Berlin-Wahlparty Linke Neukölln: Partei distanziert sich von Clan-Mitglied Issa Remmo
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Besuch eines bekannten Clan-Mitglieds auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln hat der Bezirksverband jede Nähe zu der Person zurückgewiesen.
Linke stellt Klarheit über Verhältnis zu Besucher her
Die Linke in Berlin-Neukölln teilte mit, es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu dem Mann, der auf der Wahlparty erschienen war. Die Veranstaltung sei als öffentliche Feier angelegt gewesen, zu der auch nicht geladene Personen Zugang gehabt hätten, erklärte Bezirksvorstandsmitglied Jorinde Schulz laut Mitteilung.
Nach ihren Angaben war den Verantwortlichen die Person sowie deren Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie tauchte nicht auf der Anmeldeliste der Partei auf. Der Besuch habe an der fehlenden Verbindung zur Linken "selbstverständlich nichts geändert", betonte Schulz.
Wegner kritisiert Signalwirkung des Auftritts
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorfall. Auf der Plattform X schrieb er, der Auftritt von Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken sei ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für die Hauptstadt übernehmen wolle, müsse unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben dürfe, die zur organisierten Kriminalität gehörten.
Berichte anderer Medien über den Vorfall
Mehrere Medien hatten zuvor über den Besuch des bekannten Clan-Mitglieds auf der Wahlparty in Neukölln berichtet. Die Linke in dem Bezirk sieht den Fall damit als abgeschlossen und verweist auf den öffentlichen Charakter der Feier und die eindeutige Distanzierung von der betreffenden Person.
Clans, Politik und öffentliche Räume
Der Vorfall in Berlin-Neukölln berührt zwei sensible Themen zugleich: den Umgang mit organisierter Kriminalität und die Offenheit politischer Veranstaltungen. Wahlpartys von Parteien sind in der Regel öffentlich oder halböffentlich, um Bürgerinnen und Bürger niedrigschwellig an Politik heranzuführen. Das bedeutet zugleich, dass Veranstalter den Zugang rechtlich nur begrenzt steuern können und ungebetene Gäste nicht vollständig verhindern.
Die Debatte entzündet sich daran, dass es sich bei dem Besucher um ein bundesweit bekanntes Mitglied eines arabischstämmigen Familienclans handelt, denen die Sicherheitsbehörden schwere Straftaten und Strukturen organisierter Kriminalität zuschreiben. In Berlin stehen insbesondere Clan-Strukturen seit Jahren im Fokus von Polizei, Justiz und Innenpolitik. Razzien, Vermögensabschöpfungen und Schwerpunktverfahren sollen Gewinne aus Kriminalität abschöpfen und Machtpositionen dieser Gruppen schwächen. Vor diesem Hintergrund wird jedes sichtbare Auftreten solcher Akteure im politischen Umfeld besonders kritisch betrachtet.
Signalwirkung und politische Verantwortung
Die Linke in Neukölln betont in ihrer Stellungnahme, dass keine persönlichen oder politischen Beziehungen zu der Person bestehen und der Besuch den Charakter der Veranstaltung nicht verändert habe. Damit grenzt sich die Partei klar von kriminellen Strukturen ab und macht deutlich, dass die Anwesenheit eines Einzelnen auf einer offenen Wahlparty nicht als Nähe oder Kooperation zu werten sei. Zugleich zeigt die Intervention des Regierenden Bürgermeisters, wie stark Symbolik im politischen Raum wirkt: Die bloße Anwesenheit eines Clan-Mitglieds auf einer Parteiveranstaltung kann als problematisches Signal wahrgenommen werden, das entschiedener Klarstellung bedarf.
Für Leserinnen und Leser macht der Vorgang sichtbar, wie eng Fragen von Sicherheit, Kriminalitätsbekämpfung und politischer Kultur inzwischen miteinander verknüpft sind. Parteien stehen unter Druck, sich gegenüber kriminellen Milieus eindeutig zu positionieren, ohne den offenen Charakter demokratischer Veranstaltungen grundsätzlich infrage zu stellen. Der Streit um die Bewertung dieses Besuchs dürfte daher auch in kommenden Debatten über Sicherheitspolitik und den Umgang mit Clan-Strukturen eine Rolle spielen.
