Andreas Scheuer, Pkw-Maut

Andreas Scheuer vor Gericht: Prozess um Falschaussage im Maut-Komplex beginnt in Berlin

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 10:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Berlin hat der Prozess gegen den früheren Verkehrsminister Andreas Scheuer begonnen. Ihm wird vorgeworfen, im Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags falsch ausgesagt zu haben.

Vor dem Landgericht Berlin hat der Prozess gegen den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer begonnen. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
Vor dem Landgericht Berlin hat der Prozess gegen den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer begonnen. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Vor dem Landgericht Berlin hat der Prozess gegen den früheren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen des Vorwurfs einer Falschaussage begonnen.

Anklage nach dem Maut-Debakel

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zum gescheiterten Pkw-Maut-Projekt gelogen zu haben. Mitangeklagt ist der frühere Staatssekretär Gerhard Schulz.

Scheuer weist Vorwurf zurück

Scheuer war am Morgen frühzeitig am Gericht und wollte sich nicht äußern. Sein Anwalt teilte vor Prozessbeginn mit, sein Mandant trete dem Vorwurf nachdrücklich entgegen und werde sich gegen ihn verteidigen.

Zwölf Prozesstage angesetzt

Das Gericht hat bislang zwölf Prozesstage vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach am 25. November fallen.

Die geplante Pkw-Maut war im Juni 2019 vom Europäischen Gerichtshof als rechtswidrig gestoppt worden. Zentraler Punkt war die vorgesehene vollständige Entlastung inländischer Fahrer bei der Kfz-Steuer.

Politisches und juristisches Nachspiel der Pkw-Maut

Der Prozess gegen Andreas Scheuer ist mehr als ein persönliches Verfahren: Er setzt einen Schlusspunkt unter eines der folgenreichsten Verkehrsprojekte der vergangenen Jahre. Die gescheiterte Pkw-Maut hat nicht nur politische Kosten verursacht, sondern auch die Frage nach Verantwortung, interner Abstimmung und der Rolle von Regierungsmitgliedern im parlamentarischen Raum verschärft.

Besonders relevant ist der Fall, weil der Vorwurf nicht die Maut selbst betrifft, sondern die Aussage eines ehemaligen Ministers vor einem Untersuchungsausschuss. Damit rückt ein Kernstück parlamentarischer Kontrolle in den Fokus: Bundestagsausschüsse sollen politische Entscheidungen nachträglich aufklären und Verantwortlichkeiten klären können. Ein Verfahren wegen einer möglichen Falschaussage hat deshalb über den Einzelfall hinaus Bedeutung für den Umgang mit Auskünften von Regierungsmitgliedern.

Signalwirkung über den Einzelfall hinaus

Für die politische Debatte bleibt der Ausgang des Verfahrens wichtig, weil er auch Maßstäbe für künftige Untersuchungsausschüsse setzen kann. Je nachdem, wie das Gericht die Aussagen bewertet, dürfte der Fall die Grenzen zwischen politischer Verantwortung, persönlicher Verteidigung und strafrechtlicher Relevanz neu vermessen.

Für Leser hat das Verfahren vor allem deshalb Gewicht, weil es einen langjährigen Streit um die gescheiterte Maut in die Gegenwart holt. Der politische Schaden des Projekts ist längst bekannt, nun steht die juristische Aufarbeitung im Mittelpunkt.

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