Linke, Elif Eralp

Berliner Linke: Eralp und Wolter weisen Antisemitismusvorwürfe zurück

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 19:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Berliner Linke weist Antisemitismusvorwürfe zurück, räumt aber Fehler in den eigenen Reihen ein. Auf einem Parteitag bekräftigt die Parteispitze den Schutz jüdischen Lebens und will zugleich den Weg zu Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD offenhalten.

Spitzenkandidatin Elif Eralp nahm auf dem Linke-Parteitag zu Vorwürfen gegen ihre Partei Stellung.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Spitzenkandidatin Elif Eralp nahm auf dem Linke-Parteitag zu Vorwürfen gegen ihre Partei Stellung. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Die Berliner Linke setzt sich nach ihrem Wahlsieg gegen Antisemitismusvorwürfe zur Wehr, räumt aber zugleich Fehler in den eigenen Reihen ein.

Schutz jüdischen Lebens

„Jüdische Menschen müssen sich in unserer Stadt sicher fühlen“, sagte die neue Fraktionschefin Elif Eralp auf einem Parteitag. Die Politikerin, die nach der gewonnenen Berlin-Wahl Regierende Bürgermeisterin werden will, kündigte an: „Ich werde das vielfältige jüdische Leben stärken und Antisemitismus bekämpfen.“

Auch palästinensische, muslimische und queere Menschen müssten in Berlin sicher leben können, sagte Eralp. Die Landesvorsitzende Kerstin Wolter übte zugleich Selbstkritik.

Wolter räumt Fehler ein

„Auch in unserer Partei wurden Fehler gemacht, wurden Grenzen überschritten, wurden Sätze gesprochen, die Jüdinnen und Juden Angst machen“, sagte Wolter. Wo dies geschehe, passiere es nicht im Namen der Partei; die Linke sei verpflichtet, solche Fälle aufzuklären.

Wolter betonte den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Partei stehe für das Existenzrecht Israels und das Existenzrecht eines Palästinas. Zugleich müsse zwischen Antisemitismus und legitimer Israelkritik unterschieden werden.

Debatte nach Wahlparty

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus war die Linke mit deutlichem Abstand stärkste Kraft geworden. Sie will eine Koalition mit Grünen und SPD schmieden. Teile der Partei stehen wegen ihrer Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus bereits seit längerem in der Kritik.

Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte eine Wahlparty des Linke-Kreisverbands Neukölln am Wahlabend. Dort waren neben einer bekannten Clan-Größe auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend. Daraufhin gab es Warnungen vor einem Einzug der Partei ins Rote Rathaus.

Eralp spricht von Stimmungsmache

Eralp bezeichnete die Vorwürfe als undifferenzierte Kritik mit „zerstörender Dimension“. Während eine faschistische Partei in Sachsen-Anhalt an die Macht zu kommen drohe, versuchten manche, eine demokratische Partei mit sozialer Gerechtigkeit, Vielfalt und Demokratie durch Stimmungsmache am Regieren zu hindern. Das werde keinen Erfolg haben, sagte sie.

Regierungsbildung unter Beobachtung

Der Wahlsieg der Berliner Linken hat die Frage nach ihrer Regierungsfähigkeit unmittelbar mit der Debatte über Antisemitismus verknüpft. Die Partei will mit Grünen und SPD über eine Koalition sondieren; damit werden innerparteiliche Vorgänge zu einer konkreten Bedingung für die Bildung einer Landesregierung.

Im Mittelpunkt stehen Vorfälle im Umfeld des Wahlkampfs und der Neuköllner Wahlparty. Hinzu kommen ältere Konflikte im Berliner Landesverband: Bereits zuvor war ein Antrag gegen linken Antisemitismus umstritten, und prominente Mitglieder verließen die Partei. Die aktuelle Diskussion betrifft deshalb nicht nur einzelne Äußerungen, sondern auch die Frage, ob die Parteiführung wirksame Grenzen und Konsequenzen durchsetzen kann.

Abgrenzung und politische Folgen

Die Linke bekennt sich nach der Meldung zum Schutz jüdischen Lebens sowie zum Existenzrecht Israels und Palästinas. Zugleich verlangt sie eine Unterscheidung zwischen Antisemitismus und zulässiger Kritik an israelischer Regierungspolitik. Politisch entscheidend wird sein, wie diese Grundsätze bei Veranstaltungen, Personalentscheidungen und im Umgang mit umstrittenen Unterstützern umgesetzt werden.

Für die Koalitionsverhandlungen dürfte die Glaubwürdigkeit dieser Abgrenzung eine zentrale Rolle spielen. Sie betrifft sowohl das Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen in Berlin als auch das Vertrauen möglicher Partner und Wähler in die künftige Regierung. Die Debatte kann damit die Zusammensetzung des Senats ebenso beeinflussen wie den inneren Kurs der Berliner Linken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Berliner Linke weist Antisemitismusvorwürfe zurück“ (25.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, Kerstin Wolter räume Fehler Einzelner ein, sehe darin aber kein strukturelles Problem der Partei. Zugleich stelle er heraus, dass die Debatte die Regierungsbildung belaste und Wolter für Sondierungsgespräche werbe. Damit bestätige der Beitrag die Selbstkritik der Parteispitze, setze aber einen stärkeren Schwerpunkt auf die politischen Folgen.

n-tv: „Wo beginnt Antisemitismus? Was die Debatte um die Berliner Linke so kompliziert macht“ (24.09.2026)

Der Artikel ordne die Vorwürfe anhand der unterschiedlichen Antisemitismus-Definitionen und der Parteibeschlüsse zum Nahostkonflikt ein. Er bestätige die Vorgänge im Umfeld der Neuköllner Wahlparty, betone jedoch stärker den Streit über die Grenze zwischen Israelkritik und israelbezogenem Antisemitismus. Offen bleibe nach Darstellung des Berichts, ob die programmatischen Bekenntnisse der Linken in der Praxis durch ausreichende Konsequenzen gestützt würden.

Beide Beiträge bestätigten die Zurückweisung der Vorwürfe durch die Parteiführung und die Belastung der anstehenden Regierungsbildung. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Der Deutschlandfunk betone Wolters politische Linie, während n-tv die begrifflichen und programmatischen Grundlagen der Auseinandersetzung erläutere.

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