August Hanning, BND-Spionageverdacht

August Hanning in U-Haft: Ex-BND-Chef wegen Spionageverdachts verhaftet

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der frühere BND-Präsident August Hanning sitzt wegen des Verdachts auf Spionage und versuchten Landesverrat in Untersuchungshaft. Sein Anwalt räumt den Besitz vertraulicher Unterlagen ein, bestreitet aber eine Weitergabe zulasten Deutschlands.

  • Zivile Polizeifahrzeuge fahren am Vormittag mit Blaulicht auf das Gelände des Bundesgerichtshofes. Ob der unter Spionageverdacht stehende frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, in einem der Autos sitzt, ist unbekannt. - Bild: Uli Deck/dpa
    Zivile Polizeifahrzeuge fahren am Vormittag mit Blaulicht auf das Gelände des Bundesgerichtshofes. Ob der unter Spionageverdacht stehende frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, in einem der Autos sitzt, ist unbekannt. - Bild: Uli Deck/dpa
  • August Hanning, Ex-Präsident des Bundesnachrichtendienstes, sitzt wegen Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    August Hanning, Ex-Präsident des Bundesnachrichtendienstes, sitzt wegen Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • BND-Präsident Martin Jäger trifft zu einer Sitzung des geheim tagenden parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste im Bundestag ein.  - Bild: Annette Riedl/dpa
    BND-Präsident Martin Jäger trifft zu einer Sitzung des geheim tagenden parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste im Bundestag ein. - Bild: Annette Riedl/dpa
  • Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr), Konstantin von Notz, fordert auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Handeln auf. - Bild: Annette Riedl/dpa
    Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr), Konstantin von Notz, fordert auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Handeln auf. - Bild: Annette Riedl/dpa
  • Der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU) verlangt schärfere Transparenzregeln für ehemalige Geheimnisträger.  - Bild: Annette Riedl/dpa
    Der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU) verlangt schärfere Transparenzregeln für ehemalige Geheimnisträger. - Bild: Annette Riedl/dpa
Zivile Polizeifahrzeuge fahren am Vormittag mit Blaulicht auf das Gelände des Bundesgerichtshofes. Ob der unter Spionageverdacht stehende frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, in einem der Autos sitzt, ist unbekannt. - Bild: Uli Deck/dpa August Hanning, Ex-Präsident des Bundesnachrichtendienstes, sitzt wegen Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa BND-Präsident Martin Jäger trifft zu einer Sitzung des geheim tagenden parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste im Bundestag ein.  - Bild: Annette Riedl/dpa Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr), Konstantin von Notz, fordert auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Handeln auf. - Bild: Annette Riedl/dpa Der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU) verlangt schärfere Transparenzregeln für ehemalige Geheimnisträger.  - Bild: Annette Riedl/dpa

Der frühere BND-Präsident August Hanning sitzt wegen des Verdachts auf Spionage und versuchten Landesverrat in Untersuchungshaft.

Haftbefehl in Karlsruhe vollzogen

Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs setzte den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte. Damit sitzt erstmals ein ehemaliger BND-Präsident wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft.

Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.

Früherer Büroleiter ebenfalls in Haft

Hannings früherer Büroleiter beim BND, Manfred D., war bereits am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in Untersuchungshaft gekommen.

Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft sollen Hanning und D. vermutlich 2010 vereinbart haben, dass D. dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen BND-Chef gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle Erkenntnisse beschaffe. Hanning soll die Informationen später bei seiner Beratertätigkeit gewinnbringend verwendet haben.

Vertrauliche Unterlagen im Zentrum

Hannings Anwalt Leon Kruse räumte ein, dass sein Mandant vertrauliche Unterlagen besessen habe. Er wies jedoch den Vorwurf zurück, Hanning habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil Deutschlands oder gegen Bezahlung weitergegeben, und erklärte, sein Mandant werde zu Unrecht verfolgt.

In einem Fall soll Hanning geheime Informationen genutzt haben, um für einen Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. Welches Land gemeint ist und ob die Analyse den Adressaten erreichte, blieb zunächst offen.

Hinweise auf Aserbaidschan

Den Ermittlungen zufolge könnte eine Spur nach Aserbaidschan führen. Hanning soll mit einem Agenten der Kaukasusrepublik in Verbindung gestanden haben; die Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht.

