Arzttermine, GeDIG

Arzttermine: EU kritisiert deutschen Plan mit KBV-System

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 14:52 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die EU-Kommission sieht im geplanten digitalen Versorgungseinstieg mögliche Interessenkonflikte und Wettbewerbsnachteile für private Terminplattformen. Das Gesetz befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren.

KBV-System im digitalen Versorgungseinstieg

  • Die EU-Kommission kritisiert den deutschen Plan zur Neuordnung der Terminvergabe für Patienten.
  • KBV und GKV-Spitzenverband sollen Regeln für Terminplattformen wie Doctolib und Jameda festlegen.
  • Die 116117 vermittelte laut KBV im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Termine.
Behandlungszimmer beim Arzt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

EU-Kommission beanstandet Terminmodell der Bundesregierung

Die EU-Kommission kritisiert die Pläne der Bundesregierung, die Vergabe von Arztterminen neu zu organisieren. Brüssel befürchtet, dass private Terminbuchungsplattformen durch das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen benachteiligt werden könnten.

KBV soll Regeln für Plattformen mitbestimmen

Nach dem Gesetzentwurf sollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband Regeln für Terminvermittlungsplattformen wie Doctolib oder Jameda festlegen. Dazu gehören unter anderem technische Anforderungen.

Die EU-Kommission verweist dabei auf mögliche Interessenkonflikte, weil die KBV selbst den Terminservice 116117 betreibt. Die Regeln müssten deshalb unparteiisch und transparent entstehen; außerdem seien Schutzvorkehrungen gegen Interessenkonflikte erforderlich.

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Digitaler Versorgungseinstieg bleibt umstritten

Der Kabinettsentwurf sieht vor, dass Patienten künftig Arzttermine über die App ihrer elektronischen Patientenakte buchen können. Dieser sogenannte Digitale Versorgungseinstieg soll nach dem Gesetzentwurf das System der KBV nutzen.

Private Anbieter werden im Entwurf nach Darstellung der EU-Kommission nicht konkret einbezogen. Brüssel sieht darin einen möglichen Widerspruch zu dem Anspruch, offene und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen zu schaffen.

Parlament berät über weitere Ausgestaltung

Die Terminvergabe für Arztbesuche wird politisch kontrovers diskutiert, weil die Bundesregierung die Wartezeiten reduzieren will. Das GeDIG befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren.

Die 116117 der KBV vermittelte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Termine. Doctolib wird nach Unternehmensangaben von 30 Millionen Menschen in Deutschland genutzt.

Die EU-Kommission richtet ihre Kritik auf die konkrete Ausgestaltung des geplanten digitalen Zugangs zur Versorgung. Im Mittelpunkt steht nicht die grundsätzliche Digitalisierung der Terminvermittlung, sondern die Frage, ob ein von der KBV betriebenes System zugleich Regeln für konkurrierende private Plattformen mitbestimmen soll.

Der Konflikt fällt in eine politisch angespannte Debatte über lange Wartezeiten und die unterschiedliche Terminverfügbarkeit für gesetzlich und privat Versicherte. Forderungen nach einer zentralen, tagesaktuellen Terminplattform sowie nach festen Terminanteilen für gesetzlich Versicherte zeigen, dass neben technischen Standards auch Fragen der Verteilung und des Zugangs geregelt werden sollen.

Wettbewerb und Versorgung im Gesetzgebungsverfahren

Für Patienten könnte die Entscheidung darüber relevant werden, welche Plattformen künftig über die elektronische Patientenakte erreichbar sind und nach welchen Kriterien Termine vermittelt werden. Für Anbieter wie Doctolib oder Jameda geht es um den Zugang zu einer staatlich beziehungsweise gesetzlich eingebundenen Infrastruktur.

Das parlamentarische Verfahren muss daher mehrere Ziele miteinander verbinden: einen diskriminierungsfreien Wettbewerb, transparente technische Vorgaben und eine tatsächlich nutzbare Terminvermittlung. Die Größenordnung der bestehenden Systeme verdeutlicht die praktische Bedeutung: Die 116117 vermittelte nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Termine im vergangenen Jahr, während Doctolib in Deutschland nach Unternehmensangaben von 30 Millionen Menschen genutzt wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Himmelschreiende Ungerechtigkeit" - GKV-Spitzenverband... (20.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Debatte vor allem aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung ein und berichtet über Forderungen nach einer tagesaktuellen Plattform. Damit ergänzt er die EU-Kritik am Wettbewerb um die Frage, wie Termine unabhängig vom Versicherungsstatus verteilt werden sollen.

BR: „Kassenärzte: Deutlich längere Termin-Wartezeiten ab 2027" (20.10.2026)

Der Bericht stellt die Einschätzung der Kassenärzte in den Mittelpunkt, wonach zusätzliche Meldepflichten nicht automatisch zu kürzeren Wartezeiten führen. Gemeinsam ist den Beiträgen die Suche nach einer faireren Terminvergabe; offen bleibt, wie Wettbewerb, Versorgung und praktische Umsetzbarkeit im Gesetz verbunden werden.

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