Deutsche Bahn, Bahn-Pünktlichkeit

Bahn soll bis 2029 auf 70 Prozent Pünktlichkeit kommen

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 13:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Verkehrsminister Steffen Bilger setzt der Deutschen Bahn ein Ziel von 70 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr bis 2029. Zugleich kündigt er ein neues Baustellenkonzept und Investitionen von mehr als 80 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre an.

Bilger verspricht Bahnkunden spürbare Verbesserung bis 2029
Frankfurter Hauptbahnhof (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verspricht Bahnkunden bis 2029 eine spürbare Verbesserung. Im Fernverkehr soll die Pünktlichkeit bis dahin 70 Prozent erreichen, nachdem sie zuletzt bei etwas mehr als 50 Prozent gelegen habe.

Minister erhöht Druck auf die Bahn

Bilger sagte der ARD, zur Verbesserung eines Bahnerlebnisses gehörten neben der Pünktlichkeit auch Sicherheit, Sauberkeit und eine bessere Kundenkommunikation. Die Bundesregierung sei mit dem Versprechen angetreten, die Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen.

Der Minister kündigte außerdem ein neues Konzept für Baustellen und Korridorsanierungen an. Mit dem bisherigen Ablauf der Totalsperrungen wichtiger Strecken sei er nicht zufrieden, weil die betroffenen Abschnitte nach den Arbeiten nicht zuverlässig funktioniert hätten.

Neue Sperrung zwischen Berlin und Hannover

Als Beispiel nannte Bilger die Strecke Hamburg–Berlin, auf der nach der Sanierung eine Pünktlichkeit von 25 Prozent erreicht worden sei. Korridorsanierungen solle es weiterhin geben, danach müsse aber sichergestellt sein, dass die Strecken störungsfrei betrieben werden könnten.

Am Freitag begann die 14-monatige Sperrung der Strecke Berlin–Hannover. Der Verkehrsminister will dazu bald einen Vorschlag für ein neues Baustellenkonzept vorlegen.

Mehr als 80 Milliarden Euro für fünf Jahre

Nach Angaben Bilgers verhandelt der Bund mit der Deutschen Bahn über eine Leistungsvereinbarung. Dabei gehe es um mehr als 80 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre – doppelt so viel wie in den vorangegangenen fünf Jahren.

Mit den zusätzlichen Mitteln verbinde die Bundesregierung die Erwartung, dass sich die Infrastruktur spürbar verbessere. Das Geld müsse nach Bilgers Darstellung effizient eingesetzt werden.

Förderung für Elektroautos soll auslaufen

Beim Klimaschutz setzt Bilger neben der Bahn auf Elektromobilität. Das bestehende Förderprogramm für den Kauf von Elektroautos solle bis Ende 2029 laufen, danach aber nicht verlängert werden.

Statt Kaufprämien sollten Fördermittel stärker in die Ladeinfrastruktur fließen. Bilger will zudem ermöglichen, dass Autofahrer Schnellladestationen an Autobahnen jederzeit mit Kredit- oder Bankkarte bezahlen können.

Auch bei den Ladepreisen sieht der Minister Handlungsbedarf. Preise sollten direkt an den Stationen und in Apps transparent angezeigt werden, damit Autofahrer unterwegs die verfügbaren Angebote und deren Kosten vergleichen können.

Die angekündigte Verbesserung der Bahn fällt in eine Phase, in der der Fernverkehr weiterhin durch marode Infrastruktur, zahlreiche Baustellen und Zugausfälle belastet wird. Im ersten Halbjahr 2026 waren nach Angaben des NDR 59 Prozent der Fernzüge pünktlich; als pünktlich gilt dabei eine Ankunft mit weniger als sechs Minuten Verspätung.

Das Ziel von 70 Prozent bis 2029 ist deshalb nicht nur eine technische Kennzahl, sondern eine zentrale Bewährungsprobe für die geplanten Investitionen. Die Deutsche Bahn will in den kommenden Jahren mehr als 40 Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von über 4.000 Kilometern in Korridorsanierungen erneuern. Dafür werden Strecken zeitweise vollständig gesperrt, damit Gleise, Weichen, Stellwerke und Bahnhöfe gebündelt modernisiert werden können.

Sanierungen erhöhen zunächst den Druck

Für Reisende bedeutet das kurzfristig längere Fahrzeiten und Umleitungen. Die am 2. Oktober 2026 begonnene Sperrung der Verbindung zwischen Hannover und Berlin soll bis Dezember 2027 dauern. Das Verfahren steht zugleich unter besonderem Erwartungsdruck, weil die zuvor sanierte Strecke Hamburg–Berlin nach ihrer Wiederöffnung weiterhin erhebliche Pünktlichkeitsprobleme aufwies.

Die Wirkung der angekündigten Milliardenmittel hängt damit nicht allein von ihrer Höhe ab. Entscheidend sind eine realistische Planung, ausreichende Baukapazitäten, funktionierende Stellwerks- und Signaltechnik sowie verlässliche Informationen für Fahrgäste. Für Bahnreisende wird sich die politische Zusage erst daran messen lassen, ob sich Verspätungen, Ausfälle und die Folgen von Baustellen im Alltag tatsächlich verringern.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Ein Jahr Bahnchefin Palla: An der Pünktlichkeit hapert es noch“ (01.10.2026)

Der Beitrag bestätigt das Ziel, bis 2029 mindestens 70 Prozent der Fernzüge pünktlich fahren zu lassen, ordnet es aber in die aktuelle Belastung des Netzes ein. Im Mittelpunkt stehen 59 Prozent Pünktlichkeit im ersten Halbjahr 2026, die anstehende Sperrung Hannover–Berlin und Zweifel von Bahnexperten sowie der Gewerkschaft, ob das Ziel erreichbar ist.

n-tv: „Der Tag auf ntv.de am Freitag, 2. Oktober 2026“ (02.10.2026)

Der Nachrichtenüberblick hebt die seit dem 2. Oktober laufende, mehr als ein Jahr dauernde Sperrung der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin hervor. Anders als der NDR-Beitrag konzentriert sich n-tv auf die unmittelbaren Folgen für Reisende und die erwartete Modernisierung bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027.

Übereinstimmung besteht darin, dass die Sanierung die Infrastruktur verbessern soll, während sich der Alltag für Fahrgäste zunächst erschwert. Offen bleibt, ob die Bauarbeiten nach Abschluss tatsächlich zu stabilerem und pünktlicherem Verkehr führen.

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