Berlin-Wahl: Ramelow fordert Linke zu Aufklärung auf
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLinken-Politiker und Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow fordert seine Partei nach den Vorfällen rund um die Wahl in Berlin zu umfassender Aufklärung auf. Er bezieht sich dabei auf den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak sowie auf die Auftritte von Issa Remmo und Ibrahim Ibrahim bei einer Wahlparty.
Ramelow verlangt Klarheit zu Wahlparty
„Nichts, was man unter den Teppich kehrt, verschwindet“, sagte Ramelow dem Nachrichtenportal T-Online. Der Besuch des Clan-Chefs Remmo sei zwar problematisch gewesen, er sei bei der Wahlparty jedoch hinausgeworfen worden.
Mehr störe ihn, dass Ibrahim Ibrahim, den Ramelow als israelfeindlichen Aktivisten bezeichnete, bei der Veranstaltung anwesend gewesen sei und Fotos gemacht habe. In diesem Zusammenhang müsse „Klarheit hergestellt werden“, sagte der Bundestagsvizepräsident.
Kritik an Umgang mit eigener Position
Ramelow beklagte außerdem, in seiner Partei als Zionist beschimpft zu werden. „Als wäre Zionist ein Schimpfwort“, sagte er und forderte von der Linken mehr Solidarität.
Gleichzeitig sprach Ramelow von einer „Kampagne“ gegen die Partei nach ihrem Wahlsieg in Berlin. Er verwies auf eigene Erfahrungen nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten und stellte sich hinter die Spitzenkandidatin Elif Eralp.
Linke sieht Chance in Berlin
Die Linke habe in Berlin eine Chance wie niemals zuvor, sagte Ramelow. Der politische Prozess werde lang und schwierig; er könne nur mit viel Kommunikation gelingen, wobei er Eralp diese Fähigkeit zuschrieb.
Ramelows Forderung fällt in eine Phase, in der die Berliner Linke nach ihrem Wahlerfolg über eine mögliche Regierungsbildung mit SPD und Grünen verhandeln will. Die Partei wurde bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus stärkste Kraft und tritt damit erstmals mit dem Anspruch an, die Regierende Bürgermeisterin zu stellen.
Die Debatte hat dabei zwei Ebenen. Zum einen geht es um den Umgang mit Kontakten zu Personen aus dem Clan-Milieu und um die politische Verantwortung von Ferat Koçak. Zum anderen berührt sie den innerparteilichen Streit über Antisemitismus, Israel und den Umgang mit pro-palästinensischen Aktivisten. Ramelow verlangt in diesem Umfeld ausdrücklich Transparenz und Rückhalt für seine eigene Position.
Regierungsbildung unter Beobachtung
Die Vorgänge haben Bedeutung über die betroffenen Personen hinaus. Koçaks angekündigter Rückzug aus dem Bundestags-Innenausschuss zeigt, dass persönliche Kontakte inzwischen auch parlamentarische Konsequenzen haben. Zugleich wird die Berliner Linke bei möglichen Sondierungen daran gemessen werden, wie klar sie ihre Maßstäbe zu organisierter Kriminalität, Antisemitismus und dem Schutz jüdischen Lebens formuliert.
Auch außerhalb Berlins ist die Entwicklung politisch relevant: Unionsgeführte Länder haben bereits finanzielle Konsequenzen für den Fall einer von der Linken geführten Landesregierung angedeutet. Damit verbindet sich die innerparteiliche Aufarbeitung mit den praktischen Fragen einer Regierungsbildung und der Finanzierung der Hauptstadt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
rbb24: „Linke-Politiker Ferat Kocak gibt Sitz im Bundestags-Innenausschuss auf“ (30.09.2026)
Der Beitrag bestätigt den politischen Druck auf Ferat Koçak und beschreibt seinen endgültigen Rückzug aus dem Innenausschuss. Im Mittelpunkt stehen seine Kontakte zur Familie Remmo, ein Chatverlauf und ein Foto mit Ibrahim Ibrahim; der Artikel ordnet zugleich die Kritik am Begriff „Clankriminalität“ ein.
Der Deutschlandfunk richtet den Schwerpunkt auf die möglichen Folgen für die Hauptstadtfinanzierung und die anstehenden Gespräche von Linken, SPD und Grünen. Bestätigt wird der politische Kontext der Wahlparty; offen bleibt, ob die angedrohten finanziellen Schritte tatsächlich eingeleitet werden.
Beide Beiträge verbinden die Personaldebatte um Koçak mit der Regierungsbildung in Berlin. Unterschiede liegen beim Fokus: Während rbb24 die parlamentarischen Konsequenzen detailliert darstellt, rückt der Deutschlandfunk die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Berlin, Bund und Ländern in den Vordergrund.
