Berlin: Bartsch lehnt Brandmauer zur Linken um Eralp ab
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 19:14 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Linken-Politiker Dietmar Bartsch hat sich gegen eine Gleichsetzung seiner Partei mit der AfD und gegen die Forderung nach einer Brandmauer zur Linken gewandt. In der ntv-Sendung „Blome & Pfeffer“ sagte er, zur AfD werde zu Recht eine Brandmauer gezogen.
Forderungen von SPD und Grünen nach einer Brandmauer zur Linken in Berlin wies Bartsch zurück. Eine solche Position würde aus seiner Sicht darauf hinauslaufen, dass Union und SPD gemeinsam mit Unterstützung der Grünen regieren müssten, obwohl beide Parteien bei der Wahl deutlich verloren hätten.
Bartsch unterstützt Eralps Regierungsanspruch
Bartsch kritisierte zudem die bisherige Berliner Regierungsverantwortung der Union. Die Argumente gegen die Linke würden aus seiner Sicht vor allem dazu genutzt, eine Regierungsbildung unter Führung von Elif Eralp zu verhindern.
Er verteidigte die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Linken mit SPD und Grünen. Ob es dazu kommt, liege bei den Parteien selbst, sagte Bartsch.
SPD und Grüne zu Gesprächen bereit
Die Berliner Linke hatte nach der Abgeordnetenhauswahl mit breiter Mehrheit beschlossen, SPD und Grüne zu Sondierungen einzuladen. Beide Parteien haben die Einladung angenommen; die Gespräche sollen klären, ob die Voraussetzungen für Koalitionsverhandlungen erfüllt sind.
Die Linke war bei der Wahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden und will mit Elif Eralp erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen. Zu den Streitpunkten zählen unter anderem die Wohnungspolitik, die innere Sicherheit und der Umgang mit Antisemitismus.
Sendung wird am Abend ausgestrahlt
Die Sendung „Blome & Pfeffer“ ist am Montag, 28. September 2026, um 20:15 Uhr und um 23:30 Uhr auf ntv zu sehen. Sie wird außerdem auf YouTube, ntv.de und der Streamingplattform RTL+ veröffentlicht.
Dietmar Bartschs Einwand fällt in eine Phase, in der die Berliner Regierungsbildung nach der Abgeordnetenhauswahl neu geordnet wird. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und strebt mit Elif Eralp an der Spitze die Bildung einer rot-grün-roten Landesregierung an. SPD und Grüne haben Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit angenommen; damit ist ein Bündnis unter Führung der Linken politisch möglich, aber noch nicht vereinbart.
Inhaltliche Hürden für Rot-Grün-Rot
Die Sondierungen sollen zunächst klären, ob eine gemeinsame Regierung grundsätzlich tragfähig wäre. Zu den zentralen Konfliktfeldern gehören die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, die innere Sicherheit und der Umgang mit dem Verfassungsschutz. Während die Linke die Umsetzung des Berliner Volksentscheids zur Vergesellschaftung vorantreiben will, lehnt die SPD Enteignungen ab. Auch bei der Sicherheits- und Innenpolitik liegen die Positionen deutlich auseinander.
Hinzu kommt die Debatte über Antisemitismus und den Umgang mit israelkritischen Positionen innerhalb der Berliner Linken. SPD und Grüne verlangen hierzu klare politische Festlegungen. Bartschs Forderung richtet sich deshalb nicht nur gegen eine formale Abgrenzung, sondern berührt die zentrale Machtfrage der Hauptstadt: Soll die stärkste Fraktion den Regierungsauftrag erhalten, obwohl ihre möglichen Partner Bedingungen für eine Zusammenarbeit stellen?
Entscheidung liegt bei SPD und Grünen
Für die Berlinerinnen und Berliner bedeutet der Streit zunächst, dass die Regierungsbildung mehrere Etappen durchlaufen muss. Sondierungen sind noch keine Koalitionsverhandlungen; erst danach entscheiden die Parteien über einen konkreten Koalitionsvertrag. Scheitert ein Bündnis unter Führung der Linken, bleibt rechnerisch auch eine Zusammenarbeit von CDU, SPD und Grünen möglich.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Sondierungen in Berlin: SPD will mit Linken über Regierungsbildung sprechen“ (27.09.2026)
Der Beitrag bestätigt die Bereitschaft der Berliner SPD zu Sondierungen mit der Linken und ordnet die möglichen Gespräche als schwierig ein. Einen Schwerpunkt legt er auf Bedingungen der Grünen, Konflikte bei innerer Sicherheit und die Debatte über Antisemitismus.
taz: „Start der Sondierungsgespräche in Berlin: Sie wollen reden – miteinander statt übereinander“ (27.09.2026)
Die taz beschreibt den Beginn der Sondierungen und nennt Vergesellschaftung, Verkehr, Sicherheitsbehörden und die angespannte Haushaltslage als mögliche Konfliktpunkte. Anders als Bartschs grundsätzliche Zurückweisung einer Brandmauer rückt der Beitrag die praktischen Bedingungen und politischen Hürden einer Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.
Übereinstimmung besteht darin, dass SPD und Grüne Gespräche mit der Linken führen wollen. Offen bleiben die inhaltlichen Kompromisse, die Rolle Elif Eralps und die Frage, ob daraus tatsächlich Koalitionsverhandlungen entstehen.