Kontrolleure beraten über den Fall

Der BND-Präsident Martin Jäger informierte die Geheimdienst-Kontrolleure des Bundestags über seine Erkenntnisse. Das Parlamentarische Kontrollgremium tagte dazu geheim, Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.

Das Gremium hatte bereits im Mai 2023 deutlich schärfere Transparenz- und Karenzregeln für Angehörige des öffentlichen Dienstes mit besonderen Kenntnissen oder Leitungsfunktionen in sicherheitsrelevanten Bereichen empfohlen. Umgesetzt wurden diese Empfehlungen bislang nicht.

Forderungen nach Konsequenzen

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote, verlangte strengere Regeln für hochrangige Angehörige von Sicherheitsbehörden nach ihrem Ausscheiden. Auch der PKGr-Vorsitzende Marc Henrichmann forderte mehr Transparenz bei dienstbezogenen Kontakten und vergüteten Tätigkeiten.

Die Bundesregierung sprach von erheblichen Vorwürfen, nahm den Vorgang äußerst ernst und sagte umfassende Unterstützung der Ermittlungen zu. Für Konsequenzen sei es zunächst zu früh.

Hanning leitete den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005. Danach wechselte er in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater. Grünen-Geheimdienstexperte Konstantin von Notz forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, gesetzliche Regelungen zur Eindämmung solcher Praktiken vorzulegen.

,

Ein außergewöhnlicher Vorgang

Die Untersuchungshaft gegen einen früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes markiert einen außergewöhnlichen Schritt in der Geschichte der Bundesrepublik. Im Zentrum stehen nicht nur die strafrechtlichen Vorwürfe gegen August Hanning, sondern auch der Umgang mit Informationen, die nach dem Ausscheiden aus einem sicherheitsrelevanten Amt weiter genutzt werden könnten.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Hanning und sein früherer Büroleiter bereits 2010 vereinbart haben, gegen Bezahlung fortlaufend BND-Erkenntnisse zu beschaffen. Der Zeitraum und die vermutete Menge der Unterlagen – bis zu rund 2.000 Dokumente bis 2022 – machen den Fall strukturell bedeutsam: Es geht um mögliche wiederholte Zugriffe und nicht nur um den Besitz eines einzelnen Dokuments.

Politische Folgen für Ex-Geheimnisträger

Das Parlamentarische Kontrollgremium hatte bereits 2023 schärfere Transparenz- und Karenzregeln für Angehörige sicherheitsrelevanter Behörden empfohlen. Der Fall erhöht nun den Druck, Tätigkeiten ehemaliger Spitzenbeamter, Kontakte zu ausländischen Akteuren und den Umgang mit dienstlich erworbenem Wissen klarer zu regeln.

Für die Öffentlichkeit sind mehrere Fragen von Bedeutung: Welche Informationen gelangten tatsächlich nach außen, welchen Schaden hätten sie verursachen können und ob reichten bestehende Kontrollen aus? Über mögliche gesetzgeberische Konsequenzen lässt sich erst nach Abschluss der Ermittlungen und einer parlamentarischen Bewertung entscheiden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Nach Festnahme von Ex-BND-Chef Richter entscheidet über U-Haft für Hanning“ (07.10.2026)

Der Bericht bestätige die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft und stelle die Entscheidung über die Untersuchungshaft in den Mittelpunkt. Zugleich hebe er die politische Debatte über Anschlussjobs und Karenzregeln hervor und verweise auf den Verdacht einer möglichen Verbindung nach Aserbaidschan.

FOCUS online: „Spionageverdacht: Ex-BND-Chef Hanning in U-Haft“ (07.10.2026)

Der Artikel bestätige die Untersuchungshaft und konzentriere sich stärker auf die mutmaßliche Beschaffung von rund 2.000 Dokumenten sowie deren mögliche kommerzielle Nutzung. Anders als der Bericht der tagesschau stelle er zusätzlich den Zusammenhang mit früheren Ermittlungen im Fall Block heraus; offen bleibe, ob Staatsgeheimnisse tatsächlich an fremde Mächte weitergegeben worden seien.

Beide Berichte stellten den Haftbeschluss und die Ermittlungen gegen Hanning in den Vordergrund. Sie unterschieden sich vor allem beim Schwerpunkt zwischen der politischen Reformdebatte und den Details zur Herkunft der Ermittlungsansätze.

Disclaimer...

de | politik | 70257794 |