Anstand in Deutschland: 82 Prozent sehen Rückgang im Alltag
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSErgebnisse der Befragung nach Gruppen
- Insa befragte vom 1. bis 2. Oktober 2026 insgesamt 1.001 Menschen ab 18 Jahren online.
- Bei den über 70-Jährigen sehen 95 Prozent einen Rückgang anständigen Verhaltens.
- Nur sieben Prozent der Einkommensschwachen bewerten die gesellschaftliche Stimmung positiv.
Umfrage zeigt wachsende Unzufriedenheit mit Umgangsformen
Eine große Mehrheit der Deutschen nimmt einen Rückgang anständigen Verhaltens in der Gesellschaft wahr. Das zeigt eine im Auftrag von T-Online veröffentlichte Insa-Umfrage unter 1.001 Menschen.
Anstand bleibt für viele ein wichtiger Wert
88 Prozent der Befragten halten Anstand für wichtig, 55 Prozent sogar für „sehr wichtig“. Gleichzeitig sind 82 Prozent überzeugt, dass anständiges Verhalten abnimmt; 52 Prozent sehen einen deutlichen Rückgang.
Der Eindruck unterscheidet sich stark nach Alter. 67 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nehmen eine Abnahme wahr, bei den über 70-Jährigen sind es 95 Prozent. Zugleich steigt die Bedeutung, die Anstand im Alltag zugeschrieben wird, von 72 Prozent bei den Jüngsten auf 99 Prozent in der ältesten Gruppe.
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Soziale Schichten bewerten Entwicklung unterschiedlich
Bei den Einkommensschwachen sehen 88 Prozent einen Rückgang anständigen Verhaltens, in der Mittelschicht sind es 86 Prozent. In der Oberschicht teilen nur 50 Prozent diese Einschätzung; 44 Prozent beobachten dort sogar eine Zunahme, gegenüber sechs Prozent bei den Einkommensschwachen.
Auch die allgemeine gesellschaftliche Stimmung wird unterschiedlich beurteilt. Insgesamt bewerten 83 Prozent der Deutschen sie negativ. Im Juni 2025 waren es 69 Prozent. Besonders stark veränderte sich die Einschätzung in der Mittelschicht: Der Anteil positiver Bewertungen sank dort von 21 auf zehn Prozent.
Erhebung im Oktober durchgeführt
Insa befragte die Teilnehmer vom 1. bis 2. Oktober 2026 online. Die Befragten waren mindestens 18 Jahre alt und lebten in Deutschland.
Die Umfrage verbindet zwei Entwicklungen: Anstand bleibt für eine große Mehrheit ein wichtiger Wert, zugleich fällt die Einschätzung des gesellschaftlichen Umgangs deutlich negativer aus. Der Abstand zwischen persönlicher Wertorientierung und wahrgenommener Alltagspraxis deutet auf ein verbreitetes Gefühl sozialer Verschlechterung hin.
Besonders deutlich tritt der Unterschied zwischen den Altersgruppen hervor. Ältere Befragte nehmen den Rückgang wesentlich häufiger wahr und messen Anstand zugleich häufiger eine hohe Bedeutung bei. Das kann auf unterschiedliche Alltagserfahrungen, Erwartungen an Umgangsformen und Erinnerungen an frühere gesellschaftliche Normen hindeuten, ohne dass die Erhebung selbst die Ursachen dieses Generationengefälles erklärt.
Soziale Unterschiede prägen das Stimmungsbild
Die größten Abstände zeigt die Befragung bei der sozialen Schicht. Einkommensschwache bewerten sowohl die Entwicklung des Anstands als auch die allgemeine Stimmung deutlich negativer als Menschen aus der Oberschicht. Damit erscheint die Wahrnehmung von Umgangsformen eng mit der eigenen sozialen Lage und dem Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung verbunden.
Für die öffentliche Debatte ist zudem der Vergleich mit Juni 2025 relevant: Der Anteil negativer Bewertungen der gesellschaftlichen Stimmung ist von 69 auf 83 Prozent gestiegen. Die Zahlen beschreiben Wahrnehmungen, nicht objektiv gemessene Veränderungen des Verhaltens. Sie zeigen aber, dass Fragen des respektvollen Umgangs und der sozialen Zugehörigkeit für viele Menschen mit einer allgemeinen Verschlechterungserfahrung verbunden sind.
