Berlin, Koalitionsverhandlungen

Berlin: Linke, Grüne und SPD starten Koalitionsverhandlungen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Linke, Grüne und SPD wollen nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl eine gemeinsame Landesregierung bilden. Offene Haushaltsfragen, der Umgang mit Antisemitismus und Widerstand in den Parteien erschweren den Weg zu einem Koalitionsvertrag.

Parteien legen nächste Schritte fest

  • Die Dachgruppe bündelt die Gespräche der Spitzenvertreter von Linker, Grünen und SPD.
  • Facharbeitsgruppen sollen einzelne Politikfelder und offene Detailfragen bearbeiten.
  • Über einen Vertrag müssten Linke und SPD per Mitgliederentscheid sowie die Grünen über Parteitag und Meinungsbild befinden.
  • SPD, Linke und Grüne haben mit den Koalitionsverhandlungen begonnen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • SPD, Linke und Grüne haben in den Verhandlungen viele große Themen vor sich. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr will Bedenken gegenüber Rot-Grün-Rot ausräumen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
SPD, Linke und Grüne haben mit den Koalitionsverhandlungen begonnen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa SPD, Linke und Grüne haben in den Verhandlungen viele große Themen vor sich. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr will Bedenken gegenüber Rot-Grün-Rot ausräumen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Linke, Grüne und SPD beginnen Berliner Koalitionsgespräche

Sechs Wochen nach der Wahl haben Linke, Grüne und SPD in Berlin Gespräche über die Bildung einer gemeinsamen Landesregierung aufgenommen. Beim Auftakt im Abgeordnetenhaus verwiesen die Parteien auf Fortschritte aus den Sondierungen, aber auch auf zahlreiche offene Fragen.

Parteien vertiefen Sondierungsergebnisse

Die Verhandlungen werden von einer Dachgruppe mit Spitzenvertretern der drei Parteien geführt. Für einzelne Themenbereiche sind Facharbeitsgruppen vorgesehen, in denen die zuständigen Experten beraten.

Linke-Fraktionschefin Elif Eralp sagte, bei Mieten, Vergesellschaftung, Wirtschaft und Klima gebe es bereits viele Vereinbarungen. Nun müsse bei diesen Themen und bei weiteren Fragen in die Tiefe gegangen werden.

Grüne sehen weiteren Gesprächsbedarf

Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr betonte, die Sondierungen seien konstruktiv verlaufen. Zugleich müssten einzelne Themen erst in den Koalitionsverhandlungen ausführlich beraten werden.

Stahr verwies auf die Skepsis gegenüber einem rot-grün-roten Bündnis. Sie zeigte sich optimistisch, dass die Bedenken ausgeräumt werden könnten und die drei Parteien eine progressive Regierung auf den Weg bringen.

Haushalt als zentrale Hürde

Grundlage der Verhandlungen ist das Sondierungsergebnis. Etliche Detailfragen blieben offen, besonders die Finanzierung könnte den Gesprächen Grenzen setzen: Im Berliner Landeshaushalt drohen bald Milliardenlöcher, während viele Vorhaben aus den Wahlprogrammen kaum finanzierbar sind.

Belastet wurden die bisherigen Gespräche außerdem durch Debatten über den richtigen Umgang mit Antisemitismus. Anlass waren mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken. Die Ankündigung der Verhandlungen stieß deshalb auch bundesweit und innerhalb der beteiligten Parteien auf Kritik.

Parteitage und Mitgliederentscheide stehen bevor

Ein Parteitag der Linken stimmte am Samstag mit breiter Mehrheit für die Aufnahme der Verhandlungen. SPD und Grüne hatten diesem Schritt bereits zwei Wochen zuvor zugestimmt.

Wie lange die Gespräche dauern, ist offen; auch ein Scheitern bleibt möglich. Bei einer Einigung sollen die Mitglieder von Linken und SPD über den Koalitionsvertrag entscheiden. Die Grünen wollen zunächst ein digitales Meinungsbild einholen und anschließend auf einem Parteitag über eine Regierungsbeteiligung abstimmen.

Mit dem Start der Verhandlungen beginnt nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die entscheidende Phase der Regierungsbildung. Die bisherige CDU-SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit; bei der Wahl am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von CDU, AfD, Grünen und SPD.

Organisatorisch soll eine Dachgruppe aus Spitzenvertretern die zentralen Entscheidungen vorbereiten. Facharbeitsgruppen sollen unter anderem Detailfragen zu Wohnen, Wirtschaft, Klima und weiteren Landesaufgaben bearbeiten. Ein Koalitionsvertrag könnte bis Dezember vorliegen, ein verbindlicher Abschluss ist damit jedoch nicht festgelegt.

Haushalt und Vertrauen als Kernprobleme

Die größte politische Belastungsprobe liegt im Berliner Haushalt. Erwartete Milliardenlöcher begrenzen den Spielraum für Vorhaben aus den Wahlprogrammen und dürften insbesondere bei Investitionen, Sozialpolitik und Wohnungsfragen zu Zielkonflikten führen.

Zusätzlichen Druck erzeugen Debatten über den Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus, Sicherheitsbehörden und organisierter Kriminalität. In der SPD gibt es deshalb Widerstand gegen das Bündnis. Für die drei Parteien reicht eine Einigung der Verhandlungsteams nicht aus: Linke und SPD müssen ihre Mitglieder überzeugen, bei den Grünen folgen ein digitales Meinungsbild und ein Parteitag.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Rot-grün-rote Koalitionsgespräche in Berlin starten“ (02.11.2026)

Der Beitrag betone den Start der Verhandlungen und die geplante Struktur aus Dach- und Facharbeitsgruppen. Einen Schwerpunkt setze er auf den Widerstand in der SPD sowie auf die mögliche Entscheidung über einen Koalitionsvertrag bis Dezember.

Stern: „Regierungsbildung: Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen starten“ (02.11.2026)

Der Stern hebe ebenfalls die offene Dauer der Gespräche und die unterschiedlichen Zustimmungsvorbehalte der Parteien hervor. Zusätzlich ordne der Beitrag die Kräfteverhältnisse nach der Abgeordnetenhauswahl ein. Einigkeit bestehe über den Beginn der Gespräche; offen bleibe, ob die innerparteilichen Abstimmungen am Ende eine Regierungsbildung ermöglichten.

Beide Beiträge bestätigten den Verhandlungsstart und die mehrstufige Beteiligung der Parteien. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während tagesschau den SPD-internen Widerstand stärker hervorhebe, konzentriere sich der Stern stärker auf Ablauf und Wahlergebnis.

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