Berlin-Umfrage: Linke steigt auf 21 Prozent und überholt CDU
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Linke liegt zehn Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus in einer aktuellen Infratest-Umfrage wieder an erster Stelle. In der für die ARD erhobenen Wählerbefragung erreicht die Partei 21 Prozent und überholt damit die bislang stärkste CDU.
Parteienstärken und Vergleich zur letzten Wahl
Nach den Ergebnissen der Erhebung käme die CDU derzeit auf 20 Prozent, ein Punkt weniger als in der Vorwoche und deutlich unter ihrem Ergebnis von 28,2 Prozent bei der Wahl 2023. Die SPD liegt bei 12 Prozent und verbessert sich im Wochenvergleich leicht, bleibt aber klar hinter ihrem damaligen Wert von 18,4 Prozent zurück. Die Grünen könnten aktuell mit 16 Prozent rechnen und verlieren damit zwei Punkte gegenüber der Vorwoche sowie im Vergleich zu den 18,4 Prozent von 2023.
Die Linke steigert sich in der Umfrage auf 21 Prozent und liegt damit rund neun Punkte über ihrem Ergebnis von 12,2 Prozent bei der vergangenen Abgeordnetenhauswahl. Die AfD kommt unverändert zur Vorwoche auf 18 Prozent und liegt damit deutlich über den 9,1 Prozent von 2023.
BSW und kleinere Parteien
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das erstmals zu einer Berliner Abgeordnetenhauswahl antritt, erreicht in der Infratest-Erhebung wie schon in der Vorwoche 4 Prozent und bleibt damit knapp unterhalb der Mandatsschwelle. Alle übrigen Parteien zusammen kommen auf 9 Prozent, darunter die FDP, die bei der Wahl 2023 noch 4,6 Prozent erzielen konnte.
Stabilität der Wahlentscheidung
Laut Umfrage ist die Wahlentscheidung vieler Berlinerinnen und Berliner noch nicht endgültig. Jeder sechste Wahlberechtigte, insgesamt 16 Prozent, gibt an, dass sich die eigene Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Für rund zwei Drittel der Befragten, konkret 68 Prozent, steht die Entscheidung nach eigener Aussage bereits fest.
Ein weiteres Sechstel der Wahlberechtigten, ebenfalls 16 Prozent, tendiert zur Nichtwahl oder zeigt bislang keine erkennbare Neigung zu einer bestimmten Partei. Damit bleibt ein relevanter Anteil der Stimmen potenziell ungebunden und kann das Ergebnis am Wahltag noch beeinflussen.
Präferenzen für die Führung des Senats
In einem speziellen Szenario wurden die Befragten nach ihrer Präferenz für die Führung des Berliner Senats gefragt. Würden sie sich zwischen einem CDU-geführten, einem Grünen-geführten und einem Linken-geführten Senat entscheiden, spräche sich eine relative Mehrheit von 34 Prozent für einen weiterhin CDU-geführten Senat aus. 28 Prozent bevorzugten einen Senat unter Führung der Linken, während 19 Prozent einen Grünen-geführten Senat vorziehen würden.
Müssten sich die Wahlberechtigten ausschließlich zwischen einem CDU- und einem Linken-geführten Senat entscheiden, ergäbe sich ein Gleichstand: Jeweils 42 Prozent der Befragten würden einen von der CDU geführten beziehungsweise einen von der Linken geführten Senat wählen.
Unterstützung aus den Parteianhängerschaften
Für eine Führung durch die CDU sprechen sich in dieser Frage neben den eigenen Anhängern auch jeweils mit leichter Mehrheit die Anhänger der AfD und der SPD aus. Ein Senat unter Führung der Linken findet neben den eigenen Anhängern vor allem bei den Anhängern der Grünen mehrheitliche Unterstützung.
Bewertung der Spitzenkandidaten
Die Umfrage erfasst auch die Zufriedenheit mit den Spitzenkandidaten der wichtigsten Parteien und deren Eignung als mögliche Regierende Bürgermeisterin oder möglicher Regierender Bürgermeister. Mit der Arbeit von Elif Eralp von der Linken ist jeder Fünfte, also 20 Prozent der Befragten, sehr zufrieden oder zufrieden. 26 Prozent sind mit ihr weniger oder gar nicht zufrieden.
