Berlin-Wahl 2026, Berliner Linke

Berlin-Wahl: Linke lädt Grüne und SPD zu Vorgesprächen ein

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 11:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem Wahlsieg lädt die Berliner Linke Grüne und SPD zu Vorgesprächen über eine mögliche Regierungsbildung ein. Die eigentlichen Sondierungen könnten in der kommenden Woche beginnen, wenn der Parteitag dem Vorhaben zustimmt.

Linke Spitzenkandidatin Elif Eralp könnte die nächste Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
Linke Spitzenkandidatin Elif Eralp könnte die nächste Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Die Berliner Linke will nach ihrem Wahlsieg Grüne und SPD noch in dieser Woche zu Vorgesprächen über eine mögliche Koalition einladen.

Parteitag soll Sondierungen billigen

Der Landesvorstand sprach sich für Sondierungsgespräche mit beiden Parteien aus. Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer kündigten an, dem für Freitag geplanten Parteitag einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen.

Konkrete Termine oder weitere Einzelheiten zu den Vorgesprächen nannten die Parteichefs zunächst nicht. Die eigentlichen Sondierungen zur Vorbereitung möglicher Koalitionsverhandlungen könnten nach ihren Angaben in der kommenden Woche beginnen.

Eralp soll Verhandlungsteam führen

Die Delegierten sollen zugleich die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und das Sondierungsteam mit einem klaren Mandat ausstatten. Die Parteiführung zeigte sich überzeugt, dass der Parteitag dem Vorschlag zustimmen werde.

„Die Berlinerinnen und Berliner haben sich am Sonntag für ein neues Kapitel für unsere Stadt entschieden“, erklärten Wolter und Schirmer. Den Regierungsauftrag nehme die Partei „voller Demut und Vorfreude“ an.

Linke stärkste Kraft

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am Sonntag erreichte die Linke 25,7 Prozent und wurde damit klar stärkste Kraft. Mit Elif Eralp könnte die Partei erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen.

Dreierbündnis ist rechnerisch nötig

Das Wahlergebnis hat die Berliner Regierungsbildung auf ein Bündnis aus drei Parteien zugespitzt. CDU und SPD, die bislang gemeinsam regierten, verfügen nicht mehr über eine Mehrheit. Rechnerisch möglich sind vor allem ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD unter Führung der Linken oder eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD.

Ein Linksbündnis hätte nach den vorläufigen Sitzberechnungen eine deutlich größere parlamentarische Basis. Für die Linke spricht zudem, dass sie mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus geworden ist. Die Grünen haben sich grundsätzlich offen für ein progressives Bündnis gezeigt, während die SPD nach ihrem historischen Tief zwischen zwei Optionen steht.

Streitpunkte bei den Gesprächen

Inhaltlich dürften vor allem die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne und der Umgang mit Antisemitismusvorwürfen innerhalb der Berliner Linken die Gespräche prägen. Die Vergesellschaftung war ein zentrales Wahlkampfthema der Linken und geht auf den Berliner Volksentscheid von 2021 zurück. Die SPD hat sich dazu zurückhaltend bis ablehnend positioniert, während die Grünen dem Anliegen grundsätzlich offener gegenüberstehen.

Für die Berlinerinnen und Berliner ist entscheidend, ob die Parteien bei Mieten, Wohnungsbau, Verwaltung und Sicherheit gemeinsame Vorhaben formulieren können. Die eingeladenen Vorgespräche sind zunächst kein Koalitionsabschluss, sondern sollen die Grundlage für formelle Sondierungen schaffen. Über ein mögliches Regierungsbündnis dürfte damit erst nach dem Parteitag der Linken und den anschließenden Gesprächen Klarheit entstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Vorläufiges Endergebnis in Berlin: Linke erstmals stärkste Kraft – SPD mit historischem Tief“ (21.09.2026)

Der Bericht bestätige den Wahlsieg der Linken und ordne ein, dass ein Bündnis mit Grünen und SPD rechnerisch auf eine Mehrheit komme. Er hebe zugleich die politischen Konfliktpunkte Vergesellschaftung und Antisemitismus hervor und lasse offen, ob Elif Eralp die erforderlichen Partner für eine Regierungsbildung gewinnen könne.

n-tv: „Elif Eralp holt Sensationssieg - und muss drei Hürden überwinden“ (20.09.2026)

Der Artikel bestätige, dass die Gespräche mit SPD und Grünen über Eralps Weg ins Rote Rathaus entscheiden könnten. Als besondere Hürden benenne er die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen, Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Linken und die Frage, ob die eigene Partei eine Regierungsbeteiligung mittrage.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass die Linke als Wahlsiegerin auf ein Dreierbündnis angewiesen sei; während der Tagesspiegel stärker die rechnerischen Mehrheiten und die Positionen der Parteien darstelle, konzentriere sich n-tv auf die politischen und innerparteilichen Hindernisse.

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