Bärbel Bas, Alexander Schweitzer

Bärbel Bas tritt zurück – Schweitzer soll Minister werden

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bärbel Bas gibt wegen eines persönlichen Schicksalsschlags und öffentlicher Angriffe ihre Regierungs- und Parteiführung ab. Alexander Schweitzer soll das Arbeitsministerium übernehmen, die SPD-Spitze muss ihre Nachfolge klären.

  • Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Klingbeil bedauert dem Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Klingbeil bedauert dem Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Klingbeil bedauert dem Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Schweitzer übernimmt das Arbeitsministerium

  • Bärbel Bas legt am Montag mit sofortiger Wirkung ihr Amt als Arbeitsministerin und den SPD-Parteivorsitz nieder.
  • Die 58-Jährige begründet ihren Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter und fehlender Kraft für ihre Aufgaben.
  • Alexander Schweitzer aus Rheinland-Pfalz soll neuer Bundesarbeitsminister werden; Bas bleibt Bundestagsabgeordnete.

Bärbel Bas zieht sich mit sofortiger Wirkung als Bundesarbeitsministerin und SPD-Chefin zurück.

Bas nennt Trauer und Angriffe

Die 58-Jährige erklärt, sie könne ihre Regierungs- und Parteiarbeit kurzfristig nicht vollumfänglich ausüben. Als Grund nennt sie den Tod ihrer Stieftochter, für dessen Verarbeitung sie Zeit brauche.

Zugleich kritisiert Bas öffentliche Angriffe auf sie, auch aus den Reihen des Koalitionspartners. Unionspolitiker hatten ihr zuletzt vorgeworfen, Reformen etwa bei Rente und Arbeitsmarkt zu verschleppen oder zu blockieren.

SPD reagiert mit scharfer Kritik

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnet die Angriffe als unmenschlich und rücksichtslos. SPD-Chef Lars Klingbeil nennt sie unanständig und sagt eine Indienreise ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz dankt Bas und äußert Verständnis für ihre persönliche Situation. Zu den Vorwürfen gegen die Union nimmt er zunächst nicht Stellung.

Schweitzer soll Nachfolger werden

Als Nachfolger an der Spitze des Arbeitsministeriums ist Alexander Schweitzer vorgesehen. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident gilt als Pragmatiker und wird seit Längerem für ein Spitzenamt in Berlin gehandelt.

Offen bleibt, wer Bas an der SPD-Spitze folgt und ob die Partei an ihrer Doppelspitze festhält. Klingbeil will sich nach einer Präsidiumssitzung am Montagvormittag äußern.

Rentenreform bleibt umstritten

Schweitzer hat sich gegen eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ausgesprochen. Damit steht auch die geplante Rentenreform vor einer politischen Neubewertung.

Der Zeitplan für das Reformpaket war bereits auf das Frühjahr verschoben worden. Welche Auswirkungen Bas’ Rücktritt auf die weitere Gesetzgebung hat, ist offen.

Bas bleibt im Bundestag

Bas will ihr Bundestagsmandat behalten. Sie bedankt sich bei den Beschäftigten im Arbeitsministerium und erklärt, für sie ende ein Kapitel, nicht aber ihre politische Geschichte.

Regierungsumbildung mit Folgen

Der Rücktritt trifft die schwarz-rote Bundesregierung in einer Phase, in der zentrale Vorhaben der Arbeits- und Sozialpolitik bereits unter Zeitdruck stehen. Besonders die Rentenreform und geplante Änderungen am Arbeitsmarkt sind zwischen Union und SPD politisch umstritten. Die Verschiebung des Reformfahrplans auf das Frühjahr hat den Spielraum zusätzlich verengt.

Mit Alexander Schweitzer soll ein erfahrener Sozialdemokrat das Arbeitsministerium übernehmen. Seine bisherige Position zur abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren deutet darauf hin, dass der Personalwechsel nicht automatisch eine Annäherung an die unionsgeführten Reformforderungen bringt. Entscheidend wird sein, ob Schweitzer schneller kompromissfähige Gesetzentwürfe vorlegen kann und welche Leitlinien die SPD nach Bas’ Rückzug beschließt.

SPD muss Führung klären

Neben dem Ministeramt ist die Parteiführung offen. Lars Klingbeil muss nach der Präsidiumssitzung erklären, ob die SPD an einer Doppelspitze festhält und wie Bas’ Platz neu besetzt werden soll. Eine ungeklärte Parteiführung könnte die Verhandlungsposition der Sozialdemokraten in der Koalition schwächen.

Für die Bundesregierung geht es damit zugleich um den politischen Umgang innerhalb der Koalition. Die Vorwürfe öffentlicher Angriffe belasten das Vertrauen zwischen Union und SPD, während beide Seiten auf eine handlungsfähige Regierung angewiesen sind. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Wechsel vor allem, dass Entscheidungen zur Rente und zum Arbeitsmarkt erneut von Personal- und Koalitionsfragen überlagert werden können.

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