Berlin-Wahl 2026, Linke

Berlin-Wahl: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 20:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Berliner Linke hat Grüne und SPD nach ihrem Wahlsieg offiziell zu Sondierungsgesprächen eingeladen. Ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis steht vor Konflikten über Antisemitismus, Kontakte ins Clan-Milieu und die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne.

Linke-Fraktionschefin Elif Eralp (li.) will Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Linke-Fraktionschefin Elif Eralp (li.) will Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Die Berliner Linke hat nach ihrem Wahlsieg Grüne und SPD zu Sondierungsgesprächen über eine mögliche Regierungsbildung eingeladen.

Parteitag stimmt für Sondierungen

Die Delegierten beschlossen den Schritt am Freitagabend mit breiter Mehrheit. Geprüft werden soll, ob die politischen Voraussetzungen für Koalitionsverhandlungen vorhanden sind. Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte, die Partei trage eine große Verantwortung und wolle diese wahrnehmen.

Die Gespräche sollen im Verlauf der kommenden Woche beginnen. Zunächst will die Linke getrennt mit Grünen und SPD sprechen, anschließend ist ein Dreierformat vorgesehen.

Grüne und SPD zeigen Bereitschaft

Der Landesvorstand der Grünen beschloss, in Sondierungen zu gehen. Die Parteichefs Nina Stahr und Philmon Ghirmai erklärten, die Grünen seien bereit, möglichst bald in Verhandlungen einzusteigen, verwiesen aber zugleich auf die Verantwortung, eine stabile Regierung zu bilden.

Auch SPD-Chef Steffen Krach hatte sich grundsätzlich offen gezeigt. Einen Automatismus hin zu Koalitionsverhandlungen gebe es jedoch nicht. Die stellvertretende Landesvorsitzende Cansel Kiziltepe sprach sich hingegen für ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD aus.

Antisemitismus belastet mögliche Koalition

Überschattet wird der Prozess von der Debatte über Antisemitismus und Kontakte ins Clan-Milieu. Grüne und SPD fordern von der Linken Klarstellungen zum Schutz jüdischen Lebens und zu einer entschiedenen Abgrenzung von Antisemitismus.

Eralp sagte, jüdische Menschen müssten sich in Berlin sicher fühlen, und kündigte an, jüdisches Leben zu stärken sowie Antisemitismus zu bekämpfen. Gewaltaufrufe und Aussagen, die jüdischen Menschen Angst machten, seien inakzeptabel. Landesvorsitzende Kerstin Wolter räumte Fehler der Partei ein und kündigte Aufklärung an.

Streit über Wohnungspolitik

Ein weiterer Konflikt betrifft die Forderung der Linken, große Wohnungskonzerne gegen Entschädigung zu enteignen. Ziel ist es, 220.000 Wohnungen zusätzlich in kommunale Hand zu überführen. Die Grünen unterstützen den Plan, SPD-Chef Krach lehnt ihn ab.

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus erreichte die Linke 25,7 Prozent. Es folgten CDU mit 18,8, AfD mit 16,3, Grüne mit 14,3 und SPD mit 12,1 Prozent. Neben einem Bündnis aus Linke, Grünen und SPD wäre rechnerisch auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich.

Mehrheitsverhältnisse und nächste Schritte

Die Linke verfügt nach dem Wahlergebnis über die stärkste Position, kann aber nicht allein regieren. Ein Bündnis mit Grünen und SPD hätte rechnerisch eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Die nun beschlossenen Sondierungen dienen zunächst dazu, zentrale Konfliktpunkte und die Bereitschaft zu formellen Koalitionsverhandlungen auszuloten.

Besonders anspruchsvoll dürfte der Umgang mit Antisemitismusvorwürfen und Kontakten ins Clan-Milieu werden. Grüne und SPD knüpfen ihre Gesprächsbereitschaft an klare politische Abgrenzungen. Damit wird die Regierungsbildung nicht nur von gemeinsamen sozialpolitischen Zielen, sondern auch von Vertrauensfragen und verbindlichen innerparteilichen Konsequenzen abhängen.

Wohnungspolitik als zweiter Hauptkonflikt

Inhaltlich steht zudem die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne im Mittelpunkt. Die Linke und die Grünen unterstützen die Umsetzung des Berliner Volksentscheids von 2021, während SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach Enteignungen ablehnt. Der Streit betrifft damit ein Vorhaben, das unmittelbar Mieten, Eigentumsverhältnisse und den kommunalen Wohnungsbestand berühren würde.

Bedeutung für Berlin

Für die Berlinerinnen und Berliner wird entscheidend sein, ob die Parteien aus den Sondierungen konkrete Vereinbarungen zu Sicherheit, dem Schutz jüdischen und queeren Lebens, Wohnen und Verwaltung ableiten. Scheitert ein Bündnis unter Führung der Linken, bliebe rechnerisch auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich, die derzeit jedoch als weniger wahrscheinlich gilt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Berlin Linke stimmt für Gespräche mit Grünen und SPD“ (25.09.2026)

Der Bericht bestätige die breite Zustimmung des Parteitags zu Sondierungen mit Grünen und SPD und ordne die Gespräche als noch nicht entschiedene Vorstufe zu Koalitionsverhandlungen ein. Er hebe zusätzlich das bereits zusammengestellte grüne Sondierungsteam, die Bedingungen der möglichen Partner sowie den Streit über Antisemitismus und die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne hervor.

FOCUS online: „Knall-linke Regierungen geben einen ‚Vorgeschmack‘ für Deutschland“ (24.09.2026)

Der Beitrag stelle die mögliche Berliner Koalition in einen überregionalen Zusammenhang und werte sie als möglichen Test für linke Mehrheiten jenseits der Union. Anders als der aktuelle Vorgang richte sich der Schwerpunkt auf langfristige bundespolitische Folgen und die programmatischen Unterschiede zwischen Landes- und Bundesebene, insbesondere bei Außen- und Sicherheitspolitik.

Beide Berichte bestätigten, dass die Sondierungen beginnen sollen; während der erste die unmittelbaren Berliner Verhandlungen und ihre Bedingungen betone, konzentriere sich der zweite auf die politische Signalwirkung und die offenen programmatischen Grenzen eines rot-grün-roten Bündnisses.

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