Arzttermine: GKV-Chef fordert gleiche Chancen für 75 Millionen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 09:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBlatts Reformvorschlag für Arzttermine
- Oliver Blatt fordert eine Vergabe medizinischer Termine unabhängig vom Versicherungsstatus.
- 75 Millionen gesetzlich Versicherte finanzieren den größten Teil der ärztlichen Honorare.
- Blatt lehnt den Begriff Zwei-Klassen-Medizin ab und hält eine Bürgerversicherung derzeit für unrealistisch.
GKV-Spitzenverband verlangt neue Regeln für Arzttermine
Gesetzlich Versicherte sollen nach dem Willen des GKV-Spitzenverbands bei der Vergabe von Arztterminen stärker nach medizinischem Bedarf berücksichtigt werden. Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt kritisierte, dass Versicherte trotz ihrer großen Bedeutung für die Finanzierung der ärztlichen Versorgung bei Wartezeiten häufig benachteiligt würden.
Wartezeiten als Kern des Konflikts
„Wir müssen den Zugang zur ambulanten Versorgung so organisieren, dass Termine nach medizinischem Bedarf vergeben werden und nicht danach, wie jemand versichert ist“, sagte Blatt der Funke-Mediengruppe. 75 Millionen Menschen seien gesetzlich versichert und finanzierten damit den allergrößten Teil der ärztlichen Honorare.
Blatt bezeichnete die Benachteiligung bei der Terminvergabe als „himmelschreiende Ungerechtigkeit“. Den Begriff Zwei-Klassen-Medizin lehnt er dagegen ab.
Keine pauschale Bevorzugung von Privatpatienten
Im Krankenhaus und bei den meisten Ärzten würden gesetzlich Versicherte genauso gut behandelt wie Privatpatienten, sagte Blatt. Die Ungleichbehandlung zeige sich vor allem bei den Wartezeiten auf Arzttermine.
Ärzte sollten weiterhin Privatpatienten behandeln, sie aber nicht automatisch bevorzugen. Ein gesetzlich Versicherter sollte nicht allein deshalb zwei Wochen länger warten müssen, so Blatt.
Bürgerversicherung bleibt vorerst außen vor
Ein einheitliches Vergütungssystem für Ärzte wäre laut Blatt vor allem dann eine Folge, wenn beide Versicherungssysteme zusammengelegt würden. Das sei eine hochkomplexe und vor allem politische Frage.
Blatt sprach sich deshalb dafür aus, zunächst die konkrete Ungleichbehandlung in der ambulanten Versorgung zu beenden. Eine Bürgerversicherung hält er in der aktuellen politischen Situation nicht für realistisch; über eine Zusammenlegung könne die Politik anschließend in Ruhe diskutieren.
GKV-Chef sieht Schutz vor Mehrbelastungen
Eine Reform dürfe nach Blatts Worten nicht dazu führen, dass gesetzlich Versicherte noch mehr zahlen müssten. Im Mittelpunkt seines Vorschlags steht daher zunächst eine andere Organisation des Zugangs zu Arztterminen, nicht die sofortige Zusammenlegung der Versicherungssysteme.
Die Forderung von GKV-Spitzenverbandschef Oliver Blatt zielt auf einen zentralen Zugangskonflikt im deutschen Gesundheitswesen: Arztpraxen behandeln gesetzlich und privat Versicherte im selben Versorgungssystem, vergeben Termine aber teilweise unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen. Privatpatienten bringen Praxen in der Regel höhere Honorare pro Behandlung, während gesetzlich Versicherte den weitaus größeren Teil der Bevölkerung stellen und die vertragsärztliche Versorgung über Beiträge und den Gesundheitsfonds mitfinanzieren.
Eine Vergabe nach medizinischem Bedarf würde deshalb nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine finanzielle Neuordnung der ambulanten Versorgung berühren. Dafür müssten Praxen Erkrankungen und Dringlichkeit einheitlich bewerten, ohne den Zugang für Selbstzahler oder Privatversicherte pauschal auszuschließen. Gleichzeitig bliebe die Frage, wie zusätzliche Kapazitäten entstehen, wenn die Nachfrage nach Facharztterminen das Angebot übersteigt.
Terminsteuerung bleibt politische Aufgabe
Blatt trennt diese konkrete Frage ausdrücklich von einer sofortigen Zusammenlegung der Versicherungssysteme. Eine solche Bürgerversicherung könnte die Vergütungsstrukturen grundlegend verändern, wäre politisch aber deutlich weiterreichend. Für gesetzlich Versicherte wäre kurzfristig entscheidend, ob eine neue Terminsteuerung Wartezeiten tatsächlich verkürzt oder lediglich die bestehende Knappheit anders verteilt.
Besonders relevant ist der Vorstoß für Menschen mit niedrigerem Einkommen, chronischen Erkrankungen oder dringendem Behandlungsbedarf. Längere Wartezeiten können dazu führen, dass Beschwerden sich verschlimmern oder Patienten auf Notaufnahmen ausweichen. Eine praktikable Reform müsste daher medizinische Dringlichkeit transparent erfassen, die Praxen angemessen vergüten und den Zugang zu Fachärzten verlässlich messbar verbessern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag stellt Blatts Vorwurf der Benachteiligung gesetzlich Versicherter bei der Terminvergabe in den Mittelpunkt. Wie die Agenturmeldung hebt er die Orientierung am medizinischen Bedarf hervor, ordnet den Vorstoß aber vor allem als Kritik an bestehenden Wartezeiten ein.
tagesschau: GKV-Verbandschef fordert Besserstellung gesetzlich Versicherter (17.10.2026)
Die Meldung bestätigt Blatts Forderung nach einer Terminvergabe unabhängig vom Versicherungsstatus. Der Schwerpunkt liegt auf der Besserstellung gesetzlich Versicherter; offen bleibt auch dort, wie eine solche Regelung praktisch umgesetzt und finanziert werden könnte.
Beide Beiträge stimmen im Kern bei der beschriebenen Benachteiligung und der Forderung nach einer bedarfsorientierten Vergabe überein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Ungerechtigkeit, Wartezeiten und den politischen Folgen einer möglichen Reform.
Anzeige | trading-house Börsenakademie
Kostenlose Trading-Webinare für Privatanleger
Live lernen, live fragen. Erfahrene Trader zeigen Dir ihre Strategien beim Handel mit Aktien, Indizes und Rohstoffen in Echtzeit und beantworten Deine Fragen direkt - zum Beispiel, wie Du Nachrichten wie diese für Deine Entscheidungen an der Börse richtig einordnest. 100 % kostenlos, live und interaktiv, jeden Mittwoch um 15:15 Uhr, von der trading-house Börsenakademie, die Privatanleger seit 28 Jahren ausbildet.
