French Open, Frankreich

«Happy End»: Zverev kürt sich zum Grand-Slam-Champion

07.06.2026 - 20:18:40 | dpa.de

Alexander Zverev hält dem Titeldruck bei den French Open stand und legt sein Final-Trauma ab. Diesmal scheitert der Tennisprofi kurz vor dem Ziel nicht - sondern tritt in Boris Beckers Fußstapfen.

  • Der Moment des großen Triumphs von Alexander Zverev. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Der Moment des großen Triumphs von Alexander Zverev. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Alexander Zverev jubeln nach einem Punktgewinn. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
    Alexander Zverev jubeln nach einem Punktgewinn. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
  • Alexander Zverev bei einem Volley. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Alexander Zverev bei einem Volley. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
  • Zverev bei einer Rückhand. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Zverev bei einer Rückhand. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia (oben, weiße Kopfbedeckung) mit. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia (oben, weiße Kopfbedeckung) mit. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Cobolli in der Defensive - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Cobolli in der Defensive - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • Zverev brauchte während des Matches Hilfe. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Zverev brauchte während des Matches Hilfe. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Am Ziel seiner Träume angelangt: Alexander Zverev - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Am Ziel seiner Träume angelangt: Alexander Zverev - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
  • Zverev gibt der Trophäe einen Kuss.  - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Zverev gibt der Trophäe einen Kuss. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • Zverev (l) tröstet Finalgegner Cobolli - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Zverev (l) tröstet Finalgegner Cobolli - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
  • Alexander Zverev (2.v.l) mit seinem Bruder (l), Vater und seiner Mutter. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Alexander Zverev (2.v.l) mit seinem Bruder (l), Vater und seiner Mutter. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
  • Vom Dackel gab es auch einen Siegerkuss.  - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
    Vom Dackel gab es auch einen Siegerkuss. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa
Der Moment des großen Triumphs von Alexander Zverev. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Alexander Zverev jubeln nach einem Punktgewinn. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa Alexander Zverev bei einem Volley. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa Zverev bei einer Rückhand. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia (oben, weiße Kopfbedeckung) mit. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Cobolli in der Defensive - Bild: Thibault Camus/AP/dpa Zverev brauchte während des Matches Hilfe. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Am Ziel seiner Träume angelangt: Alexander Zverev - Bild: Christophe Ena/AP/dpa Zverev gibt der Trophäe einen Kuss.  - Bild: Thibault Camus/AP/dpa Zverev (l) tröstet Finalgegner Cobolli - Bild: Christophe Ena/AP/dpa Alexander Zverev (2.v.l) mit seinem Bruder (l), Vater und seiner Mutter. - Bild: Christophe Ena/AP/dpa Vom Dackel gab es auch einen Siegerkuss.  - Bild: Christophe Ena/AP/dpa

Als Alexander Zverev das Objekt der Begierde endlich überreicht bekam, küsste er den Coupe des Mousquetaires, streichelte ihn zärtlich und hielt ihn wie ein Baby in seinen Armen. «Jetzt ist es endlich ein Happy End», sagte der deutsche Tennisstar bei der Siegerehrung der French Open auf dem Court Philippe Chatrier und ergänzte in Richtung seiner Box: «Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions - und das ist das, was zählt.»

Durch den historischen Finalsieg in Paris feierte der Tennisstar den sehnlichst erwarteten ersten Grand-Slam-Titel und legte seinen Makel als der «Unvollendete» ab. Mit einem Kraftakt gewann der körperlich angeschlagene 29-Jährige im Fünfsatzkrimi gegen den Italiener Flavio Cobolli (24) mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 und kürte sich auf dramatische Weise zum verdienten Sieger des Sandplatz-Spektakels in Paris. 

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte. «Was für ein außergewöhnlicher Erfolg!», schrieb der CDU-Politiker bei X: «Diese starke Leistung begeistert ein ganzes Land.» 

Trost für den Gegner

Als Zverev nach 4:16 Stunden seinen zweiten Matchball verwandelte, ließ er sich völlig erschöpft rücklings auf den Sand fallen und schluchzte. Danach tröste er seinen Finalgegner. Er selbst feierte dann mit seinem Team, zu dem sein Vater, Bruder, seine Mutter, Oma und auch Dackel Mishka zählt. Freundin Sophia Thomalla wollte zur Titel-Party nachreisen. 

