Berlin-Spandau: AfD gewinnt Direktmandat – Abgeordnetenhaus schrumpft um fünf Sitze
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 17:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEine Neuauszählung im Berliner Wahlkreis Spandau 1 hat das Direktmandat der CDU-Kandidatin Bettina Meißner dem AfD-Bewerber Tommy Tabor zugesprochen.
AfD-Kandidat liegt nach Nachzählung vorn
Landeswahlleiter Stephan Bröchler teilte mit, dass Tabor nach der Korrektur die meisten Stimmen erhalten habe. Anlass war eine Abweichung zwischen der telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der Niederschrift des Wahlvorstands, in der das korrekte Ergebnis festgehalten worden sei.
Meißner kommt nach Angaben eines Sprechers der CDU-Fraktion auch nicht über die Bezirksliste ins Abgeordnetenhaus. Sie wird demnach dem neuen Landesparlament nicht angehören. Tabor war dagegen über die Landesliste seiner Partei abgesichert.
Parlament verliert voraussichtlich fünf Sitze
Nach der Neuberechnung soll das Abgeordnetenhaus künftig 153 statt 158 Sitze haben. CDU, SPD und Grüne verlieren voraussichtlich jeweils ein Mandat, bei der Linken entfallen zwei Sitze.
Die neue Sitzverteilung sieht nach dem derzeitigen Stand 45 Mandate für die Linke, 33 für die CDU, 25 für die Grünen und 21 für die SPD vor. Die AfD bleibt bei 29 Sitzen. Für eine Mehrheit sind bei 153 Abgeordneten 77 Sitze erforderlich.
Koalitionsoptionen bleiben rechnerisch bestehen
Eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD käme auf 79 Sitze und hätte damit eine Mehrheit von zwei Stimmen. Rot-Grün-Rot erreichte 91 Sitze und läge 14 Stimmen über der Mehrheitsschwelle.
Der Grund für die Verkleinerung liegt im Wegfall eines CDU-Überhangmandats. Dadurch müssen auch die Ausgleichsmandate für die anderen Parteien neu berechnet werden. Bröchler bezeichnete die Nachzählung als geordneten Kontrollprozess und wies die Bezeichnung eines Wahlchaos zurück.
Warum ein einzelner Wahlkreis das Parlament verändert
Die Neuauszählung betrifft nicht nur das Direktmandat in Spandau. Das Berliner Wahlrecht verbindet Erst- und Zweitstimmen über Überhang- und Ausgleichsmandate. Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, entstehen Überhangmandate. Zusätzliche Sitze für andere Parteien sollen das Kräfteverhältnis ausgleichen.
Fällt ein Überhangmandat weg, sinkt deshalb auch der Bedarf an Ausgleichsmandaten. Im konkreten Fall reduziert sich die vorläufige Größe des Abgeordnetenhauses um fünf Sitze. Die Sitzanteile verschieben sich dabei nicht grundsätzlich zugunsten einer einzelnen Partei; vielmehr verlieren mehrere Fraktionen Mandate, während die AfD trotz des gewonnenen Direktmandats bei 29 Sitzen bleibt.
Bedeutung für die Regierungsbildung
Für die rechnerischen Bündnisse ändert sich die Ausgangslage nur begrenzt. Eine Mehrheit liegt bei 77 Sitzen. Rot-Grün-Rot hätte nach der vorläufigen Berechnung 91 Sitze, CDU, Grüne und SPD kämen gemeinsam auf 79. Beide Konstellationen blieben damit mehrheitsfähig, ihre Abstände würden jedoch kleiner.
Politisch relevant ist zudem der Ablauf: Ein Widerspruch zwischen der telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der schriftlichen Niederschrift führte zur Kontrolle. Die endgültige Feststellung des Wahlergebnisses durch den Landeswahlausschuss ist für den 12. Oktober angekündigt. Bis dahin bleibt die Sitzverteilung vorläufig; für die Regierungsbildung bedeutet das vor allem, dass einzelne Mandatsverluste und Mehrheitsabstände noch offiziell bestätigt werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Abgeordnetenhaus schrumpft: AfD gewinnt nach Neuauszählung Mandat in Berlin-Spandau“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den Wechsel des Direktmandats von der CDU-Kandidatin Bettina Meißner zum AfD-Kandidaten Tommy Tabor und nenne als Ergebnis der Nachzählung 5.184 zu 5.150 Stimmen. Er hebe außerdem hervor, Tabor sei über die Landesliste abgesichert gewesen, während die endgültige Sitzverteilung erst am 12. Oktober festgestellt werde.
Tagesspiegel: „CDU muss AfD Direktmandat überlassen: Mögliche Mehrheiten im Berliner Abgeordnetenhaus werden kleiner“ (02.10.2026)
Der Artikel bestätige ebenfalls den Vorsprung Tabors und den Wegfall von voraussichtlich fünf Sitzen. Anders als der n-tv-Bericht benenne er zusätzlich vorläufige Namen weiterer möglicher Mandatsverlierer und ordne die rechnerischen Mehrheiten mit 91 Sitzen für Rot-Grün-Rot sowie 79 Sitzen für CDU, Grüne und SPD ein.
Beide Berichte stellten den Mandatswechsel und die Verkleinerung des Parlaments übereinstimmend heraus; offen bleibe bis zur abschließenden Entscheidung des Landeswahlausschusses, welche einzelnen Abgeordneten ihre Sitze tatsächlich verlieren.
