Antisemitismusbeauftragte: Kabinett soll von Schnurbein berufen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 06:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEuropäische Erfahrung für Berlin
- Das Bundeskabinett soll die Personalie am Mittwoch beschließen.
- Katharina von Schnurbein war elf Jahre Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission.
- Zentralratspräsident Josef Schuster hält sie persönlich und professionell für eine herausragende Besetzung.
Der Zentralrat der Juden und die Grünen begrüßen die geplante Ernennung von Katharina von Schnurbein zur neuen Antisemitismusbeauftragten des Bundes. Die Entscheidung soll am Mittwoch im Kabinett fallen.
Josef Schuster sagte dem „Tagesspiegel“, von Schnurbein sei im Kampf gegen Antisemitismus international bestens vernetzt und genieße in der jüdischen Gemeinschaft sehr hohes Ansehen.
Schuster setzt auf internationale Vernetzung
Der Vorsitzende des Zentralrats verwies auf von Schnurbeins elfjährige Tätigkeit als Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission. In dieser Zeit habe sie zahlreiche Initiativen gegen Antisemitismus und zur Stärkung jüdischen Lebens vorangebracht.
Angesichts des zunehmenden Antisemitismus stehe von Schnurbein vor großen Herausforderungen, sagte Schuster. Er sei überzeugt, dass sie die Richtige sei, um diesen Aufgaben zu begegnen.
Grüne begrüßen Besetzung
Auch die Grünen unterstützen die geplante Personalie. Die Innenpolitikerin Marlene Schönberger hatte zuvor eine zeitnahe Neubesetzung des Amts gefordert.
Schönberger erklärte, sie freue sich, dass der Bundesinnenminister dem nachgekommen sei. Von Schnurbein sei spätestens seit 2015 für ihre enge Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinschaften in Europa bekannt.
Die Grünen-Politikerin äußerte zugleich volles Vertrauen darin, dass von Schnurbein die richtige Person für das Amt sei. Mit dem Kabinettsbeschluss steht der nächste formale Schritt ihrer Ernennung bevor.
Die geplante Berufung von Katharina von Schnurbein fällt in eine Phase, in der das Amt der Antisemitismusbeauftragten des Bundes neu besetzt werden soll. Der bisherige Amtsinhaber Felix Klein wechselte Ende August als deutscher OECD-Botschafter nach Paris; übergangsweise übernahm der parlamentarische Staatssekretär Christoph de Vries die Aufgabe.
Von Schnurbein bringt aus ihrer bisherigen Tätigkeit auf europäischer Ebene umfangreiche Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit mit. Als Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission war sie über Jahre mit Initiativen gegen Judenfeindlichkeit und zur Unterstützung jüdischen Lebens befasst. Ihre Vernetzung in Brüssel und mit jüdischen Gemeinschaften kann für die Arbeit in Berlin insbesondere bei grenzüberschreitenden Projekten und der Abstimmung europäischer Strategien von Bedeutung sein.
Aufgaben in Deutschland
Das Amt ist beim Bundesinnenministerium angesiedelt und soll die Bundesregierung im Kampf gegen Antisemitismus unterstützen. Dazu gehören die ressortübergreifende Koordinierung, der Austausch mit jüdischen Organisationen und die Weiterentwicklung staatlicher Maßnahmen gegen antisemitische Vorfälle und Ideologien.
Mit der Kabinettsentscheidung wäre zunächst die personelle Grundlage für einen regulären Amtsantritt geschaffen. Die positiven Reaktionen des Zentralrats der Juden und der Grünen zeigen zugleich, dass von Schnurbeins internationale Expertise parteiübergreifend als wichtige Voraussetzung für die anstehenden Aufgaben bewertet wird.
Deutschlandfunk: „Berichte – Katharina von Schnurbein soll Antisemitismusbeauftragte des Bundes werden“ (13.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die geplante Berufung und den vorgesehenen Kabinettsbeschluss am Mittwoch. Anders als die dts-Meldung ordnet er zusätzlich den Wechsel des bisherigen Amtsinhabers Felix Klein zur OECD und die kommissarische Amtsführung durch Christoph de Vries ein.