Vor Zverev hatte hier seit Beginn der Profiära 1968 kein männlicher Tennisspieler aus Deutschland triumphiert. Zverev hielt auch im Final-Showdown dem großen Titel-Druck stand und gewann als erster deutscher Mann seit Boris Becker vor 30 Jahren bei den Australian Open einen Grand-Slam-Titel. «Er hat das mehr als verdient», sagte Becker bei Eurosport: «Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn.»

Für den Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere benötigte Zverev 41 Anläufe, dreimal war er auf teils dramatische Weise erst im Finale gescheitert - doch diesmal nicht. Für die Siegerehrung zog er sich ein frisches Shirt an, denn das alte hatte einen großen Salzrand aufgrund des Schweißverlustes. 

Zverev profitierte auch von der Konkurrenz

Der Hamburger legte sein Final-Trauma ab und zeigte angesichts körperlicher Probleme ab dem vierten Satz Kämpferqualitäten. Er belohnte sich für seine Hartnäckigkeit, auch nach niederschmetternden Niederlagen, schweren Verletzungen und großen Zweifeln von außen immer an seine Chance geglaubt zu haben. Die war diesmal nach dem frühen Ausscheiden der Topstars Jannik Sinner und Novak Djokovic und dem Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz so groß wie nie - und Zverev nutzte die Gunst der Stunde. 

Der Olympiasieger von 2021 wurde am Ende seiner Favoritenrolle gerecht. Der Titel seiner Doku «Der Unvollendete» war damit keine Prophezeiung. Stattdessen erfüllte sich für ihn der Spruch auf der Tribüne des Final-Stadions Philippe Chatrier: «victory belongs to the most tenacious» - der Sieg gehört dem Hartnäckigsten. 

Zverevs dominanter Start

Zverev war gegen Final-Debütant Cobolli zu Beginn der dominantere Spieler mit den präziseren Schlägen. Vor allem beim Aufschlag war ein Klassen-Unterschied deutlich, sodass Zverev dem Italiener im gewonnenen ersten Satz gleich dreimal breaken konnte.

Cobolli hatte im Halbfinale kampflos gewonnen, weil sein Gegner und Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt nicht antreten konnte. Körperlich sicher ein Vorteil, doch der Weltranglisten-14. wirkte zunächst mental nicht auf der Höhe. Früh diskutierte er mit seiner Box und machte es Zverev mit vielen unerzwungenen Fehlern relativ leicht.

Das Publikum versuchte, Cobolli mit Applaus und Rufen aufzubauen. Daraus zog der Außenseiter im zweiten Satz neue Energie - und plötzlich wackelte auch Zverev. Das verlorene Aufschlagspiel zum 3:4 machte seinen Gegner noch mutiger, er nutzte fast jede Chance für einen Gewinnerschlag und holte Satz Nummer zwei. «Nicht zu glauben, wie Cobolli jetzt aufdreht», sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner Becker bei Eurosport.

Körperliche Probleme bei Zverev

Auf das riskante Spiel seines Gegners stellte sich Zverev dann etwas besser ein. Durch ein Break im letzten Spiel gewann er den dritten Satz, doch im vierten Durchgang schwächelte Zverev. Er bewegte sich nicht mehr so gut und auch sein erster Aufschlag fand nicht mehr wie gewohnt sein Ziel. Als Cobolli zum Satzgewinn aufschlug, mobilisierte Zverev alle Kraftreserven - doch im Tiebreak musste er den Durchgang dann doch abgeben. Bei einer Pause war er zuvor auf der Bank an den Oberschenkeln massiert. 

Auch fünften Durchgang war Zverev angeschlagen - doch die größeren Fehler machte Cobolli. Zverev reagierte selbst bei den Breakgewinnen kaum emotional - wohl auch, um Energie zu sparen. 

Dass Zverev seinen Sehnsucht-Titel auf seinem Lieblingsbelag Sand in Paris holte, macht die Erfolgsgeschichte noch runder. Hier hatte er sich in Topform im Halbfinale 2022 gegen den Spanier Rafael Nadal schwer am Fuß verletzt und war als tragischer Verlierer mit einem Rollstuhl vom Platz gefahren worden. Vier Jahre später konnte sich Alexander Zverev auf dem Court Philippe Chatrier als strahlender Sieger feiern lassen.

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