Olympia-Bewerbung Berlin zurückgezogen: Nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr im Rennen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerlin hat seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zurückgezogen.
Rückzug vor der DOSB-Entscheidung
Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) machte die Entscheidung im Roten Rathaus gemeinsam mit Sportsenatorin Iris Spranger und dem Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand offiziell. Wegner sprach von einem traurigen Tag und bezeichnete mögliche Spiele als große Chance für Berlin und Ostdeutschland.
Die Hauptstadt zog sich zwei Tage vor der Entscheidung über den deutschen Kandidaten zurück. Niroomand begründete den Schritt vor allem mit der fehlenden politischen Stabilität nach der Abgeordnetenhauswahl. Berlin habe eine Niederlage mit einer einstelligen Stimmenzahl bei der Abstimmung in Baden-Baden vermeiden wollen.
Nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr im Rennen
Mit dem Rückzug ist die Bewerbung „Berlin+“ vom Tisch. Das Konzept sah gemeinsame Spiele mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern vor. Als Bewerber verbleiben München und Köln-Rhein-Ruhr.
Wegner sprach keine Wahlempfehlung für einen der beiden Konkurrenten aus. Er äußerte jedoch Sympathie für das Modell aus Nordrhein-Westfalen, weil es Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern einbeziehe. Die Berliner Delegation werde trotzdem zur DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag nach Baden-Baden reisen.
Streit über politische Unterstützung
Die Berliner Verantwortlichen machten die neue politische Lage nach der Wahl zum Hauptgrund für das Scheitern. Der schwarz-rote Senat wurde abgewählt. Elif Eralp (Linke), die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt die Bewerbung ab und hatte den Prozess sowie die Kosten kritisiert.
Niroomand warf Eralp vor, sich nach der Wahl nicht ausreichend aus dem Verfahren herausgehalten zu haben. Er sagte, er habe keine Änderung ihrer Position verlangt, sich aber mehr Respekt vor der bisherigen Arbeit und der Abstimmung gewünscht.
Fehlendes Bürgervotum als Schwachpunkt
Nach Darstellung der Berliner Planer lag das Problem nicht am Konzept selbst. Bei der Bewertung durch die DOSB-Prüfer schnitt Berlin jedoch vor allem wegen des fehlenden Bürgerentscheids schlechter ab. Für eine entsprechende Abstimmung wäre eine Änderung der Berliner Verfassung notwendig gewesen.
Umfragen hatten zuletzt mehrheitlich Zustimmung zu einer Bewerbung gezeigt. Gleichzeitig formierte sich Widerstand von NOlympia, und das Thema spielte im Wahlkampf nur eine geringe Rolle.
Sechs Millionen Euro eingeplant
Für die Bewerbung standen sechs Millionen Euro zur Verfügung. Eine Million Euro floss nach Niroomands Angaben in die Entwicklung des Konzepts; von fünf Millionen aus dem Budget der Innensenatorin werde knapp eine Million zurückgegeben.
Befürworter hatten mit Investitionen, Einnahmen für die Wirtschaft und einem Imagegewinn argumentiert. Kritiker warnten vor Milliardenausgaben. Trotz des Rückzugs wollen sich die Berliner Verantwortlichen weiter dafür einsetzen, dass Olympische Spiele nach Deutschland kommen.
Politischer Einschnitt nach der Wahl
Der Rückzug fällt unmittelbar in eine Phase des politischen Wechsels in Berlin. Der bisherige schwarz-rote Senat, der die Bewerbung vorangetrieben hatte, wurde bei der Abgeordnetenhauswahl abgewählt. Die designierte politische Mehrheit aus Linken und Grünen hatte das Olympia-Projekt zuvor kritisch gesehen. Damit fehlte der Bewerbung kurz vor der DOSB-Entscheidung die politische Stabilität, die die Verbände als wesentliche Voraussetzung bewertet hatten.
Hinzu kam das schwache Abschneiden in der DOSB-Evaluierung. München erreichte 87,03 von 100 Punkten, Köln-Rhein-Ruhr 85,02 und Berlin 74,6 Punkte. Besonders problematisch war für Berlin der fehlende Bürgerentscheid. Die Hauptstadt konnte deshalb weniger überzeugend als die Konkurrenz darlegen, dass die Bevölkerung das Vorhaben verbindlich trägt.
Folgen für die deutsche Olympia-Bewerbung
Mit dem Rückzug konzentriert sich die Auswahl am Samstag in Baden-Baden auf München und Köln-Rhein-Ruhr. Berlins Konzept „Berlin+“ hätte Spiele nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern vorgesehen. Der Rückzug beendet damit zugleich den Versuch, eine deutsche Bewerbung mit einem besonders breiten ostdeutschen Schwerpunkt zu verbinden.
Finanziell bleiben die unmittelbaren Kosten begrenzt: Von den sechs Millionen Euro für die Bewerbung soll ein Teil nicht ausgegeben werden. Politisch dürfte die Debatte dennoch fortwirken. Befürworter verweisen auf Investitionen, Infrastruktur und internationale Aufmerksamkeit, Kritiker auf mögliche Milliardenausgaben und dringendere Aufgaben. Für die Berlinerinnen und Berliner ist damit vor allem die Frage offen, ob und wie geplante Sport- und Infrastrukturprojekte unabhängig von Olympia weiterverfolgt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: „Berlin verabschiedet sich offiziell von der Olympia-Bewerbung“ (24.09.2026)
Der MDR bestätige den offiziellen Rückzug der Bewerbung „Berlin+“ und hebe hervor, dass am Samstag nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr zur Auswahl stünden. Anders als die dpa-Meldung betone der Bericht zusätzlich, Leipzig bleibe über den Kanupark Markkleeberg Bestandteil des Kölner Konzepts und habe damit weiter Chancen auf Olympia.
tagesschau.de: „Berlin zieht Olympia-Bewerbung zurück“ (23.09.2026)
Der Bericht habe den Rückzug zunächst als bevorstehende Entscheidung dargestellt und den Schwerpunkt auf das schwache DOSB-Evaluierungsergebnis sowie die politische Entwicklung nach der Abgeordnetenhauswahl gelegt. Damit bestätige er die zentralen Gründe der dpa-Meldung, behandle die am Folgetag offiziell verkündete Entscheidung jedoch noch aus der Perspektive der Vorabinformationen.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den Rückzug und den nun verbleibenden Zweikampf zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung der politischen Folgen, des Evaluierungsergebnisses und der regionalen Rolle Leipzigs.
