Berlin-Spandau, Abgeordnetenhauswahl

Berlin-Spandau: AfD holt Direktmandat – Abgeordnetenhaus wird fünf Sitze kleiner

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 18:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine Neuauszählung in Berlin-Spandau verändert das Wahlergebnis: Das Direktmandat geht an den AfD-Kandidaten Tommy Tabor statt an die CDU-Kandidatin Bettina Meißner. Dadurch soll das Abgeordnetenhaus fünf Sitze kleiner werden.

  • Im neugewählten Berliner Abgeordnetenhaus gibt es voraussichtlich weniger Sitze als bisher angenommen. (Archivbild)  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Im neugewählten Berliner Abgeordnetenhaus gibt es voraussichtlich weniger Sitze als bisher angenommen. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler hat über eine Neuauszählung der Stimmen in einem Wahlkreis in Berlin-Spandau informiert. (Archivbild)  - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler hat über eine Neuauszählung der Stimmen in einem Wahlkreis in Berlin-Spandau informiert. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
Im neugewählten Berliner Abgeordnetenhaus gibt es voraussichtlich weniger Sitze als bisher angenommen. (Archivbild)  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler hat über eine Neuauszählung der Stimmen in einem Wahlkreis in Berlin-Spandau informiert. (Archivbild)  - Bild: Jens Kalaene/dpa

Nach einer Neuauszählung im Berliner Wahlkreis Spandau 1 wird das Abgeordnetenhaus voraussichtlich 153 statt 158 Sitze haben.

AfD-Kandidat gewinnt Direktmandat

Landeswahlleiter Stephan Bröchler teilte mit, dass der AfD-Kandidat Tommy Tabor die meisten Stimmen und damit das Direktmandat erreicht habe. Zuvor war die CDU-Kandidatin Bettina Meißner als Siegerin geführt worden.

Meißner zieht nach Angaben eines Sprechers der CDU-Fraktion auch nicht über die Bezirksliste ins Parlament ein. Damit kommt sie im neuen Abgeordnetenhaus voraussichtlich nicht zum Zug.

Fünf Mandate entfallen

Nach dem derzeitigen Stand verliert die CDU einen Sitz, ebenso SPD und Grüne. Bei der Linken entfallen zwei Sitze. Neben Meißner sind davon Martin Matz (SPD), Oda Hassepaß (Grüne), Coco Aglibut und Bettina Günter (beide Linke) betroffen.

Die endgültige Feststellung obliegt den zuständigen Wahlorganen. Der Landeswahlausschuss soll in seiner Sitzung am 12. Oktober über das Ergebnis entscheiden.

Fehler bei telefonischer Meldung

Anlass der Nachzählung war eine Abweichung zwischen der telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der Niederschrift des Wahlvorstands. In der Niederschrift war nach Angaben Bröchlers bereits korrekt festgehalten, dass Tabor vor Meißner lag.

Mehrheiten bleiben möglich

Die veränderte Sitzzahl hat nach den derzeitigen Berechnungen keine grundsätzlichen Auswirkungen auf die möglichen Koalitionen. Die Linke käme auf 45 Sitze, die CDU auf 33, die Grünen auf 25, die SPD auf 21 und die AfD unverändert auf 29 Sitze.

Die Mehrheit liegt bei 77 Mandaten. Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD hätte rechnerisch 79 Sitze, Rot-Grün-Rot käme auf 91 Sitze.

Landeswahlleiter spricht von Kontrollprozess

Bröchler bezeichnete die Neuauszählung als geordneten Kontrollprozess. Ein Wahlchaos in Berlin liege nicht vor, sagte er.

Das weggefallene CDU-Direktmandat führt dazu, dass ein Überhangmandat entfällt. Deshalb müssen auch die Ausgleichsmandate für die anderen Parteien neu berechnet werden, damit das Kräfteverhältnis nach den Zweitstimmen erhalten bleibt.

Kontrollprozess verändert Sitzverteilung

Die Neuauszählung betrifft nicht nur einen einzelnen Wahlkreis, sondern die proportionale Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses. Weil das Direktmandat der CDU entfällt, sinkt zunächst die Zahl der CDU-Sitze. Dadurch müssen auch die Ausgleichsmandate neu berechnet werden, die das Verhältnis der Zweitstimmen im Parlament abbilden sollen.

Nach dem derzeitigen Berechnungsstand verfügt die Linke künftig über 45 Sitze, die CDU über 33, die Grünen über 25, die SPD über 21 und die AfD über 29. Für die Mehrheit sind bei 153 Sitzen 77 Mandate erforderlich. Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD käme auf 79 Sitze; Rot-Grün-Rot hätte 91 Sitze.

Bedeutung für die Regierungsbildung

Die rechnerischen Koalitionsoptionen bleiben damit grundsätzlich bestehen, ihre Mehrheiten verändern sich jedoch. Besonders bei einer knappen Mehrheit können einzelne Abweichler, Fraktionswechsel oder nicht besetzte Mandate das politische Gewicht einzelner Abgeordneter erhöhen. Die AfD profitiert vom korrigierten Direktmandat, ohne dass sich ihre Gesamtzahl der Sitze verändert.

Formal ist die Sitzverteilung noch nicht endgültig. Der Landeswahlausschuss soll das Ergebnis in seiner Sitzung am 12. Oktober feststellen. Erst danach steht verbindlich fest, welche Kandidaten Mandate erhalten und wie groß das Parlament ist.

Fehler bei Schnellmeldung

Der Vorgang zeigt zugleich die Funktion der nachgelagerten Wahlkontrolle: Maßgeblich ist die Niederschrift des Wahlvorstands, nicht die telefonisch übermittelte Schnellmeldung. Die Korrektur verändert das vorläufige Ergebnis, ohne den regulären Ablauf der Auszählung grundsätzlich infrage zu stellen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Wahl-Panne in Berlin: Abgeordnetenhaus wird kleiner“ (02.10.2026)

Der Bericht bestätige, dass Tommy Tabor das Direktmandat in Spandau 1 statt Bettina Meißner gewonnen habe und das Parlament voraussichtlich von 158 auf 153 Sitze schrumpfe. Er hebe zusätzlich hervor, die Niederschrift sei korrekt gewesen, während der Fehler bei der telefonischen Schnellmeldung gelegen habe; offen bleibe die endgültige Bestätigung durch den Landeswahlausschuss.

n-tv: „AfD gewinnt nach Neuauszählung Mandat in Berlin-Spandau“ (02.10.2026)

Der Artikel bestätige den Wechsel des Direktmandats und nenne als Ergebnis der Nachzählung 5184 Stimmen für Tabor und 5150 für Meißner. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die veränderten Mehrheitsverhältnisse und berichte, Tabor sei auch über die Landesliste abgesichert gewesen; die endgültige Sitzverteilung bleibe dem Landeswahlausschuss vorbehalten.

Beide Berichte stimmten beim neuen Wahlkreissieger, der Ursache der Nachzählung und der voraussichtlichen Verkleinerung des Parlaments überein. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung einzelner Zahlen und bei der Frage, welche zusätzlichen politischen Folgen der korrigierte Wahlkreissieg habe.

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