CDU-Spitzenkandidat und Finanz- sowie Kultursenator Stefan Evers erreicht 18 Prozent Zufriedenheit, während 28 Prozent eher unzufrieden mit seiner Arbeit sind. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kommt auf 16 Prozent Zufriedenheit und ebenfalls 28 Prozent Unzufriedenheit. Mit Werner Graf von den Grünen sind 10 Prozent zufrieden und 20 Prozent unzufrieden; mit Kristin Brinker von der AfD sind 9 Prozent zufrieden und 26 Prozent unzufrieden.
Bekanntheit und Bürgermeister-Eignung
Für alle genannten Spitzenkandidaten gilt, dass jeweils eine Mehrheit der Befragten sie nicht kennt oder sich kein Urteil über ihre Arbeit zutraut. Auf die Frage nach der Eignung als Bürgermeisterin oder Bürgermeister für Berlin sagen 23 Prozent der Wahlberechtigten, Elif Eralp wäre eine gute Bürgermeisterin, während 33 Prozent dies anders sehen.
Stefan Evers trauen 22 Prozent zu, ein guter Bürgermeister für Berlin zu sein, 30 Prozent halten ihn dafür nicht geeignet. Von Werner Graf sagen 11 Prozent, er wäre ein guter Bürgermeister für die Hauptstadt, während 30 Prozent dieser Ansicht widersprechen.
Details zur Umfrage
Die Erhebung wurde vom Institut Infratest für die ARD durchgeführt. Zwischen Montag und Mittwoch dieser Woche wurden insgesamt 1.527 Wahlberechtigte in Berlin befragt. Die Umfrage gibt damit kurz vor der Wahl einen aktuellen Einblick in die politische Stimmung in der Hauptstadt, die sich bis zum Wahltag jedoch noch verändern kann.
Die neue Infratest-dimap-Umfrage zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses markiert eine auffällige Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der Hauptstadt. Zehn Tage vor der Wahl liegt die Linke mit 21 Prozent erstmals wieder vor CDU, Grünen und SPD und knüpft damit an frühere Zeiten stärkerer Verankerung in Berlin an.
Verschiebungen im Parteiensystem
Die CDU bleibt mit 20 Prozent zwar stärkste Kraft der bisherigen Regierung, verliert aber deutlich gegenüber ihrem Ergebnis von 2023. Die SPD rutscht weiter ab und liegt mit 12 Prozent klar hinter Grünen und Linken. Bemerkenswert ist der Sprung der Linken von 12,2 Prozent bei der letzten Wahl auf nun 21 Prozent in der Sonntagsfrage, während die Grünen gegenüber 2023 ebenfalls nachgeben. Die AfD stabilisiert sich bei 18 Prozent und bestätigt ihre Rolle als starke Oppositionskraft.
Neu im Parteiensystem der Hauptstadt ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das mit 4 Prozent knapp unterhalb der Mandatsschwelle bleibt. Das begrenzt zwar kurzfristig seine Bedeutung für Koalitionsbildungen, zeigt aber eine erkennbare Nachfrage nach neuen politischen Angeboten links der Mitte. Zusammen mit den 9 Prozent für sonstige Parteien deutet sich eine weitere Zersplitterung der politischen Landschaft an.
Koalitionsoptionen und Spitzenpersonal
Die Präferenz der Befragten für einen weiterhin CDU-geführten Senat zeigt, dass die Regierungsverantwortung der Union trotz schwächerer Werte noch eine gewisse Stabilität ausstrahlt. Ein Linken-geführter Senat liegt bei der Direktfrage deutlich dahinter, erreicht aber bei der Alternativfrage CDU versus Linke Gleichstand – ein Hinweis auf eine offenere Stimmungslage, wenn die Wahl stärker personell und lagerpolitisch zugespitzt wird.
Die sehr geringe Bekanntheit und begrenzte Zufriedenheit mit allen Spitzenkandidaten ist ein zentrales Risiko für klare Mehrheitsbildungen. Viele Wahlberechtigte haben noch keine feste Entscheidung getroffen oder tendieren zur Nichtwahl, was kurzfristige Stimmungsumschwünge und einen hohen Anteil taktischer Wahlentscheidungen möglich macht. Für die Parteien bedeutet dies, dass die letzten Tage des Wahlkampfs mit klaren Botschaften und persönlicher Präsenz der Spitzenkandidaten entscheidend werden können.
