Berlin-Wahl: Linke will mit Grünen und SPD regieren und setzt auf Vergesellschaftung
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 19:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Linke will nach ihrem Wahlsieg in Berlin eine Koalition mit Grünen und SPD schmieden und drängt dabei auf Gespräche über ihre wohnungspolitischen Kernforderungen.
Sondierungen nach dem Wahlsieg
Der geschäftsführende Landesvorstand habe empfohlen, beiden Parteien Sondierungsgespräche anzubieten, sagte Spitzenkandidatin Elif Eralp. Am Abend beriet der erweiterte Landesvorstand über das Vorgehen, am Freitag sollte ein Parteitag folgen. Eralp rechnet mit einem klaren Mandat für Gespräche über eine neue Regierung.
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Dahinter folgten CDU, AfD, Grüne und SPD. Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition verlor damit ihre Mehrheit, möglich sind nun Dreierbündnisse mit der Linken oder mit CDU, Grünen und SPD.
Vergesellschaftung als Kernforderung
In möglichen Koalitionsverhandlungen will Eralp die Enteignung von Wohnungskonzernen gegen Entschädigung in den Mittelpunkt stellen. Sie verwies auf den Volksentscheid von 2021 und bezeichnete Vergesellschaftung als Instrument gegen die Mietenkrise und Spekulation mit Wohnraum.
SPD und Grüne hätten sich in der Vergangenheit für Vergesellschaftung ausgesprochen, sagte Eralp. Zugleich kündigte sie an, in den Verhandlungen Kompromisse eingehen zu müssen. Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte Enteignungen abgelehnt.
Belastete Gespräche
Die Regierungsbildung dürfte für die Linke dennoch schwierig werden. Nach Vorfällen auf Linken-Wahlpartys verlangten Grüne und SPD ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus, bevor es zu einer engeren Zusammenarbeit kommt.
Eralp und die Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner distanzierten sich von den Vorfällen. Eralp sprach von einem Schutzversprechen für jüdisches Leben und für alle Menschen in der Stadt. Krach kritisierte zugleich den Besuch eines Clan-Oberhauptes auf der Wahlparty und kündigte sachbezogene Gespräche über eine mögliche Koalition an.
Regierungsbildung unter Druck
Der Berliner Wahlsieg der Linken verschiebt die Machtfrage im Rathaus deutlich nach links, löst das Regierungsproblem aber nicht automatisch. Mit Grünen und SPD wäre rechnerisch ein Bündnis möglich, zugleich hängt die Kooperation am Umgang mit der Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen und an der Abgrenzung von antisemitischen Grenzüberschreitungen.
Gerade in Berlin hat das Thema Mieten seit Jahren hohe politische Sprengkraft. Die Stadt gehört zu den deutschen Wohnungsmärkten mit besonders starkem Druck, hohe Nachfrage, knapper Neubau und steigende Belastungen für Mieter prägen den Alltag vieler Haushalte. Dass die Linke dieses Feld nun mit einem klaren Mandat bespielt, erhöht den Druck auf mögliche Partner, sich dazu nicht nur allgemein, sondern mit konkreten Linien zu positionieren.
Signalwirkung über Berlin hinaus
Für SPD und Grüne ist die Lage doppelt heikel. Einerseits können sie die neue Mehrheitsoption mittragen und damit eine handlungsfähige Regierung ermöglichen. Andererseits müssen sie vor ihren eigenen Wählerinnen und Wählern erklären, wie weit sie bei Enteignung, Haushalt und innerer Sicherheit mitgehen wollen.
Auch bundespolitisch hat das Ergebnis Gewicht. Ein linker Erfolg in der Hauptstadt würde Debatten über den Kurs der Opposition, über die soziale Frage und über die Grenzen rot-grüner Koalitionen neu anheizen. Für die Berlinerinnen und Berliner entscheidet sich in den kommenden Gesprächen vor allem, ob aus dem Protest gegen hohe Mieten tatsächlich ein regierungsfähiges Projekt wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht hebe hervor, dass die Linke die Vorwürfe gegen sich zurückweise und zugleich eine klare rote Linie gegen antisemitische Positionen ziehe. Zugleich betone er stärker als die dpa-Meldung den Druck des Zentralrats der Juden und die Forderung der Grünen nach einer harten innerparteilichen Klärung.
Der Liveblog bestätige den Wahlausgang und rücke die Debatte um Antisemitismus sowie die Krise der SPD stärker in den Vordergrund. Im Unterschied zur dpa-Meldung setze er zudem Akzente auf innerparteiliche Konsequenzen bei SPD und Linker und ordne mehrere Reaktionen aus Berliner Landespolitik und Bund ein.
FR: „Linke gewinnt Berlin-Wahl: Konflikt mit Bund zeichnet sich wegen Enteignungsplänen ab“ (21.09.2026)
Der Bericht bestätige den Wahlsieg der Linken und stelle die möglichen Konflikte über Enteignungspläne und eine Dreierkoalition besonders heraus. Anders als die dpa-Meldung fokussiere er stärker die bundespolitische Sprengkraft des Ergebnisses und die Frage, wie weit die Linke ihre Ankündigungen in Verhandlungen tragen kann.
Medienübergreifend sei klar, dass der Wahlsieg der Linken die Regierungsbildung eröffnet, aber nicht vereinfacht. Offen bleibe vor allem, wie SPD und Grüne die Fragen zu Antisemitismus, Vergesellschaftung und politischer Verlässlichkeit gewichten und ob daraus ein tragfähiges Bündnis entsteht.
