Audi-Werk in Georgia, Gernot Döllner

Audi-Chef Döllner verteidigt Auftritt mit Trump in Georgia

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Audi-Chef Gernot Döllner weist die Kritik an seinem gemeinsamen Auftritt mit Donald Trump zurück. Das geplante Werk in Georgia soll Audi im US-Geschäft wettbewerbsfähiger machen, verschärft aber den Streit über politische Neutralität und Konzernwerte.

Geplantes US-Werk und interne Kritik

  • Audi-Chef Gernot Döllner begründet den gemeinsamen Auftritt mit Donald Trump mit vertraulichen Verhandlungen über ein Werk in Georgia.
  • Die USA gelten Audi zufolge als zweitgrößter Premiummarkt, das Geschäft dort ist nach Unternehmensangaben derzeit nicht profitabel.
  • VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisiert den Termin als aktive Wahlkampfhilfe und fordert indirekt Konsequenzen.
Der Auftritt Döllners in den USA stieß auf Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa

Döllner verteidigt Trump-Auftritt mit Audi-Interessen

Audi-Chef Gernot Döllner hat seinen gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump verteidigt und damit auf scharfe Kritik bis hin zu Rücktrittsforderungen reagiert. In einem internen Schreiben an die Beschäftigten erklärt er, Audi habe bei Gesprächen über ein geplantes Werk in Georgia im Interesse des Unternehmens gehandelt.

Einladung während vertraulicher Verhandlungen

Döllner und Produktionsvorstand Gerd Walker seien nach Georgia gereist, um Gespräche und Verhandlungen über das Vorhaben voranzubringen. Im Rahmen dieser Gespräche seien sie gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten öffentlich vorzustellen.

Da die Verhandlungen vertraulich gewesen seien, habe Audi nicht vorab informieren können, schreibt Döllner. Zugleich räumt er ein, dass der Auftritt „Fragen und auch Unverständnis“ ausgelöst habe.

Audi verweist auf strategische Bedeutung

Eine lokale Produktion in den USA sei für Audi von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung, erklärt der Vorstandschef. Die Vereinigten Staaten seien der zweitgrößte Premiummarkt der Welt, das Audi-Geschäft dort aber derzeit nicht profitabel.

Mit einer eigenen Fertigung wolle Audi wettbewerbsfähiger werden sowie Handels- und Währungsrisiken reduzieren. Ein stärkeres US-Geschäft sei keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern solle die globale Wettbewerbsfähigkeit und den langfristigen Unternehmenserfolg sichern.

Konzernbetriebsrat kritisiert politische Wirkung

Der Bühnenauftritt löste auch deshalb Kritik aus, weil Audis interne Regeln in den drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit kandidierenden Parteien oder Politikern ausschließen. In den USA stehen am 3. November Zwischenwahlen an.

VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner in einem internen Interview vor, bei einer Veranstaltung mit rassistischen, sexistischen und demokratiefeindlichen Inhalten aktive Wahlkampfhilfe betrieben zu haben. Wer Trumps Rede gehört und Döllner danach als Teil der Veranstaltung erlebt habe, müsse vor „Scham im Boden versinken“.

Audi weist Vorwurf der Parteinahme zurück

Audi erklärte, im Mittelpunkt habe die Möglichkeit gestanden, die Voraussetzungen für eine langfristige Investition in den USA voranzubringen. Das Vorhaben sei auf Jahrzehnte angelegt und müsse deshalb unabhängig von einzelnen Wahlperioden betrachtet werden.

Die internen Grundsätze würden nicht infrage gestellt, betonte das Unternehmen. Die Teilnahme habe ausschließlich der Wahrnehmung konkreter Unternehmensinteressen gedient und sei kein Ausdruck einer parteipolitischen Positionierung gewesen.

Der Auftritt fällt in eine politisch besonders sensible Phase: In den USA stehen am 3. November Zwischenwahlen an. Audis interne Regeln schließen in den drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit kandidierenden Politikern oder Parteien grundsätzlich aus.

Damit trifft die wirtschaftliche Begründung des Unternehmens auf einen klaren Compliance-Konflikt. Audi verweist auf ein langfristiges Investitionsvorhaben, während Arbeitnehmervertreter die öffentliche Bühne und Trumps Rede als politische Unterstützung bewerten. Döllners Argument, die Teilnahme habe ausschließlich Unternehmensinteressen gedient, zielt deshalb vor allem auf die Abgrenzung von einer parteipolitischen Positionierung.

US-Geschäft als strategische Aufgabe

Für Audi geht es zugleich um die bislang fehlende lokale Fertigung in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen bezeichnet den US-Markt als zweitgrößten Premiummarkt weltweit, erklärt sein Geschäft dort aber als derzeit nicht profitabel. Eine Produktion vor Ort könnte Handels- und Währungsrisiken verringern und die Wettbewerbsposition gegenüber Herstellern stärken, die bereits in den USA fertigen.

Spannung zwischen Investition und Belegschaft

Die Debatte berührt daher nicht nur den einzelnen Auftritt, sondern auch die Verteilung künftiger Investitionen im Volkswagen-Konzern. Während Audi das US-Projekt als Beitrag zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit darstellt, kann die Ankündigung an deutschen Standorten als Signal für eine Verlagerung von Wachstum und Kapazitäten verstanden werden.

Für Döllner entsteht daraus eine doppelte Herausforderung: Er muss die politische Wirkung des gemeinsamen Auftritts begrenzen und zugleich erklären, warum die US-Produktion dem Unternehmen und damit langfristig auch dem Konzern zugutekommen soll. Die scharfe Reaktion der Arbeitnehmervertretung zeigt, dass diese Begründung den Konflikt innerhalb des Konzerns nicht beendet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Eklat um Audi-Chef: Wahlkampf-Auftritt bei Donald Trump löst Rücktrittsforderungen aus“ (26.10.2026)

Der Beitrag berichtet über den Auftritt Döllners bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia und die daraus entstandenen Rücktrittsforderungen. Im Mittelpunkt stehen die möglichen Verstöße gegen Audis Neutralitätsregeln und die politische Wirkung des Termins.

tagesschau: „Audi-Chef bei Trump - Verstoß gegen Konzernregeln?“ (26.10.2026)

Der Bericht konzentriert sich auf die Frage, ob Döllners Bühnenauftritt mit den internen Vorgaben des Unternehmens vereinbar war. Zugleich ordnet er die angekündigte US-Fertigung als wirtschaftlichen Hintergrund des gemeinsamen Termins ein.

Beide Beiträge stellen den Konflikt zwischen dem Investitionsinteresse von Audi und den konzerninternen Neutralitätsregeln heraus. Unterschiedliche Akzente liegen bei der Frankfurter Rundschau auf den Rücktrittsforderungen und bei der tagesschau auf der Regelprüfung.

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